Neurobiologie Was Mädchen zu Mädchen und Jungs zu Jungs macht
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Mit der Förderung von Mädchen gibt man sich mehr Mühe

Dazu passt eine Studie der Emory University, die Acht- bis Neunjährige sechs Trainingssitzungen lang mit einer Art Uno-Spiel und einem Gesichter-Puzzle trainierten. Die Kinder konnten danach auch im wirklichen Leben Gesichtsausdrücke ihrer Mitmenschen deutlich besser deuten – und zwar Jungen wie Mädchen gleichermaßen. Fällt die Förderung bestimmter Fähigkeiten dagegen aus, kann sich das Gehirn nicht dementsprechend entwickeln.

Dass Eliot, Mutter einer Tochter und zweier Söhne, eine besonnene, an praktischen Schlussfolgerungen für den Erziehungsalltag interessierte Wissenschaftlerin ist, hat sie bereits in ihrem ersten Buch unter Beweis gestellt, einem 800-Seiten-Wälzer zur frühkindlichen Hirnentwicklung. Die Neurobiologin ermuntert dazu, mit den Söhnen ganz besonders viel zu reden, statt sie zunehmend mit technischen Geräten allein zu lassen. Töchter sollten dagegen zu ein wenig mehr Risikobereitschaft und offener Konkurrenz ermuntert werden. "In einer zunehmend komplexen und kompetitiven Welt", schreibt die Autorin, "müssen unsere Jungen emotional intelligent und unsere Mädchen technisch geschickt sein."

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Mit der umfassenden Förderung von Mädchen gibt man sich inzwischen deutlich mehr Mühe als noch vor einigen Jahrzehnten. Bei Jungen aber finde man es leichter, "das Testosteron" oder die "langsamere Entwicklung" verantwortlich zu machen, wenn sie aggressiv werden oder sich in der Schule schwertun, sagt Eliot. "Wenn wir mehr darauf achten, wie Geschlechterunterschiede entstehen, statt sie auf feststehende biologische Fakten zurückzuführen, können wir allen Kindern dabei helfen, ihr volles Potenzial zu entfalten, beunruhigende Gräben zwischen Jungen und Mädchen schließen und den Gender-Krieg endlich beenden."

Für die Eltern könnte das in Arbeit ausarten. Auch das ist möglicherweise ein Grund dafür, dass es so beliebt ist, die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen als naturgegeben hinzunehmen.

Unter dem Titel "Wie verschieden sind sie? Die Gehirnentwicklung bei Mädchen und Jungen" erscheint Eliots Buch im September beim Berlin-Verlag.

Erschienen im Tagesspiegel vom 08.06.2010

 
Leser-Kommentare
  1. scheint genervt von dem abgekauten Thema 'Gender-bla-blubb'

    weil er selbst diesen ansonsten quantitativ nicht sehr erschöpfenden Beitrag als lesenswerten Kommentar empfiehlt.

    Danke für die treffende Zusammenfassung des Themas von Leser moral_majority und Danke an den Punktrichter für die gute Bewertung.

  2. Wissenschaftlich gesehen ist das ein Sandkastenschaufelkampf, der aus ideologischen Gründen in die Gesellschaft getragen wird.
    Neurobiologisch gesehen ist es erwiesen, dass es zwischen den Geschlechtern sexualhormonabhängige und sexualhormonunabhängige Unterschiede gibt, die sich auch auf die Gehirnentwicklung auswirken.
    Gleichzeitig mag wohl niemand bestreiten, dass es auch messbare Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt.
    Es erscheint jedoch trivial zu erkennen, dass diese Unterschiede wie immer bei Merkmalen nur als statistischer Unterschied auftauchen und kein Aussagen über Individuen erlauben (Im Sinne von: Männer sind größer als Frauen). Gleichzeitig, und das macht die Debatte so sinnlos, ist es fast unmöglich, wirklich zu bestimmen, wie groß die Anteile der (epi-)genetischen Voraussetzung und der Sozialisation bei der Endausprägung von Merkmalen sind, da es selten möglich ist, eine Kontrollgruppe zu bilden.
    Mir scheint als Hyopthese am wahrscheinlichsten, dass es je nach Merkmal beide Möglichkeiten gibt:
    1. statistische Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die genetisch bedingt sind und je nach Sozialisation verstärkt oder vermindert werden, aber nie ganz verschwinden (Aggressionspotential z.B.).
    2. statistische Unterschiede, die tatsächlich durch Sozialisation bedingt sind. So sind so weit ich weiss, bei neutralem Unterricht statistisch weder Frauen schlechter in Mathematik noch Männer schlechter in Sprachen.

  3. ...und woher wollen sie das wissen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kann schon sein, dass andere Leute blind durch die Welt laufen, aber man kann das auch selbst beobachten. Augen auf, und gucken, wie verschiedene Menschen eben verschieden denken, und wie sich daraus eben verschiedene Kategorien bilden lassen.

    Und: Natürlich reagieren Kinder nicht so hormongesteuert wie Erwachsene. Das liegt ganz einfach daran, dass sie eben weniger Hormone ausschütten, nicht daran, dass sie "noch formbar" sind. Und natürlich sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht die zwischen Tag und Nacht, jedenfalls meistens ;-).

    Der entscheidende Punkt, warum diese Diskussion langweilt, ist eben der, dass es ein politisches Thema ist, die Geschlechter wegzudiskutieren, kein wissenschaftliches. Die Geschlechter gibt's, die Diskussion, die die Autorin hier führt, ist Quatsch. Klar werden Babys keine großen geschlechterspezifischen Unterschiede aufweisen, deshalb ist auch das Maßgebliche bei solchen Statistiken, ob die Unterschiede signifikant sind, nicht, ob sie groß sind. Die individuellen Unterschiede sind immer größer als die zwischen den "Töpfen".

    Ich versteh' auch nicht, was "Fußball" mit Männern zu tun haben soll. In Amerika ist Soccer ein Frauensport. Während der letzten WM haben wir in der Firma in der Pause auch 'rumgekickt, und da war auch 'ne Frau im Team - eine ganz typisch weiblich-esoterisch angehauchte. Und ich halte es auch für ziemlich wahrscheinlich, dass Deutschland Fußballweltmeister wird - aber erst 2011.

    Kann schon sein, dass andere Leute blind durch die Welt laufen, aber man kann das auch selbst beobachten. Augen auf, und gucken, wie verschiedene Menschen eben verschieden denken, und wie sich daraus eben verschiedene Kategorien bilden lassen.

    Und: Natürlich reagieren Kinder nicht so hormongesteuert wie Erwachsene. Das liegt ganz einfach daran, dass sie eben weniger Hormone ausschütten, nicht daran, dass sie "noch formbar" sind. Und natürlich sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht die zwischen Tag und Nacht, jedenfalls meistens ;-).

    Der entscheidende Punkt, warum diese Diskussion langweilt, ist eben der, dass es ein politisches Thema ist, die Geschlechter wegzudiskutieren, kein wissenschaftliches. Die Geschlechter gibt's, die Diskussion, die die Autorin hier führt, ist Quatsch. Klar werden Babys keine großen geschlechterspezifischen Unterschiede aufweisen, deshalb ist auch das Maßgebliche bei solchen Statistiken, ob die Unterschiede signifikant sind, nicht, ob sie groß sind. Die individuellen Unterschiede sind immer größer als die zwischen den "Töpfen".

    Ich versteh' auch nicht, was "Fußball" mit Männern zu tun haben soll. In Amerika ist Soccer ein Frauensport. Während der letzten WM haben wir in der Firma in der Pause auch 'rumgekickt, und da war auch 'ne Frau im Team - eine ganz typisch weiblich-esoterisch angehauchte. Und ich halte es auch für ziemlich wahrscheinlich, dass Deutschland Fußballweltmeister wird - aber erst 2011.

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