Forscherstreit Zweifel an deutschem Stammzellen-Durchbruch
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Skutella spricht von einer "Kampagne" gegen ihn und von "Rufmord"

Seine Daten jedenfalls sind frei verfügbar – und die hat die Gruppe um Schöler nun noch einmal untersucht. Skutella hatte unter anderem ein Profil der Genexpression veröffentlicht. Das stellt für tausende Gene gleichzeitig dar, wie stark sie aktiv sind. "Wenn Sie sich 40.000 Gene ansehen, dann gibt deren Expression ein eindeutiges Muster und ist noch besser als ein Fingerabdruck", sagt Schöler. Der Fingerabdruck der Zellen von Skutella habe aber keinerlei Ähnlichkeit mit denen von Stammzellen, vielmehr gleichen sie denen von Fibroblasten, ganz gewöhnlichen Bindegewebszellen. "Sie können die Profile unserer Fibroblasten-Zellen und denen von Prof. Skutella übereinander legen: die sind identisch und völlig unterschiedlich zu allen Profilen, die bislang von Stammzellen publiziert worden sind."

Skutella weist die Kritik zurück. In einer Antwort in Nature schreibt er, der Vergleich solcher Daten, die im Abstand von Wochen oder Monaten an unterschiedlichen Geräten entstanden seien, verzerre die Ergebnisse . Das akzeptiert Schöler auch. Er hält es aber für ausgeschlossen, dass dabei ausgerechnet ein Muster herauskommt, das genau dem von Bindegewebszellen entspricht: "Das ist meines Erachtens unwahrscheinlicher, als wenn man Tausende von Buchstaben in die Luft würfe und auf dem Boden fügten sie sich zu einem Sonett von Shakespeare zusammen."

Die Zellen, mit denen die Ergebnisse von 2008 erzielt wurden, seien außerdem noch mit anderen Zellen verunreinigt gewesen, sagte Skutella dem Tagesspiegel . Seine Arbeitsgruppe werde demnächst neue Ergebnisse mit saubereren Zellen veröffentlichen. "Ich gehe davon aus, dass die deutlich zeigen werden, dass es sich nicht um Fibroblasten handelt."

Konrad Kohler, Koordinator des ZRM , sieht in dem Streit eine ganz normale wissenschaftliche Auseinandersetzung. Aber der Ton ist äußerst scharf. "Schöler will mich ärgern", sagt Skutella, spricht von "Kampagne" und "Rufmord". Schölers Vorgehen sei wissenschaftlich unwürdig. "Der Stil stört mich extrem."

Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet auf dem Gebiet der Stammzellforschung ein derartiger Streit entsteht. Zahlreiche Gruppen in der ganzen Welt kämpfen darum, den nächsten Durchbruch zu schaffen, neue Alleskönnerzellen zu präsentieren. "Der Druck ist enorm", sagt der Kölner Forscher Jürgen Hescheler . Es wird also sicher nicht der letzte Streit sein.

Erschienen im Tagesspiegel vom 25.06.2010

 
Leser-Kommentare
  1. Die Unabhängigkeit von embryonalen Stammzellen, die Suche nach Alternativen, rechtfertigt auch "die Verschwendung von Zeit und Geld". Was passiert denn in der Naturwissenschaft so direkt und ohne Umwege, wie es sich die MitarbeiterInnen aus der Controlling-Abteilung vorstellen?

    Selbst das Nachkochen von publizierten Synthesen in der Chemie erfordert bisweilen Improvisationsvermögen und starke Nerven.

    Also: weitersuchen, bis es klappt. Wie alle Naturwissenschaftler, die forschend tätig sind.

  2. "Zahlreiche Gruppen in der ganzen Welt kämpfen darum, den nächsten Durchbruch zu schaffen, neue Alleskönnerzellen zu präsentieren."
    Schon 2007 gelang es Forschern, aus Fibroblasten induzierte pluripotente Stammzellen herzustellen.

    http://www.ncbi.nlm.nih.g...

    und

    http://www.ncbi.nlm.nih.g...

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