Woran starb Tutanchamun, der Herrscher der 18. Dynastie im alten Ägypten? Diese Frage beschäftigt die Wissenschaft, seitdem der Brite Howard Carter das Grab des Pharaos 1922 im Tal der Könige entdeckte.

Mord, ein Reitunfall oder Malaria? Die Theorien um seinen Tod sind so zahlreich und phantasievoll wie die Mythen, die sich um den berühmten jungen König ranken, der zu Lebzeiten vor mehr als 3000 Jahren allerdings nur wenig Einfluss gehabt haben soll.

Jetzt haben zwei Mediziner des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) Zweifel an einer neuen Theorie geäußert, die der Generaldirektor der ägyptischen Antikenverwaltung, Zawi Hawass, im Februar dieses Jahres aufgestellt hatte.

In einer Studie, die im Wissenschaftsmagazin JAMA veröffentlicht wurde, hatte Hawass gemutmaßt, eine schwere Form der Malaria in Verbindung mit der Köhler-Krankheit, bei der Teile des Mittelfußknochens absterben, hätten Tutanchamun letztlich dahingerafft. Hinzu kam wohl auch ein Bruch des Oberschenkels.

"Als Grund für den frühen Tod Tutanchamuns erscheint uns das eher unwahrscheinlich", behaupten dagegen Christian Timmann und Christian Meyer vom Tropeninstitut in Hamburg. Sie vermuten eine Erbkrankheit als eigentliche Todesursache: "Die Sichelzellkrankheit ist eine wichtige Differenzialdiagnose, die man mit dem vorhandenen DNA-Material vermutlich bestätigen oder ausschließen kann."

Gerade in Malaria-Gebieten ist die Sichelzellenanämie weit verbreitet, denn in leichter Form bietet die Störung des Blutbildes den Menschen dort einen Evolutionsvorteil. Diejenigen, denen nur ein Elternteil die Veranlagung für sichelförmige rote Blutkörperchen vermacht hat, sind dadurch vor Malaria geschützt. Bei voller Ausprägung der Erbkrankheit kommt es bei den Betroffenen allerdings zu Durchblutungsstörungen, die tödlich verlaufen können.

Und genau dies könnte auch bei dem ägyptischen Pharao der Fall gewesen sein. Die von Hawass und seinen Kollegen beschriebenen Knochenrückbildungen im Mittelfuß könnten jedenfalls eine Folge der Sichelzellenanämie gewesen sein, meinen die Hamburger Tropenmediziner.