Umweltverschmutzung in AfrikaDie vergessene Ölkatastrophe in Nigeria

Verrottende Bohrköpfe, geplatzte Pipelines und illegale Raffinerien: Das Nigerdelta ist seit Jahrzehnten mit Öl verseucht. Ein Film von Jörg Brase vom ZDF-Auslandsjournal von 

Der Ölfluss, der seit Monaten den Golf von Mexiko verschmutzt, scheint vorerst gestoppt zu sein. Doch dieser kleine Erfolg des Ölkonzerns BP im Kampf gegen die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA ändert nichts an den Folgen, die das giftige Öl für die Umwelt an den Küsten, die Tiere und Pflanzen im Meer und für die Menschen vor allem in Louisiana, Mississippi und Alabama haben wird. Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich die Natur von diesem Schaden erholen wird.

Die Ölpest im Golf von Mexiko wurde auch medial von Beginn an begleitet – seit der Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon wurde jeder Versuch dokumentiert, die Umweltkatastrophe aufzuhalten.

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Ganz anders ist das im Nigerdelta in Westafrika: Jedes Jahr verschmutzen dort 13 Millionen Barrel Öl das sumpfige Land und die Küste. Das entspricht der Menge, die beim Unglück des Tankers Exxon Valdez im Jahr 1989 vor Alaska ins Meer lief. Ab und zu berichten Journalisten aus dieser Region – doch mit der Resonanz auf die Ölpest in den USA ist das nicht zu vergleichen.

Zwar bohrt der Ölkonzern Shell seit 1993 nicht mehr im Nigerdelta nach Öl, doch zurückgelassene Bohrköpfe und verrottende Pipelines verschmutzen das Flussdelta weiter.

Der Journalist Jörg Brase war für das ZDF-Auslandsjournal im Nigerdelta und hat Menschen getroffen, die dort zwischen verrotteten Bohrköpfen nach Fischen suchen oder unter primitivsten Bedingungen in illegalen Raffinerien Treibstoff herstellen.

ZEIT ONLINE zeigt seine Dokumentation, die deutlich macht, welch hohen Preis die Menschen im Westen Afrikas auch heute noch für den Wohlstand in anderen Ländern zahlen müssen.

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Leserkommentare
    • mamor
    • 16. Juli 2010 17:51 Uhr

    Auch ein alter Hut ist, dass die Ölfirmen unliebsame Umweltschützer kurzerhand köpfen lässt!

    Für Öl ist die nigerianische Regierung bereit, das Land in Blut zu ertränken. Dies ist nicht das erste Mal, daß in diesem Land durch die Regierung vorsätzlich Blut vergossen wurde, um die Ölförderung sicherzustellen. Blutvergießen ist vielmehr ein Teil der Ölpolitik der Regierung. 1995 hat sie den Umweltschützer und berühmten Schriftsteller Ken Saro-Wiwa, zusammen mit acht anderen Aktivisten für Minderheitenrechte aus Ogoni, gehängt, weil sie die Ölförderung des Ölgiganten Shell auf Ogoniland angegriffen hatten.

    Im Dezember 1998 hat die Regierung Jugendliche in Yenagoa, der Hauptstadt von Bayelsa, massakriert, weil sie die Kontrolle über die Ölressourcen, die auf dem Land ihrer Ahnen gefördert werden, verlangten. Einige Monate später wurden Truppen geschickt, um Kaiama, eine Stadt in Bayelsa, dem Erdboden gleich zu machen, wo Jugendliche Wochen zuvor eine Deklaration beschlossen hatten, in der sie verlangten, daß das Volk Kontrolle über seine Ölressourcen haben soll.

    All diese Massaker und Zerstörungen fanden in einem kleinen Teil des Landes, Niger-Delta genannt, statt. Das Niger-Delta ist der südlichste Teil von Nigeria, der etwa 70.000 km² umfasst. Trotz seiner kleinen Fläche in Relation zum gesamten Land, und seiner Vernachlässigung, werden aus seinem Innersten täglich zwei Millionen Tonnen Rohöl gefördert.

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    • Kilon
    • 20. Juli 2010 1:29 Uhr

    Im Nigerdelta werden keine 2 Millionen TONNEN Erdöl pro Tag gefördert. Das wäre weit mehr als Saudi-Arabien oder Russland fördern ;) 2 Millionen Barrel. Aber ja die Verschmutzungen dort sind enorm. Bei Youtube findet man Videos in denen man sieht wie verschmutzt die Umgebung ist und wie andererseits Einheimische teilweise versuchen Öl irgendwo in Kanistern weg zu schaffen um es vermutlich in diese "Raffinerien" zu bringen.

    Nigeria wäre ohne Öl sicher besser dran. Für die meisten Länder war Öl mehr ein Fluch als ein Segen. Einige Staaten im persischen Golf vlt. ausgenommen, dort werden/wurden pro Tag und Kopf aber auch 50 - 100 Liter Erdöl gefördert. Ähnlich wie in Norwegen oder Brunei.

    Andere große Länder haben jedoch ihre anderen Wirtschaftszweige vernachlässigt wegen des Öls. Gemischt mit Korruption...

    • krumec
    • 16. Juli 2010 18:39 Uhr

    Die täglich zwei Millionen Tonnen Rohöl, die aus der Niger-Delta gefördert werden, sind mit Sicherheit während der Fußball WM knapp gewesen. Die Wirtschaft vieler Länder hat es aber guut getan.

    Was die Korruption in Nigeria angeht, ja, die haben genauso wenig Moral wie WIR Verbraucher.

    Die Niger-Delta und ihre Bewohner leiden vor allem direkt unter UNSERE Ölsucht.

    Fliegen ist heute billiger denn je zuvor. Vielleicht hätten wir an den Massaker und Zerstörungen denken müssen bevor wir unser Urlaubsflug buchten. War das dritte oder vierte dieses Jahr?

  1. und Menschenrechte kämpfen die USA und Europa hir in Nigeria natürlich nicht.

    Der ganze politisch industrieller Komplex ist doch bis ins Mark verlogen und verdorben.

    Und von solchen Leuten lassen wir uns regieren!

    • krumec
    • 16. Juli 2010 19:12 Uhr

    [entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema und nutzen Sie unsere Plattform nicht fuer werbliche Zwecke. Danke. Die Redaktion/ew]

  2. Ich wollte ursprünglich einen Kommentar verfassen, der in folgende Richtung gehen sollte:
    "Abgesehen von der unbestreitbaren humanitären Katastrophe müssen die Verwantwortlichen doch schon aus rein wirtschaftlichen Gründen ein Interesse daran haben, einen jährlichen Ausfluss von 13 Millionen Barrel zu vermeiden. Wieso tun die das nicht?"
    dann habe ich versucht, herauszufinden, welchem Verbrauch das in etwa entspricht:
    und zwar (etwas weniger als) einem Fünftel des weltweiten Tages(!)verbrauches... oder, anders gerechnet, etwas weniger als dem Wochenverbrauch in Deutschland... jetzt ist mir wenigstens klar, wieso das wirtschaftlich nicht so interessant ist.

    • Mete
    • 17. Juli 2010 11:03 Uhr

    In dem man in den Medien mehr über (sehr fot von aussen provozierte) Konflikte zwischen Ethnien und Religionen berichtet, lenkt man von den wahren Übeltaeter ab:

    Den Transnationalen Firmen.

    Ich will keine Debatte nach dem Muster der 68, wo die Transnationalen-Schelte zum guten Ton gehörte, anstossen, sondern einen Hinweis, auf unsere Raffgier geben, von dem sich die Chinesen auch anstecken liessen!

    Und in anderen Artikel fragt man sich dann wieder so blöd, warum?

    • mamor
    • 17. Juli 2010 14:25 Uhr
    • Kilon
    • 20. Juli 2010 1:29 Uhr
    8. mamor

    Im Nigerdelta werden keine 2 Millionen TONNEN Erdöl pro Tag gefördert. Das wäre weit mehr als Saudi-Arabien oder Russland fördern ;) 2 Millionen Barrel. Aber ja die Verschmutzungen dort sind enorm. Bei Youtube findet man Videos in denen man sieht wie verschmutzt die Umgebung ist und wie andererseits Einheimische teilweise versuchen Öl irgendwo in Kanistern weg zu schaffen um es vermutlich in diese "Raffinerien" zu bringen.

    Nigeria wäre ohne Öl sicher besser dran. Für die meisten Länder war Öl mehr ein Fluch als ein Segen. Einige Staaten im persischen Golf vlt. ausgenommen, dort werden/wurden pro Tag und Kopf aber auch 50 - 100 Liter Erdöl gefördert. Ähnlich wie in Norwegen oder Brunei.

    Andere große Länder haben jedoch ihre anderen Wirtschaftszweige vernachlässigt wegen des Öls. Gemischt mit Korruption...

    Antwort auf "Das ist nichts Neues!"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Afrika | Nigeria | Umweltverschmutzung | Bohrplattform | Dokumentation | Exxon
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