Fast lichtschnell prallen Atomkerne seit dem 30. März 2010 im "Large Hadron Colliger" (LHC) bei Genf zusammen. Nun wurden auf einer Physik-Tagung, der ICHEP , in Paris die ersten Ergebnisse vorgestellt. Wirklich Neues gibt es nicht zu verkünden vom weltgrößten Physik-Experiment. Das Higgs-Boson wurde bislang nicht entdeckt. Dafür haben die Forscher des europäischen Kernforschungszentrums Cern in Genf das Gros bereits bekannter Teilchen erneut nachgewiesen.

"Es ist erstaunlich, wie schnell wir so ziemlich alle Elementarteilchen wieder entdeckt haben", sagt Guido Tonelli, Sprecher für das CMS-Experiment . Bereits nach Tagen hatten die Forscher zum Beispiel W- und Z-Bosonen gefunden – die zwei Träger der schwachen Kraft, die bereits vor 30 Jahren am Cern entdeckt worden sind. 

"Dass wir unsere "alten Freunde" in der Teilchenwelt wieder finden, zeigt, dass die LHC-Experimente geeignet sind, Neuland zu betreten", sagt der Cern-Generaldirektor Rolf Heuer. Es sehe so aus, als würde das Standardmodell wie erwartet funktionieren. "Nun ist es die Aufgabe der Natur, uns Neues zu zeigen." 18 dieser Bausteine enthält das derzeitige Standardmodell der Physik (wie sie aussehen, weiß niemand). Entdeckt wurden alle bis auf eins, das Higgs-Boson.

Die Häufigkeit der erwünschten Kollisionen in dem Beschleuniger sei um das Tausendfache gestiegen, sagen die Wissenschaftler des Cern. Damit erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass das ersehnte Higgs-Boson endlich entdeckt wird. Dieses Elementarteilchen soll allen anderen Materiebausteinen ihre Masse verleihen. Es ist eines der Topziele, die man mit dem neuen Beschleunigerring erreichen möchte.

Der LHC liegt als 27 Kilometer langer Ringtunnel in etwa 100 Metern Tiefe unter der Erdoberfläche und reicht bis nach Frankreich. Seit mehr als 20 Jahren wird an dem Teilchenbeschleuniger geplant und gebaut, um fundamentale Fragen über die Natur zu beantworten. Eines der Ziele ist, die Situation einzelner Teilchen nach dem Urknall zu simulieren, um Rückschlüsse auf die Entstehung des Universums ziehen zu können. Bisher war die Arbeit am Cern allerdings von Pannen geprägt .

In etwa eineinhalb Jahren wird der LHC für eine gründliche Inspektion erneut abgeschaltet. Danach soll der Betrieb wieder aufgenommen werden und Teilchen im Gerät mit maximaler Power zur Kollision gebracht werden.