LHC in Genf Alte Elementarteilchen neu entdeckt
Seit drei Monaten knallt es im Teilchenbeschleuniger des Cern. Noch wurden keine neuen Teilchen entdeckt – allein bereits bekannte Partikel wurden erneut nachgewiesen.
© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Ein Blick auf den Monitor zeigt die erste hoch-energetische Kollision, die im Rahmen des CMS-Experiments am Cern beobachtet worden ist
Fast lichtschnell prallen Atomkerne seit dem 30. März 2010 im "Large Hadron Colliger" (LHC) bei Genf zusammen. Nun wurden auf einer Physik-Tagung, der ICHEP , in Paris die ersten Ergebnisse vorgestellt. Wirklich Neues gibt es nicht zu verkünden vom weltgrößten Physik-Experiment. Das Higgs-Boson wurde bislang nicht entdeckt. Dafür haben die Forscher des europäischen Kernforschungszentrums Cern in Genf das Gros bereits bekannter Teilchen erneut nachgewiesen.
"Es ist erstaunlich, wie schnell wir so ziemlich alle Elementarteilchen wieder entdeckt haben", sagt Guido Tonelli, Sprecher für das CMS-Experiment . Bereits nach Tagen hatten die Forscher zum Beispiel W- und Z-Bosonen gefunden – die zwei Träger der schwachen Kraft, die bereits vor 30 Jahren am Cern entdeckt worden sind.
- Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger
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Der Large Hadron Collider (LHC) ist ein 27 Kilometer langer Ringbeschleuniger am europäischen Kernforschungszentrum in Genf. Er verläuft bis zu 100 Meter tief im Untergrund des schweizerisch-französischen Grenzgebiets.
Der LHC ist für eine maximale Energie von 7 Teraelektronenvolt (TeV) pro Strahl ausgelegt, was eine Kollisionsenergie von 14 TeV ermöglicht. Derzeit läuft er aber nur mit 7 Tev, und das wird sich auch bis Ende 2011 nicht ändern.
- Pannen und Erfolge
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Der Aufbau dauerte 14 Jahre und hat rund vier Milliarden Euro gekostet. Im September 2008 wurde der Beschleuniger erstmals gestartet, musste aber aufgrund eines Defekts im Kühlsystem wenige Tage darauf wieder abgeschaltet werden. Es folgte eine monatelange Reparatur, im November 2009 startete die Maschine erneut.
Am 30. November 2010 erreichte der Beschleuniger eine Energie von 1,18 Teraelektronenvolt und stellte damit den bisherigen Rekord des Tevatron in den USA ein. An den Experimenten sind mehr als 8.000 Gastwissenschaftler aus aller Welt beteiligt, etwa 1.000 davon aus Deutschland.
"Dass wir unsere "alten Freunde" in der Teilchenwelt wieder finden, zeigt, dass die LHC-Experimente geeignet sind, Neuland zu betreten", sagt der Cern-Generaldirektor Rolf Heuer. Es sehe so aus, als würde das Standardmodell wie erwartet funktionieren. "Nun ist es die Aufgabe der Natur, uns Neues zu zeigen." 18 dieser Bausteine enthält das derzeitige Standardmodell der Physik (wie sie aussehen, weiß niemand). Entdeckt wurden alle bis auf eins, das Higgs-Boson.
Die Häufigkeit der erwünschten Kollisionen in dem Beschleuniger sei um das Tausendfache gestiegen, sagen die Wissenschaftler des Cern. Damit erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass das ersehnte Higgs-Boson endlich entdeckt wird. Dieses Elementarteilchen soll allen anderen Materiebausteinen ihre Masse verleihen. Es ist eines der Topziele, die man mit dem neuen Beschleunigerring erreichen möchte.
- Quarks
An dem Doppelringspeicher Doris wurden in den siebziger Jahren die Quarks erforscht, bis dahin nur mathematisch hergeleitete Elementarteilchen, aus denen sich die vielen Partikel des "Teilchenzoos" zusammensetzen. Die Röntgenstrahlenquelle Petra (Positron-Elektron-Tandem-Ring-Anlage) entdeckte das Gluon, ein "Klebeteilchen", das Kräfte zwischen Quarks übermittelt. Die Hadron-Elektron-Ring-Anlage Hera half, die komplizierte Struktur des Protons zu erkunden.
- Neutrinos
In internationaler Zusammenarbeit betreiben Desy-Wissenschaftler aus Zeuthen das Neutrinoteleskop Amanda am Südpol. Es registriert Neutrinos, die im Eis ihre Spur hinterlassen. Da Neutrinos nur selten mit anderen Teilchen reagieren, können sie durch die Erde hindurch fliegen. Sie liefern daher Informationen aus Bereichen des Universums, die sonst für Astronomen unzugänglich wären, etwa aus dem Inneren der Sonne oder von Sternenexplosionen.
- Nanoforschung
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Petra III, das 2009 in Betrieb genommene jüngste Spielzeug der Hamburger Forscher, dient vor allem der Forschung mit Synchrotronlicht. Die Teilchen im Beschleuniger strahlen es aus und machen die Röhren zu den hellsten Röntgenquellen, die es gibt.
Synchrotronlicht erlaubt tiefe Einblicke in den Nanokosmos. Das tun auch der mit supraleitenden Linearbeschleunigern ausgestattete Freie-Elektronen-Laser Flash und sein Kollege European XFEL, der 2014 in Betrieb geht. Sie sollen sogar Filmaufnahmen aus dem Nanokosmos erlauben.
- Ribosomen
Der Blick in die Welt der kleinsten Teilchen hilft, die Funktion von Biomolekülen zu verstehen oder Materialien auf atomarer Ebene erforschen – eine Voraussetzung für neue Medikamente und moderne Werkstoffe. 2009 bekam Ada Yonath den Chemie-Nobelpreis für ihre Erkenntnisse über die Funktion der Ribosomen, jene Bestandteile menschlicher Zellen, die die Informationen im Erbgut entschlüsseln. Sie hat 18 Jahre lang eine Max-Planck-Arbeitsgruppe am Desy geleitet.
Der LHC liegt als 27 Kilometer langer Ringtunnel in etwa 100 Metern Tiefe unter der Erdoberfläche und reicht bis nach Frankreich. Seit mehr als 20 Jahren wird an dem Teilchenbeschleuniger geplant und gebaut, um fundamentale Fragen über die Natur zu beantworten. Eines der Ziele ist, die Situation einzelner Teilchen nach dem Urknall zu simulieren, um Rückschlüsse auf die Entstehung des Universums ziehen zu können. Bisher war die Arbeit am Cern allerdings von Pannen geprägt .
In etwa eineinhalb Jahren wird der LHC für eine gründliche Inspektion erneut abgeschaltet. Danach soll der Betrieb wieder aufgenommen werden und Teilchen im Gerät mit maximaler Power zur Kollision gebracht werden.
- Datum 27.07.2010 - 13:02 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Find ich immer lustig wenn daraufhingewiesen wird wie viele Pannen es beim Cern gegeben haben soll. War eingentlich nur eine einzige, nämlich ein fehlerhafter Magnet. Nur mussten deswegen 30.000 Tonnen von über 230C° Minus langsam runtergekühlt werden, dauerte halt ein bischen.
Wenn unsere Privatwirtschaft dieses Projekt durchgeführt hätten, dann wäre er schon dreimal explodiert und sie bräuchten immer noch zehn Jahre! Siehe neuer Reaktor in Finnland, selbst so eine "einfache" Maschine bekommen die nicht einmal hin!
Es war wohl eine Glanzleistung dieses Projekt mit nur so wennigen Fehlern zu bauen! Stellt ja auch in Sachen Komplexität alles vorher dagewesene weit in den Schatten.
Und ich persöhnlich bin sehr froh, dass in ein solches Projekt so viel Geld fließt. Ich hoffe dass wir in meinem Leben noch viel über die Welt in der wir Leben herrausfinden werden, denn unsere Welt ist ein wunderbarer Ort. Weiter so Jungs!
Ach ja, ich würde eine Flasche Wermuth (Champagner wäre nicht angemessen) darauf verwetten, dass dieses Riesenspielzeug der Grundlagenwissenschaftler nichts neues von Belang findet. Ich freue mich über die finanzielle Unterstützung eines jeden sinnvollen Projekts, bei dem das Verhältnis von Aufwand und Erkenntnisgewinn einigermaßen proportional ist. Hier sehe ich das nicht. Zumal es ein Wunder wäre, wenn Murphys Gesetz bei der Komplexität des Gerätes nicht immer wieder zuschlagen würde.
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