Archäologisches Institut Ein neuer Blick auf Pergamon
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Heute betreiben Archäologen auch Kulturpolitik

Frage: Das DAI ist in den letzten Jahren expandiert, unter anderem nach Afrika, Russland und China. Machen solche Entdeckerreisen und nationale Archäologie heute überhaupt noch Sinn?

Fless: Selbstverständlich, wir haben zentrale Räume erschlossen, die in der Antike vernetzt waren. Das zeigt sich beispielsweise, wenn chinesische Lackkästchen auf der Krim entdeckt werden. Dem DAI wird es auch weiterhin darum gehen, antike Räume und Regionen durch Abteilungen und Außenstellen abzubilden. Wir wollen Zusammenhänge darstellen mit den Kulturen des Mittelmeerraumes. Die Außenstellen in Peking und Ulan Bator werden gerade aufgebaut, wir wollen das stabilisieren und allmählich in eine intensive Kommunikation mit den Kollegen dort hineinkommen.

Frage: Im irakischen Uruk ruht die Feldforschung wegen des Irakkrieges seit 2003, bislang ist die Lage im Land nicht so, dass sie wieder aufgenommen werden kann. Wie wollen Sie künftig mit Projekten in Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten umgehen?

Fless: In Situationen, in denen die dort tätigen Wissenschaftler gefährdet sind, können Grabungen nicht stattfinden. Aber in bestimmten Regionen ist Forschung auch unter schwierigen Bedingungen noch möglich und wird auch durchgeführt. Letztlich versuchen wir, den Kollegen in diesen Regionen gezielt zu helfen und ihnen auch mit Einladungen nach Deutschland Wissenschaft zu ermöglichen.

Frage: Das DAI, das ja vom Auswärtigen Amt finanziert wird, ist zu einem Instrument auswärtiger Kulturpolitik geworden, gilt als Wegbereiter für diplomatische Kontakte. Wollen Sie diese Rolle annehmen?

Fless: Das DAI spielt in der Tat in der Außenwissenschaftspolitik eine zentrale Rolle. Für uns steht dabei die Kommunikation mit den Kollegen an erster Stelle. Wir wollen alles dafür tun, sie in den wissenschaftlichen Austausch einzubeziehen. Daneben haben wir den Auftrag, auch in politisch schwierigen Situationen etwas für die Erhaltung von Kulturgütern zu tun.

Frage: Was wird ohne Sie aus dem Exzellenzcluster Topoi, dem großen Forschungsvorhaben der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Uni über Raum und Kultur in der Antike, das Sie leiten?

Fless: Ich befinde mich gerade auf einer Klausurtagung des Clusters, auf der wir darüber diskutieren, wie der Fortsetzungsantrag aussehen wird. Wir müssen ihn im September 2011 stellen. Als Präsidentin des DAI gehöre ich dem Team weiter an und ich werde auch weiter inhaltlich mitarbeiten. Das Projekt läuft auf jeden Fall bis Oktober 2012, und wenn wir mit dem Folgeantrag erfolgreich sind, noch weitere fünf Jahre

Frage: Eines der bedeutendsten Exponate der Berliner Archäologie ist die Nofretete. Ägypten fordert sie seit langem zurück. Wie stehen Sie dazu?

Fless: Die Nofretete ist die schönste und beste Botschafterin Ägyptens außerhalb des Landes.

Das Gespräch führte Amory Burchard.

Erschienen im Tagesspiegel .

 
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