"Psychologen müssen unbedingt etwas von Neurobiologie verstehen"
Für Birbaumer, der schon im Studium an der Uni Wien besonderes Interesse für Neurobiologie entwickelte, in seiner Doktorarbeit Hirnströme bei blind geborenen Menschen untersuchte und später an der Uni München einige Jahre verhaltenstherapeutisch arbeitete, hat das lernende Gehirn nichts von seiner Faszination verloren.
Dass Lernen nicht allein bewusst geschieht, macht sich die Psychologie schon lange zunutze. Neu sei, dass die Erkenntnisse heute angewandt würden, um das Gehirn selbst und seine Funktionen durch Lernen zu beeinflussen, wenn es durch eine Krankheit geschädigt wurde. "Heute weiß man relativ genau, wo und wie sich die unbewussten, automatisierten Lernprozesse abspielen. Psychologen müssen deshalb unbedingt etwas von Neurobiologie verstehen." Auch die Psychotherapie könne im Übrigen nicht auf ein solches Fundament verzichten – "jedenfalls, wenn sie mehr als allgemeines Gerede sein soll".
Der Psychologieprofessor, der selbst Vater eines 30-jährigen und eines noch nicht ganz dreijährigen Kindes ist, wendet die von seiner Arbeitsgruppe entwickelten Methoden inzwischen auch bei Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen an. "Es gibt schließlich große Ähnlichkeiten zwischen der frühen und der späten Entwicklung des menschlichen Gehirns." Ihm selbst sei das Lernen nicht immer leicht gefallen. "In der Pubertät hatte ich erhebliche Schwierigkeiten damit. Schon deshalb macht es mir nicht viel Mühe, mich in Jugendliche hineinzuversetzen, die keine Lust auf die Schule haben."
Erschienen im Tagesspiegel vom 15.07.2010
- Datum 15.07.2010 - 16:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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