Das Phänomen könnte hinderlich sein
Sie verglichen das Muster der Genaktivität in diesen Zellen und stellten fest, dass in Stammzellen, die aus Muskelzellen hergestellt wurden, noch viele Muskelgene aktiv waren. Dagegen waren in Stammzellen, die aus Immunzellen hergestellt wurden, andere, für Immunzellen wichtige Gene aktiv. Diese Unterschiede waren größer als die zwischen Stammzellen, die zwar aus Zellen verschiedener Tiere, aber dem gleichen Zelltyp hergestellt wurden.
"Das ist ein Segen und ein Fluch zugleich", sagt Andrew Feinberg, der an der Forschungsarbeit beteiligt war. Denn wenn es tatsächlich darum geht, aus einer Stammzelle, die ursprünglich eine Blutzelle war, neue Blutzellen herzustellen, könnte das die Arbeit erleichtern. Für eine Anwendung in der Medizin könnte das Phänomen aber hinderlich sein. "Es muss dringend untersucht werden, inwiefern das langfristig zu Schäden führen kann", sagt der Kölner Stammzellforscher Jürgen Hescheler . Es sei gut möglich, dass diese Veränderungen nicht weiter schlimm seien. "Aber es ist an der Zeit, auch den Mechanismus der Reprogrammierung wirklich zu erforschen. Ich bin enttäuscht, dass es da kaum Fortschritte gibt."
Und er sieht eine weitere Lehre: "Das zeigt eben auch, dass wir auf embryonale Stammzellen nicht verzichten können." In der Eizelle würden die epigenetischen Markierungen fast vollständig gelöscht. "Das ist das Vorbild. Deswegen sollten wir alle Experimente, die mit iPS-Zellen gemacht werden, immer auch mit embryonalen Stammzellen wiederholen", sagt Hescheler.
Diesem Vorbild folgt auch eine andere Art und Weise, Stammzellen herzustellen: Der Kerntransfer. Bei dieser Technik, die auch angewandt wurde, um das Schaf Dolly zu klonen, wird der Kern einer erwachsenen Zelle in eine Eizelle gegeben, deren Kern zuvor entfernt wurde. Dadurch wird die Zelle, wie nach einer Befruchtung, in einen ursprünglichen Zustand versetzt. Die Arbeitsgruppe von Daley untersuchte auch diese Zellen und kam zu dem Ergebnis, dass sie im Gegensatz zu iPS-Zellen kaum eine Erinnerung an ihre Vergangenheit haben. Die Methode hat aber zwei entscheidende Nachteile: Es werden dafür Eizellen benötigt und bisher ist es beim Menschen nicht gelungen, auf diese Art und Weise Stammzellen herzustellen.
Allerdings verlieren auch iPS-Zellen mit der Zeit langsam ihre "Erinnerung". "Die komplette Reprogrammierung von Zellen ist offenbar ein langsamer Prozess, der in den iPS-Zellen noch weiterläuft", sagt Hochedlinger. In seiner Arbeit konnte er zeigen, dass Zellen, die länger im Labor gehalten wurden, sich weniger in ihrer Epigenetik unterscheiden. Sie ließen sich auch leichter in Zelltypen verwandeln, die nicht ihrem Ursprung entsprechen.
(Erschienen im Tagesspiegel vom 20.07.2010)
- Datum 20.07.2010 - 17:40 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Mäuse aus Hautzellen - stark! Gehe ich recht in der Annahme, dass man dann auf alle männlichen oder alle weiblichen Mäuse verzichten kann? Das würde bedeuten, dass z. B. die Arche nur noch halb so groß sein muss, und das würde bedeuten, dass der Mensch sich nur noch halb so viel um Gottesstrafen Sorgen machen muss. Ein wichtiger Forschungszweig!
Außerdem könnte man sehr leicht einen genetischen Schalter ins Mäusegen einbauen, das dann z. B. per iPad-App den spontanen Herztod verursacht, wenn sich die Maus in die Nähe einer Speisekammer bewegt.
Das wäre besonders interessant für Entwicklungsländer, wo oft jedes Getreidekorn zählt, und eine satte Maus ein totes Kind bedeuten kann. Natürlich müsste gleichzeitig mit den Gentransfers sichergestellt werden, dass die One-Laptop-Per-Child-Computer Zugriff auf Apples-App-Shop bekommen, um die Mouse-Killer-App runterladen zu können. Ich fürchte, dass gerade das den schönen Plan kippen lassen könnte, bedenkt man wie eifersüchtig Steve seine sonstigen Gebietsansprüche gegen fabrikatsfremde Interessenten verteidigt.
Apples Egoismus könnte am Ende die ganzen Stammzellen- und Genetikforschung ad absurdum führen. Was bringt die Forschung, wenn sie niemandem hilft? Was bringt es, wenn wir fernsteuerbare Nager haben, die am Ende aber nur eine Freak-Show ergeben? Wir müssen fragen, ob der plötzliche Herztod nicht auch mit Tiefen-Hypnose erreichbar wäre? Das brächte zusätzliche Hypnotiseur-Arbeisplätze und könnte zusätzlich Raucher heilen!
... dann soll man doch einfach mal still sein. Hier hat doch offensichtlich jemand nicht verstanden, um was es geht, und dann munter Technikhass mit allgemeinem Forschungsmisstrauen vermengt, ohne auch nur die geringste Ahnung von einem von beiden zu haben. Hier also ein bisschen Aufklärung:
1. Man benutzt Mäuse als Modelltiere für den menschlichen Organsimus. Man will keine verbesserte oder veränderte Mäusespezies schaffen, sondern Erkenntnisse gewinnen, die in den allermeisten Fällen für den Menschen von medizinischer Relevanz sind. Da aber auf oberer Regierungsebene mehr Leute von Ihrem Kaliber vertreten sind, benutzt man Mäusezellen für die Grundlagenforschung.
2. "Eine Maus aus einer Hautzelle machen" heißt nicht, dass sich die Hautzelle einfach so zur Maus entwickelt. Man nimmt ihren Zellkern und setzt ihn in eine Eizelle ein - daraus wird dann die Maus. Also bruachen wir immer noch weibliche Mäuse.
3.iPS Zellen sind ein sehr wichtiger Forschungszweig, weil sie es hoffentlich ermöglichen, auf embryonale Stammzellen zu verzichten. Das hat nicht nur ethische Vorteile, sondern auch praktische: sogar Leuten wie Ihnen, die sich der Forschung erst öffnen, wenn es ihnen gesundheitlich an den Kragen geht, kann man noch helfen - auch aus Ihren Hautzellen könnten dann iPS Zellen gewonnen werden, um Ersatzorgane zu züchten oder Ihr von der Cheme zerstörtes hemapoetisches System wiederaufzubauen.
Aber das alles wird Ihnen dann ja hoffentlich mal ein geduldiger Arzt erklären.
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