Astronauten, Kosmonauten, Taikonauten – die USA, Russland und China sind bis heute die führenden Nationen in der bemannten Raumfahrt. Nun wollen die Dänen nachziehen und ihrerseits Menschen ins All befördern. Ins Leben gerufen wurde das Raumfahrt-Projekt jedoch nicht etwa von der Regierung des Landes, sondern von den zwei dänischen Amateur-Tüftlern Kristian von Bengtson und Peter Madsen. Sie haben das Projekt Copenhagen Suborbitals gestartet, gesponsert von knapp 30 Unternehmen und mit Geld privater Unterstützer. Spätestens am Samstag geht ihre erste Testrakete in der Ostsee an den Start. Hoffen die Tüftler jedenfalls. Mit an Bord: Ein Crashtest-Dummy.

"Unser Raumfahrzeug wird etwas vollkommen anderes sein", sagte Madsen dem New Scientist . Das Besondere: Mit 65 Zentimetern im Durchmesser ist die Kapsel gerade groß genug, um einen erwachsenen Menschen ins All zu befördern. Und der Passagier liegt nicht darin, sondern er steht. Die Kräfte, die auf ihn einwirken, wollen deshalb wohl dosiert sein. Zu Beginn des Fluges sollen nur rund drei bis vier G, also das Drei- bis Vierfache der Erdanziehungskraft, auf die Person einwirken. Das sei dieselbe Belastung, die bei einer herkömmlichen Achterbahnfahrt auf den Körper wirke, sagen die Ingenieure.

In einer Höhe von 150 Kilometern schließlich ist der Reisende im Zustand der Schwerelosigkeit und kann für einen kurzen Moment den spektakulären 360-Grad-Blick ins All genießen. So der Plan der Enthusiasten. Ermöglichen soll das eine eigens konstruierte Glaskuppel an der Spitze der Kapsel.

Seit sechs Jahren arbeitet das Team an dem Traum, die weltweit erste bemannte Amateur-Rakete ins All zu schicken. "Dieses Projekt mag gewagt sein oder extrem, aber wir werden niemals unvorsichtig sein. Wir werden niemals sagen 'das könnte funktionieren' und dann probieren wir es, aber wie man sieht, setzen wir unsere eigenen Standards", sagte von Bengtson den Discovery News .

Forschung wollen von Bengtson und Madsen im Weltraum nicht betreiben, auch muss der Passagier das Gefährt nicht steuern, er soll nur observieren. Es sei ein Kindheitstraum, den sich die beiden verwirklichen wollen, sagt Pressesprecherin Sophie Vedel Dalgaard. So hat sich Madsen auch freiwillig dazu gemeldet, als erster mit Copenhagen Suborbitals ins All zu fliegen – wenn das Projekt denn weit genug entwickelt ist.

Heat-1X (der Hybrid Exo Atmospheric Transporter ) heißt die Rakete, und steht – zumindest was den Namen angeht – den großen Konkurrenten der Nasa in nichts nach. Für den Testflug hat das Team die mobile Startrampe für die Rakete von Dänemark in ein Militärgebiet nahe der Ostseeinsel Bornholm geschleppt – mit einem selbst gebauten U-Boot. Vier Stunden dauerte die Fahrt über das Meer. Der Start von internationalen Gewässern hat den Vorteil, dass hier keine Regierungsvorschriften gelten, sagte Bengtson. Ein erstes Mal musste der Start am Donnerstag bereits verschoben werden – ganz in der Tradition vieler Space-Shuttle-Missionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Die Tüftler selbst rechnen zu 50 Prozent mit einem erfolgreichen Start am Samstag. Dann soll die Rakete auf ihre erste Reise in 30 Kilometer Höhe gebracht werden. Einziger Passagier des 1,6 Tonnen-Gefährts ist der Crashtest-Dummy.

Der Test soll zeigen, ob die Kapsel des Micro-Raumschiffs (MSC) Tycho-Brahe-1 ausreichend Schutz vor der Hitze und der G-Power bietet, die von der 210.000-Pferdestärke-Rakete erzeugt werden. Die Bastler wollen noch drei weitere Testraketen bauen, im besten Fall eine pro Jahr. So lange, bis der erste Mensch eine Reise an Bord des Amateur-Raumschiffs wagt. Bengtson sagt, er sei nicht enttäuscht, wenn der erste Raketenstart fehlschlägt. "Das ist ziemlich wahrscheinlich", sagte er den Discovery News . Man baue sowieso eine neue Rakete – egal was passiere.

Neben Sponsoren und Spendern können auch Privatleute das Projekt unterstützen . So kann man im Shop T-Shirts ("I'm a proud sponsor of Cophagen Suborbitals", 32,99 US-Dollar) und Strampler ("Rocket Scientist", 34,99 US-Dollar) oder auch Tassen ("I paid more for my cup than you did", 200 US-Dollar) erwerben. Mit 50.000 Euro belaufen sich die Kosten der Rakete auf zirka 0,02 Prozent einer Nasa-Mission – die lassen sich die Amerikaner nämlich durchschnittlich gut 355 Millionen Euro kosten.

Ob aus dem Projekt mehr wird als ein PR-Gag muss sich zeigen. Dass es künftig dänische BiIlligflüge ins All geben wird, bleibt aber sicherlich ein unerfüllter Kindheitstraum.

 Die Testrakete wird von einer mobilen Plattform im Meer nahe der dänischen Insel Bornholm starten. Das rote Rechteck zeigt die Zone der Heat-1X-Rakete an.