Die Gräber sind fast alle geplündert
Die Gräber sind nahezu ausnahmslos geplündert, auch heute stochern die sporadisch vorbeiziehenden Beduinen in den Steinsetzungen. Sie hoffen auf Gold, aber bislang haben sie immer "nur Knochen, Muschelperlen und Basaltsteine" gefunden. Gebel will im kommenden Jahr ein Grab systematisch ausgraben – auf der Suche nach Knochen, die eine Isotopenanalyse erlauben. Davon erhofft er sich Auskunft über die Herkunft und Lebensweise der Menschen in der Wüste vor 6000 Jahren.
Neben den Gräbern zeugen zahlreiche Brunnen von zielgerichteten menschlichen Aktivitäten. Einen hat das deutsch-jordanische Team ausgegraben. Es kam bis in eine Tiefe von fünf Metern, dann musste die Grabung aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden. Die Archäologen fanden auch siedlungsartige Camps mit steinumrandeten Pferchen, kleinen Rundhäusern und Herdstellen.
- Was ist C14?
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Das Isotop Kohlenstoff-14, kurz C14, ist eine radioaktive Variante des Kohlenstoffatoms. Statt den üblichen zwölf Neutronen besitzt es 14.
In der Umwelt schwirrt immer ein gewisser Prozentsatz an C14-Atomen herum – der radioaktive Stoff ist in Pflanzen und Tieren vorhanden, und auch der Mensch nimmt es mit der Nahrung auf. Im Erbgut – der DNA einer Zelle – lässt sich C14 nachweisen.
- Datierung von Fossilien
Stirbt ein Lebewesen, endet die Aufnahme von Kohlenstoff und der Zerfall der C14-Isotope in den Zellen des Körpers. Da man weiß, dass von den C14-Atomen alle 5730 Jahre die Hälfte zerfällt (Halbwertzeit, kann man anhand des C14-Gehaltes in abgestorbenen Gewebe errechnen, wann der Organismus aus dem es stammt, gestorben sein muss. Dies machen sich zum Beispiel Paläontologen zunutze, um zu bestimmen, wie alt ein bestimmtes Fossil ist.
Wohnbauten, riesiger Friedhof, Brunnen, Muschelperlen – wie passt das in eine Landschaft, die heute 25 Millimeter Niederschlag verzeichnet, also lebensfeindliche Wüste ist? Die archäologischen Befunde werden durch die moderne Klimaforschung untermauert: Vor 6000 Jahren war die arabische Wüste – wie die Sahara – für rund ein halbes Jahrtausend Savanne mit zahlreichen Seen und hohem Grundwasserspiegel, ein ideales Gebiet mithin für eine halbsesshafte Hirtenkultur. Eine solche Wirtschaftsweise belegen auch sogenannte Fächerschaber aus Flint, die im Camp gefunden wurden. Mit diesem Hirtenwerkzeug par excellance konnte man schlachten, scheren, schaben und Felle entfetten, es ist das Universalwerkzeug der ausgehenden Kupfersteinzeit.
Und so kann Hans-Georg Gebel seine noch namenlose Gruppierung im Wadi Beni Murra charakterisieren als Teil einer Hirtenkultur mit starkem Ahnenkult, für den die Menschen immer wieder zu den Gräbern ihrer Verstorbenen zurückkehrten. Die Viehzüchter hatten weite "Schweifflächen", trafen bei ihren Wanderungen mit den sesshaften Gesellschaften etwa im Jordantal zusammen. Denen lieferten sie Fleisch, von ihnen erwarben sie die Muscheln für ihren Schmuck und die Feuersteinklingen für ihre Fächerschaber.
Sie hatten ein profundes Wissen über Wasser und Wasserwirtschaft, was ihnen eine zumindest temporäre Sesshaftigkeit in festen Siedlungen erlaubte. In den rund 500 Jahren ihrer Existenz waren ihre Seen und Brunnen die unerlässlichen Stützpunkte für direkte Handelsverbindungen zwischen den beiden aufstrebenden Regionen Ägypten und Mesopotamien, aber auch hinein in die Weiten der arabischen Halbinsel.
Als es ab 3500 v. Chr. allmählich kühler und trockener wurde, versickerte diese Hirtenkultur. Ihr Vermächtnis aber war wegweisend: Ihr Wassermanagement legte die Grundlage für die Oasenwirtschaft. Mit dieser These stellt Gebel die Lehrbuchmeinung infrage, dass sich die Oasenwirtschaft während der Feuchtphasen entwickelte.
Vielmehr wurden mit zunehmender Trockenheit aus den Hirten mit ihrer Brunnentechnologie sesshafte Oasenbauern, die dann die Kanalbewässerung entwickelten und die Dattelpalme domestizierten, ist Gebel überzeugt. Das ist mehr als ein akademischer Disput. Die Oasenwirtschaft ermöglichte überhaupt erst die Besiedlung der arabischen Halbinsel und ist somit, meint Gebel, "absolut gleichbedeutend mit der sogenannten Neolithischen Revolution, also dem Übergang zur bäuerlichen Wirtschaftsweise". So gesehen, wäre Dalish nicht nur der erste Beduine, sondern auch der Urahn der Oasenbauern.
- Datum 01.09.2010 - 18:55 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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