Welternährung Wie bekommt man neun Milliarden Menschen satt?

Der Fleischkonsum wächst, vor allem in Schwellenländern, während Agrarflächen ausgeschöpft sind. Nun präsentieren Forscher neue Ansätze gegen den Hunger in der Welt.

Eine Lösung des Hungerproblems würde nicht an mangelnder Technik oder fehlenden Ressourcen scheitern, sagen Wissenschaftler

Eine Lösung des Hungerproblems würde nicht an mangelnder Technik oder fehlenden Ressourcen scheitern, sagen Wissenschaftler

Jeden Abend gehen knapp eine Milliarde Menschen mit leerem Magen zu Bett. Angesichts dieser Zahlen trat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon beim Welternährungsgipfel Ende vergangenen Jahres für einen Tag in den Hungerstreik. Aufgerufen zu der Aktion hatte Jacques Diouf. Der Generalsekretär der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) wollte darauf hinweisen, "dass wir die technischen Mittel und Ressourcen haben, den Hunger aus der Welt zu schaffen. Es ist allein eine Sache des politischen Willens."

Dass eine Lösung des Hungerproblems nicht an mangelnder Technik oder fehlenden Ressourcen scheitern würde, bestätigen nun auch Wissenschaftler. In 21 Studien zur Zukunft der Nahrungsversorgung, die von der britischen Regierung in Auftrag gegeben und im Journal Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht wurden, kommen die Forscher sogar zu einem noch optimistischeren Ergebnis: Nicht nur die knapp sieben Milliarden Menschen, die zurzeit auf der Erde leben, könnten mit den gegebenen Möglichkeiten ernährt werden, sondern auch die neun Milliarden, die es im Jahr 2050 sein werden.

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Dabei, so schreibt der in Oxford lehrende Biologe Charles Godfray in seiner Einleitung zu den Studien, "gehe es nicht nur darum, die Menschen satt zu machen, sondern sie auch gesünder und umweltschonender zu ernähren." Auch das, so der Tenor der Studien, wird möglich sein. Godfrays Stichwort für die Entwicklung der Landwirtschaft in den kommenden vier Jahrzehnten lautet deshalb "nachhaltige Intensivierung“. Denn der Rahmen, in dem sich der Ausbau der Landwirtschaft in Zukunft bewegt, ist begrenzt: Die Anbaufläche lässt sich nicht mehr ohne massive Umweltschäden vergrößern und Wasser wird zunehmend knapper. Außerdem trägt vor allem die Viehhaltung massiv zum Klimawandel bei. Ein einfaches Mehr wird es also nicht geben.

Um den künftigen Weltbedarf an Nahrungsmitteln vorherzusagen, betrachteten die Forscher aber nicht nur die Bevölkerungsentwicklung. Denn die Nachfrage nach Essen hängt auch davon ab, wie Menschen leben. So stellen die Demografieforscher Wolfgang Lutz und K.C. Samir fest, dass Städter anders essen als die Landbevölkerung und Wohlhabende anders als Arme. Wenn Gesellschaften wohlhabend werden, so wie es gerade in den Schwellenländern der Fall ist, verbrauchen sie erst einmal mehr von dem, was sie schon hatten. Vor allem der Bedarf nach pflanzlichen Grundnahrungsmitteln steigt. In einem zweiten Schritt erhöht sich die Nachfrage nach energiereichem Essen, also Fleisch und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln.

Leser-Kommentare
    • WiKa
    • 17.08.2010 um 18:49 Uhr

    Ein Aspekt kommt irgendwie zu kurz in dem Artikel. habe an anderer Stelle einmal ein Aufsatz darüber gelesen, der relativ gut belegt, dass von der Theorie her auch 12 Milliarden Menschen gut zu ernähren wären. Dann müsste man an den hier gemachten Äußerungen anschließen. Zentrales Problem ist und bleibt einfach die Verteilung.

    Unser System sieht keine gerechte Verteilung nach Bedarf vor, sondern ein gemäß Nachfrage und Zahlungsfähigkeit. Sprich ohne die entsprechenden Mittel keine angemessene Ernährung, was in dem Artikel am Rande zum Ausdruck kam in den unterschiedlichen Möglichkeiten der Betroffenen.

    Wie schon gesagt ist möglich aber blanke Theorie. Wenn wir das wollten, dann müssten wir unser System in eine menschlichere Richtung verändern und nicht ausschließlich zugunsten des Marktes und des Kapitals. Also auf zur Grundsatzdiskussion. (°!°)

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    Eine gerechte Verteilung wird es nie geben weil die das Ende wäre.

    Dann würden wir wohl alle hungern bzw. die Bevölkerungen in den Entwicklungsländern (Afrika) und Schwellenländern (China/Indien) würde noch viel mehr zunehmen obwohl dort eh schon zu viel Menschen für die paar Resurcen existieren.

    Mag sein, dass man irgendwie 12 Milliarden Menschen ernähren kann. Aber dann kommt es um so dicker. Die 12 Milliarden vermehren sich ja weiter!
    Außerdem muss man bedenken, dass die Phosphat Vorkommen auf der Welt nur mehr sehr begrenzt sind. Und ohne intensive Düngung kann man so viele Menschen unmöglich ernähren.
    Ganz abgesehen von den massiven Umweltschäden durch die immer größere Zahl von Menschen.
    Die Zahl der Menschen zu begrenzen wird die Nagelprobe der Menschheit!

    • joG
    • 18.08.2010 um 8:27 Uhr

    .... den Hunger aus der Welt zu schaffen. Es ist allein eine Sache des politischen Willens."

    Dieser Satz steht bereits in den Lehrbüchern zur Entwicklungsökonomie aus den 60ern. "Politischen Willens" hört sich sehr einfach an. Man müsse es ja nur wollen. Das ist aber Unfug. Man muss bereit sein zu tun, was es kostet. Und das ist schwer, weil es bedeutet, dass wir enorme wirtschaftliche und soziale Umstellungen durchsetzen müssten. Ohne dem schaffen wir das nicht, dieses Maß an Umverteilung. Das ist den Wählern nicht zu vermitteln, zumal die das HartzIV Niveau tendenziell als Verletzung der Menschenwürde sehen, obwohl sie nichts tun, um die Verhungernden zu retten. Auch hilft es nicht, dass die Organisation der UNO dagegen steht.

    Eine gerechte Verteilung wird es nie geben weil die das Ende wäre.

    Dann würden wir wohl alle hungern bzw. die Bevölkerungen in den Entwicklungsländern (Afrika) und Schwellenländern (China/Indien) würde noch viel mehr zunehmen obwohl dort eh schon zu viel Menschen für die paar Resurcen existieren.

    Mag sein, dass man irgendwie 12 Milliarden Menschen ernähren kann. Aber dann kommt es um so dicker. Die 12 Milliarden vermehren sich ja weiter!
    Außerdem muss man bedenken, dass die Phosphat Vorkommen auf der Welt nur mehr sehr begrenzt sind. Und ohne intensive Düngung kann man so viele Menschen unmöglich ernähren.
    Ganz abgesehen von den massiven Umweltschäden durch die immer größere Zahl von Menschen.
    Die Zahl der Menschen zu begrenzen wird die Nagelprobe der Menschheit!

    • joG
    • 18.08.2010 um 8:27 Uhr

    .... den Hunger aus der Welt zu schaffen. Es ist allein eine Sache des politischen Willens."

    Dieser Satz steht bereits in den Lehrbüchern zur Entwicklungsökonomie aus den 60ern. "Politischen Willens" hört sich sehr einfach an. Man müsse es ja nur wollen. Das ist aber Unfug. Man muss bereit sein zu tun, was es kostet. Und das ist schwer, weil es bedeutet, dass wir enorme wirtschaftliche und soziale Umstellungen durchsetzen müssten. Ohne dem schaffen wir das nicht, dieses Maß an Umverteilung. Das ist den Wählern nicht zu vermitteln, zumal die das HartzIV Niveau tendenziell als Verletzung der Menschenwürde sehen, obwohl sie nichts tun, um die Verhungernden zu retten. Auch hilft es nicht, dass die Organisation der UNO dagegen steht.

  1. Im Prinzip haben wir auf der Welt zu viele Menschen. Vor allem in Gebieten wo es schon problematisch ist.

    Wenn man bedenkt das selbst in China und Indien jetzt die 1 Kind Politik aufgeweicht und kurz vor dem Ende steht... da haben wir wohl bald noch eine Millarde Menschen mehr...
    Die wollen bald alle Autofahren, Zeitung lesen, Energie, gut Essen. Da graut es einen schon wo das alles herkommen soll.

    Keine Ahnung wie man das Global regeln will aber weniger Menschen müssen wohl sein.

    Wenn man bedenkt das heute schon die Meere fast leergefischt sind und die Agrar und Nutztierkapazitäten fast erreicht sind...

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    Indien hat, soviel ich weiß, niemals eine Ein-Kind-Politik besessen oder durchgeführt, und die chinesische wird überhaupt nicht aufgeweicht: sie war zwar nie rigoros auf die ganze Bevölkerung ausgedehnt, was aber innenpolitische Gründe hat. So darf zwei Kinder haben, wer zu einer nationalen Minderheit gehört, wenn jemand aus der Landbevölkerung ein Mädchen bekommt oder wenn das erste Kind behindert ist.

    Übrigens ist es sehr bizarr, wie hierzulande immer davon gesprochen wird, dass Deutschland bald "ausstirbt" und wir riesige Probleme bekämen weil die Bevölkerungszahl rückläufig ist, während wir doch wissen, dass die Weltbevölkerung besser schrumpfen sollte. Seltsam, nicht?

    Indien hat, soviel ich weiß, niemals eine Ein-Kind-Politik besessen oder durchgeführt, und die chinesische wird überhaupt nicht aufgeweicht: sie war zwar nie rigoros auf die ganze Bevölkerung ausgedehnt, was aber innenpolitische Gründe hat. So darf zwei Kinder haben, wer zu einer nationalen Minderheit gehört, wenn jemand aus der Landbevölkerung ein Mädchen bekommt oder wenn das erste Kind behindert ist.

    Übrigens ist es sehr bizarr, wie hierzulande immer davon gesprochen wird, dass Deutschland bald "ausstirbt" und wir riesige Probleme bekämen weil die Bevölkerungszahl rückläufig ist, während wir doch wissen, dass die Weltbevölkerung besser schrumpfen sollte. Seltsam, nicht?

  2. 3. @WiKa

    Eine gerechte Verteilung wird es nie geben weil die das Ende wäre.

    Dann würden wir wohl alle hungern bzw. die Bevölkerungen in den Entwicklungsländern (Afrika) und Schwellenländern (China/Indien) würde noch viel mehr zunehmen obwohl dort eh schon zu viel Menschen für die paar Resurcen existieren.

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    für solch steile thesen würd' ich gerne mal belege einfordern.

    "eine gerechte ernährung währe daß ende" was soll das heißen? für unsere aktuelle wirtschaftsordnung? als ob diese endgültig währe. verbesserungen kann es doch wohl geben, oder? wo sonst währe die rechtfertigung für den sogenannten 'fortschritt'?

    Es ist mehr als traurig die Ausbeutung gedanklich zu verdrängen und den Ausgebeuteten noch vorzuwerfen, dass sie zu viele seien.

    für solch steile thesen würd' ich gerne mal belege einfordern.

    "eine gerechte ernährung währe daß ende" was soll das heißen? für unsere aktuelle wirtschaftsordnung? als ob diese endgültig währe. verbesserungen kann es doch wohl geben, oder? wo sonst währe die rechtfertigung für den sogenannten 'fortschritt'?

    Es ist mehr als traurig die Ausbeutung gedanklich zu verdrängen und den Ausgebeuteten noch vorzuwerfen, dass sie zu viele seien.

  3. "Es würde in naher Zukunft also erst einmal ausreichen, neun Milliarden Menschen satt zu bekommen."
    Warum nicht den Ansatz wählen, die Bevölkerungsexplosion zu verhindern, statt die Erde durch die noch intensivere Nahrungsmittelproduktion mit allen anhängenden Problemen noch stärker zu belasten.
    Und wer irgendwann satt ist, möchte dann vielleicht auch einen Fernseher und ein eigenes Auto. Wo sollen denn die Resourcen für solche Wünsche hergenommen werden? Und womit soll ein solches Auto fahren? Biosprit von den Feldern, von denen die neun Milliarden ernährt werden?

  4. Wenn man bei der Versorgung der gegenwärtigen Erdbevölkerung von 6,5 Mrd schon kläglich versagt, sollte man mit den optimistischen Prognosen für dereinst neun Milliarden Menschen sehr, sehr vorsichtig sein. Ich traue diesen Vorhersagen jedenfalls nur so weit, wie ich ein Klavier werfen kann.

    Es erschiene mir jedenfalls um Grade klüger und vernünftiger zu sein, die irdische Menschenflut erst gar nicht so hoch ansteigen zu lassen.

  5. 6. @WiKa

    Das sehe ich auch so. Die Probleme sind von Menschen gemacht worden und könnten, wenn man nicht ausschließlich ans Geld denken würde (Globalisierung!), auch reduziert werden. Leider besteht daran kein Interesse. Also bleibt alles beim alten und wir sollen weiter für die Hungernden auf dieser Welt spenden.
    Außerdem gibt es sicher noch genug Anbauflächen. Es liegt sehr viel Land brach, wofür die Bauern dann Subventionen erhalten. Das kann es ja wohl nicht sein. Wie gesagt, die Problemen haben wir uns selbst geschaffen....

  6. http://www.brot-fuer-die-...
    2002 rechnet die FAO in ihrem Bericht „Stand der Ernährungsunsicherheit in der Welt“ vor, dass die derzeitige Menge an Nahrungsmitteln ausreichen würde, um 12 Milliarden Menschen, also fast das doppelte der Weltbevölkerung, mit durchschnittlich 2100 Kilokalorien zu versorgen.

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    Hält der langjährige Trend der Bevölkerungsentwicklung seit 1900 ( Verdoppelung alle 40 Jahre ) weiter an -
    dann leben in 40 Jahren doppelt soviele ( 15 Mia ) Menschen auf der Erde wie heute.

    Leider hat die Erde an der menschlichen Expansion nicht teilgenommen.
    Den Menschen steht 2050 dann nur noch der halbe Lebensraum pro Kopf zur Verfügung.

    Der Eine oder Andere wird dann vielleicht behaupten, man hätte das schon früher wissen können.

    Hält der langjährige Trend der Bevölkerungsentwicklung seit 1900 ( Verdoppelung alle 40 Jahre ) weiter an -
    dann leben in 40 Jahren doppelt soviele ( 15 Mia ) Menschen auf der Erde wie heute.

    Leider hat die Erde an der menschlichen Expansion nicht teilgenommen.
    Den Menschen steht 2050 dann nur noch der halbe Lebensraum pro Kopf zur Verfügung.

    Der Eine oder Andere wird dann vielleicht behaupten, man hätte das schon früher wissen können.

  7. für solch steile thesen würd' ich gerne mal belege einfordern.

    "eine gerechte ernährung währe daß ende" was soll das heißen? für unsere aktuelle wirtschaftsordnung? als ob diese endgültig währe. verbesserungen kann es doch wohl geben, oder? wo sonst währe die rechtfertigung für den sogenannten 'fortschritt'?

    Antwort auf "@WiKa"

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