Verhaltensforschung Harvard-Psychologe soll Studien beschönigt haben

Der US-Psychologe Marc Hauser soll Forschungsergebnisse zur Lernfähigkeit von Affen zu positiv ausgelegt haben. Eine bereits veröffentlichte Studie wurde nun zurückgezogen.

In der Studie im Magazin "Cognition" ging es um die Frage, ob Lisztaffen verallgemeinerbare Regeln lernen können

In der Studie im Magazin "Cognition" ging es um die Frage, ob Lisztaffen verallgemeinerbare Regeln lernen können

Marc Hauser , 50, gilt als einer der Stars der Harvard-Universität . Der eloquente und einflussreiche Psychologe ist ein gefragter Interviewpartner, populärwissenschaftlicher Buchautor und in den US-Medien stets präsent. Hauser geht der Frage nach, inwieweit unser Sinn für Moral evolutionär "programmiert" ist. Der "Moralinstinkt" könnte ebenso in uns angelegt sein wie der "Sprachinstinkt", lautet Hausers These.

Möglicherweise aber hat Hauser selbst seinem Instinkt nicht gehorcht. Denn eine bereits vor drei Jahren begonnene Untersuchung der Universität kommt zu dem Schluss, dass es in Hausers Labor nicht immer mit rechten Dingen zugegangen ist. Der Vorwurf: wissenschaftliches Fehlverhalten.

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Als Folge der internen Untersuchung zog Hauser nun eine einflussreiche Studie zurück, die er im Fachblatt Cognition veröffentlicht hatte, berichtet der Boston Globe . Auch zwei weitere Fachzeitschriften, darunter das Top-Journal Science , teilten mit, dass bei Veröffentlichungen, an denen Hauser beteiligt war, Bedenken aufgekommen seien. Es habe daraufhin Korrekturen gegeben.

In der nun zurückgezogenen Studie in Cognition ging es um die Frage, ob Lisztaffen, eine Primatenart, in der Lage sind, verallgemeinerbare Regeln zu lernen. Eine Fähigkeit, die Kinder besitzen und die möglicherweise entscheidend für das Erlernen einer Sprache ist. Auf der Basis von Videoaufnahmen kamen Hauser und seine Mitarbeiter zu dem Schluss, dass Lisztaffen fähig sind, Regeln zu begreifen. Diese Aussage widerrufen sie nach der internen Untersuchung.

Viele von Hausers Studien gründen auf Videoaufnahmen, in denen tierisches Verhalten dokumentiert ist. Sie bieten einen gewissen Interpretationsspielraum, der von Hauser möglicherweise zu weit ausgedehnt wurde – von der Wirklichkeit zum Wunschdenken. Bereits in der Vergangenheit war Hauser wegen seiner Deutungen von Kollegen kritisiert worden.

Der 50-Jährige hat eine Auszeit bis zum Herbst 2011 genommen. Wie es dann weitergeht, ist unklar. Hauser arbeitet an einem Buch zu der Frage, warum wir von Natur aus Geschmack daran finden, böse zu sein.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. ...menschlichen Regeln.
    Im Großen wie im Kleinen - in jeder Situation versucht der Mensch sich Vorteile zu verschaffen.
    Das trifft auch für den wissenschaftlichen Betrieb zu wenn die Voraussetzungen gegeben sind.

    • ludna
    • 16.08.2010 um 17:05 Uhr

    Ganz ehrlich, dass überrascht mich nicht. Die ganze Wissenschaft besteht nur noch aus Studien, die vorsichtig ausgedrückt, überinterpretiert sind um positive Ergebnisse zu erhalten. Würden wirklich unabhängige Gutachter mal einen Blick darauf werfen...
    Aber wirklich unabhängige Gutachter gibt es nicht, da diese wie Seilschaften zusammenhängen. Und wer sonst soll und kann Wissenschaft begutachten.
    Eine Ursache liegt in der Struktur der Finanzierung. Ohne Erfolg, kein Geld. Ohne Geld keine Stelle. Ohne Stelle, Hartz IV.

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