Was für ein Jahr! Im Juli 2009 wurde Cédric Villani im Alter von 35 Jahren Direktor des Institut Henri Poincaré in Paris, benannt nach dem überragenden französischen Mathematiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Im Juni wurde dort der endgültige Beweis der berühmten Vermutung von Poincaré durch Grigorij Perelman gefeiert.

Villani war Gastgeber, er hatte eine Schar von Fields-Medaillen-Trägern um sich versammelt – und durfte ihnen nicht sagen, was er zu diesem Zeitpunkt bereits wusste: dass er bald zu dem illustren Kreis dazugehören würde. "Das war ein sehr seltsames Gefühl", sagt Villani. Die Fields-Medaille, das ist das größte im Leben eines Mathematikers – und der Kitzel steigt noch dadurch, dass die Chance auf den alle vier Jahre vergebenen Preis mit 40 vorbei ist. Für Villani war es in diesem Jahr die letzte Gelegenheit.

Der junge Mathematiker könnte auf den ersten Blick aus der Zeit Poincarés stammen. Er trägt das lange, glatte Haar streng in der Mitte gescheitelt, zum dunklen Anzug trägt er nie einen normalen Schlips, manchmal eine Fliege, aber meistens eine kunstvoll gebundene Samt- oder Seidenschleife. Die Spinnenbrosche, die an seinem Revers haftet, ist dagegen eindeutig neueren Datums.

Das könnte nun wieder auf das Klischee vom verschrobenen Mathe-Genie hinauslaufen – aber das tut es bei Villani nicht. Der Mann ist durchaus eloquent und gern bereit, in der Öffentlichkeit über seine Arbeiten und die Mathematik allgemein zu reden, er hält regelmäßig Vorträge vor Kindern und Jugendlichen. Und seine größten mathematischen Erfolge hat er nicht einsam im Studierzimmer erzielt, wie Perelman oder Andrew Wiles, der Bezwinger von Fermats letztem Satz , sondern stets im Austausch mit anderen, seien es Mathematiker oder Physiker.