Rubikwürfel Gottes Zahl lautet 20

Generationen drehten am bunten Zauberwürfel. Nun ist sein größtes Geheimnis gelöst: Wie viele Züge sind nötig, um jede erdenkliche Kombination zu knacken? Von W. Blum

Ernö Rubiks Zauberwürfel lässt sich in 43 Trillionen unterschiedliche Ausgangskombinationen drehen

Ernö Rubiks Zauberwürfel lässt sich in 43 Trillionen unterschiedliche Ausgangskombinationen drehen

Mitte der siebziger Jahre eroberte ein bunter Plastikwürfel die Welt. Seitdem fummeln Millionen Menschen an der Erfindung des Ungarn Ernö Rubik herum und versuchen die Schichten des Würfels so zu verdrehen, dass alle Seiten gleichfarbig werden. Weltweit wurden bis heute rund 300 Millionen Exemplare verkauft. Seit einigen Jahren fasziniert das bunte Spielzeug auch die Wissenschaft.

Wie viele Züge sind mindestens notwendig, um einen irgendwie verdrehten Würfel zu ordnen? An dieser Frage bissen sich jahrzehntelang die schlauesten Köpfe die Zähne aus. Weil die Fachleute kurz vor dem Verzweifeln waren, hat sich für die minimale Anzahl ein unbescheidener Name eingebürgert: Gottes Zahl. Nun haben die drei US-Amerikaner Morley Davidson, John Dethridge und Tomas Rokicki und der Darmstädter Herbert Kociemba sie endlich bestimmt. Sie beträgt 20.

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"Das kann doch nicht sein", ist wohl die Reaktion von jedem, der sich schon mal mit dem Würfel abgeplagt hat. "Es dauert doch viel länger, bis alle Seiten gleichfarbig sortiert sind." Für menschliche Spieler, die sich an Zugfolgen halten, die sie auswendig gelernt haben, mag das stimmen. Sie benötigen meist sogar mehr als 40 Züge. Ein göttliches Wesen freilich hätte weniger Probleme, sich Abfolgen von Verdrehungen zu merken.

Computer ebenso. Mit ihrer Hilfe haben die vier Würfel-Experten jede mögliche Startposition in 20 oder weniger Zügen gelöst. Ihr Resultat präsentierten die Forscher vergangenen Sonntag auf den US-Meisterschaften im Lösen von Rubiks Würfeln. Den Startern bei solchen Wettkämpfen wird diese Kenntnis indes kaum etwas bringen. Doch sind sie auch ohne elektronische Hilfe ganz schön fix. Der Weltrekord für das Sortieren des Würfels liegt bei 7,08 Sekunden. Weitere Bestleistungen: Mit einer Hand 12, mit verbundenen Augen 23 und mit den Füßen 37 Sekunden.

Die Suche nach Gottes Zahl begann vor 30 Jahren. Damals war nur bekannt, dass sie zwischen 18 und 52 liegen muss, dass man also mindestens 18 und höchstens 52 Züge benötigt, um den Würfel zu sortieren. 1992 untersuchte der Mathematiklehrer Kociemba, welche Stellungen von einem Würfel mit lauter gleichfarbigen Seiten erreichbar sind, wenn nur zehn der 18 verschiedenen zulässigen Verdrehungen miteinander kombiniert werden. Durch dieses Verbieten von bestimmten Zügen sinkt die Anzahl der verschiedenen Würfelstellungen enorm. Sind alle Verdrehungen erlaubt, sind mehr als 43 Trillionen Stellungen möglich. Das ist eine unvorstellbar große Anzahl. Zum Vergleich: Würde man 43 Trillionen Rubikwürfel aufeinander schichten, ergäbe sich ein Turm, der weit über 200 Lichtjahre ins Weltall hinein ragen würde. Diese Entfernung entspricht dem Weg, den man zurücklegen müsste, um rund 7 Millionen Mal von der Erde zur Sonne und zurück zu reisen. Mit Kociembas Einschränkung gibt es nur noch rund 20 Milliarden verschiedene Muster, für die sich mit einem PC problemlos Lösungen berechnen lassen, die mit möglichst wenig Zügen auskommen.

Kociemba schrieb ein Programm namens Cube Explorer, das für jede beliebige Würfelstellung ermittelt, in wie vielen Zügen sie sich zu einer seiner speziellen 20 Milliarden Stellungen überführen lässt. Darüber ergibt sich eine Abschätzung: Gottes Zahl muss größer sein als die Summe aus den Anzahlen der Züge, um von einer beliebigen Ausgangsstellung zu einem der Muster Kociembas zu gelangen, und der Züge, um dieses Muster zu lösen. In den folgenden Jahren gelang es so, sich Gottes Zahl von oben zu nähern.

Leser-Kommentare
    • Timo K
    • 10.08.2010 um 12:18 Uhr

    ist da Frage dann nicht die nach den maximalen Zügen die gebraucht werden um jeden beliebigen Würfel zu lösen?

    • Timo K
    • 10.08.2010 um 12:29 Uhr
  1. Ich kann da meinen Vorrednern nur zustimmen. Nach der jetztigen Überschrift passt jede Zahl >= 20 als Antwort :)

    Außerdem würde ich es noch feiner Definieren: "Wie viele Drehungen braucht man maximal für jede erdenkliche Position?"

    Züge bestehen - für mein Verständnis - aus einer Abfolge von mehreren Drehungen. Man sagt ja auch: "Du musst jetzt diesen oder jenen Zug anwenden".

  2. Nur weil ich weiß dass 1 1 eine natürliche Zahl (formal: aus N) ist, kann ich nicht schlussfolgern, dass 1 n, für n aus N wieder aus N ist. Dafür gibt es 0 Punkte! Soetwas kann sich höchstens Beweis nennen, wenn das Team nachweisen kann, dass der angewendete Algorithmus zum Lösen des Problems optimal ist. Und auch dann ist der Satz immer noch Quatsch, weil wie im Text beschrieben, approximiert wird und damit sehr wohl Probleme existieren die, wie ebenfalls im Text erwähnt, NICHT in 20 Schritten gelöst werden können. Unter der Vorraussetzung eines optimalen Algorithmus kann dann nur gesagt werden, dass mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, die hier sehr hoch ist, sich ein Problem in höchstens 20 Schritten lösen lässt.

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    Induktionsvoraussetzung: (1*n) € N für 1 € N und n € N
    Induktionsanfang: 1*1 = 1 € N
    Induktionsschluss: 1* (n 1) = 1*n 1*1, also (1*n) € n und (1*1) € n, somit (1*n 1*1) € n.

    Es wurden alle möglichen Stellungen des Rubiks Cube in 20 oder weniger Schritten gelöst. Wenn das kein Beweis ist, was dann?
    Und bevor jetzt noch ein Kommentar kommt in dem Sie behaupten, dass irgendwas approximiert wird, lesen Sie sich den Artikel lieber nochmal in Ruhe durch.

    "Die Computer suchten nicht für jede Startstellung eine optimale Lösung, sondern nur eine, die mit höchstens 20 Zügen auskam. Denn eine Position, die 20 Verdrehungen erfordert, war ja schon bekannt."

    Induktionsvoraussetzung: (1*n) € N für 1 € N und n € N
    Induktionsanfang: 1*1 = 1 € N
    Induktionsschluss: 1* (n 1) = 1*n 1*1, also (1*n) € n und (1*1) € n, somit (1*n 1*1) € n.

    Es wurden alle möglichen Stellungen des Rubiks Cube in 20 oder weniger Schritten gelöst. Wenn das kein Beweis ist, was dann?
    Und bevor jetzt noch ein Kommentar kommt in dem Sie behaupten, dass irgendwas approximiert wird, lesen Sie sich den Artikel lieber nochmal in Ruhe durch.

    "Die Computer suchten nicht für jede Startstellung eine optimale Lösung, sondern nur eine, die mit höchstens 20 Zügen auskam. Denn eine Position, die 20 Verdrehungen erfordert, war ja schon bekannt."

  3. "Zum Vergleich: Würde man 43 Trillionen Rubikwürfel aufeinander schichten, ergäbe sich ein Turm, der weit über 200 Lichtjahre ins Weltall hinein ragen würde."

    Bei diesem Vergleich musste ich lachen - jetzt ist mir die Dimension klar geworden ;-).

    Aber...

    "Die von der Firma Google spendierte Rechenzeit addierte sich dabei auf 35 Jahre."

    ...was sagt dieser Vergleich aus? Denn Google hat ja nicht 35 Jahre seiner kompletten Rechenzeit geopfert, sondern die Rechenkapazität, die 35 Jahren der Rechenzeit eines Vergleichssystems entspricht - welches allerdings nicht genannt wird. 35 Jahre Rechenzeit eines Abakus sind dann doch eine andere Größenordnung als 35 Jahre eines C64 oder 35 Jahre einer Cray.

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    35 Jahre hätte die Kalkulation mit der Goole-Power benötigt bevor die Mathematiker die zu berechnenden Kombinationen weiter einschränkten. So hab ich das zumindest verstanden.

    • undee
    • 10.08.2010 um 13:26 Uhr

    Ich interpretiere die 35 Jahre als tatsächliche Rechenzeit auf den tatsächlichen Prozessoren oder Prozessorkernen, addiert.

    35 Jahre hätte die Kalkulation mit der Goole-Power benötigt bevor die Mathematiker die zu berechnenden Kombinationen weiter einschränkten. So hab ich das zumindest verstanden.

    • undee
    • 10.08.2010 um 13:26 Uhr

    Ich interpretiere die 35 Jahre als tatsächliche Rechenzeit auf den tatsächlichen Prozessoren oder Prozessorkernen, addiert.

  4. 35 Jahre hätte die Kalkulation mit der Goole-Power benötigt bevor die Mathematiker die zu berechnenden Kombinationen weiter einschränkten. So hab ich das zumindest verstanden.

    Antwort auf "Vergleiche"
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    • Timo K
    • 10.08.2010 um 13:26 Uhr

    der Googledienst lahm gelegen. ;-)

    "Die von der Firma Google spendierte Rechenzeit addierte sich dabei auf 35 Jahre." - Es geht wohl schon um die tatsächlich gespendete Rechenzeit für die Berechnung der 56 Millionen Fälle.

    Es fehlt das Maß für die Rechenleistung pro Jahr. Bei einem "Mannjahr" geht es um die Arbeitsleistung einer Person in einem Jahr. Bei einem "Rechnerjahr" kann es um die Rechnerleistung in einem Jahr gehen. Diese ist allerdings nicht genannt und abhängig vom verwendeten Rechner auch extrem unterschiedlich. Die Aussage entspricht also ungefähr der Aussage: "X spendete 35 Geldscheine."

    • Timo K
    • 10.08.2010 um 13:26 Uhr

    der Googledienst lahm gelegen. ;-)

    "Die von der Firma Google spendierte Rechenzeit addierte sich dabei auf 35 Jahre." - Es geht wohl schon um die tatsächlich gespendete Rechenzeit für die Berechnung der 56 Millionen Fälle.

    Es fehlt das Maß für die Rechenleistung pro Jahr. Bei einem "Mannjahr" geht es um die Arbeitsleistung einer Person in einem Jahr. Bei einem "Rechnerjahr" kann es um die Rechnerleistung in einem Jahr gehen. Diese ist allerdings nicht genannt und abhängig vom verwendeten Rechner auch extrem unterschiedlich. Die Aussage entspricht also ungefähr der Aussage: "X spendete 35 Geldscheine."

  5. Redaktion

    Lieber Herr Schwarz,

    im Untertitel zu diesem Artikel steht das Wort "Zug" synonym für "Drehung".

    Es ist richtig, dass maximal 20 Züge (oder eben Drehungen) nötig sind, um jede mögliche Würfelkombination zurück in den Ursprungszustand zu überführen.

    Grüße aus der Wissen-Redaktion

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    1) "Wie viele Züge sind mindestens notwendig, um einen irgendwie verdrehten Würfel zu ordnen?"
    2) "..hat sich für die minimale Anzahl ein unbescheidener Name eingebürgert"
    3) "Für eine solche Ausgangslage, fand Reid heraus, braucht man mindestens 20 Züge."

    1) "Wie viele Züge sind mindestens notwendig, um einen irgendwie verdrehten Würfel zu ordnen?"
    2) "..hat sich für die minimale Anzahl ein unbescheidener Name eingebürgert"
    3) "Für eine solche Ausgangslage, fand Reid heraus, braucht man mindestens 20 Züge."

    • undee
    • 10.08.2010 um 13:26 Uhr

    Ich interpretiere die 35 Jahre als tatsächliche Rechenzeit auf den tatsächlichen Prozessoren oder Prozessorkernen, addiert.

    Antwort auf "Vergleiche"

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