Hochschulen Studenten bezahlen den Bachelor
Niedersachsens Studenten sind sauer. Eine Studie zeigt, dass die Unis die Studiengebühren in die Umsetzung der Studienreform stecken statt in zusätzliche Leistungen.
© Uwe Zucchi/dpa

Studentinnen protestieren gegen Studiengebühren
Studierendenvertreter haben die Verwendung der Studiengebühren in Niedersachsen stark kritisiert. Die Hochschulen setzten die Gebühren zunehmend ein, um ihr "Kerngeschäft" in der Lehre zu finanzieren, erklärten Sprecher der Landesastenkonferenz in Hannover. So wälze Niedersachsen die Finanzierung des Bachelor- und Master-Systems praktisch auf die Studierenden ab.
Denn die Hochschulen zahlten die für den Bachelor notwendigen zusätzlichen Lehrkräfte und den enorm gestiegenen Aufwand bei den Prüfungen hauptsächlich aus den Gebühren. Es könne aber nicht angehen, dass "von der Politik geforderte Maßnahmen wie ein besserer Betreuungsschlüssel beim Bachelor" ohne Studiengebühren gar nicht umsetzbar seien. Die Gebühren kaschierten so die Unterfinanzierung der Studienreform.
Anlass der Kritik ist eine Auswertung des Wissenschaftsministeriums zu den Studiengebühren, die Anfang August dem Landtag vorgelegt wurde. Seit knapp vier Jahren zahlen Studierende 500 Euro pro Semester. Aus Sicht der Landesastenkonferenz verschwimmen bei vielen Maßnahmen "die Grenzen zwischen Zusatzangeboten, regulärer Lehre und Infrastrukturmaßnahmen" – etwa wenn Unis Hörsaalbauten, Verbesserungen in Prüfungsämtern, vom Ministerium vorgeschriebene Lehrevaluationen, hochschuldidaktische Fortbildungen oder Tutorien aus den Gebühren bezahlten. Es sei zwar unstrittig, dass das Studium so verbessert werde. Die Maßnahmen gehörten aber zur grundständigen Lehre, für die der Staat aufkommen muss.
Seit Einführung der Gebühren haben die 19 Hochschulen des Landes insgesamt 291 Millionen Euro von ihren Studierenden eingenommen. Nach Auffassung des Ministeriums setzen die Hochschulen das Geld "zweckmäßig und nachhaltig" ein. Laut Auswertung entfielen 2009 mehr als die Hälfte der Ausgaben auf zusätzliches Personal wie Tutoren oder wissenschaftliche und technische Mitarbeiter. Für Lehrmittel und eine verbesserte Geräteausstattung zahlten die Hochschulen je 12 Prozent der Gebühren.
Die Auswertung offenbart gleichwohl, dass die Hochschulen sich schwer taten, die Mittel auszugeben. So gaben die Hochschulen 2007 nur die Hälfte des eingenommen Geldes aus. Erst im vergangenen Jahr schafften sie es erstmals, die Gebühren voll einzusetzen. Wegen der zuvor zurückgehaltenen Mittel horteten die Hochschulen aber auch Ende 2009 noch Rücklagen in Höhe von 73,9 Millionen Euro. Die meisten Unis hätten ihre Rücklagen aber für Maßnahmen verplant, die 2010 angegangen werden sollen, heißt es.
- Datum 18.08.2010 - 10:01 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 8
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Entfernt. Bitte formulieren Sie verstädnliche Thesen und Argumente. Danke. Die Redaktion/sh
s.o.
s.o.
Soweit ich mich erinnere ist es überhaupt nicht erlaubt weitere Lehrende mit STudiengebühren zu bezahlen. Daher werden dann ja auch solche dinge wie Tutorien damit finanziert. Sich nun darüber aufzuregen ist relativ dämlich. Wenn man möchte, dass das Studierenden/Lehrenden Verhältnis steigt, muss es auch möglich sein Professoren(mit Schwerpunkt auf Lehre) mit den Gebühren einzustellen.
Ansonsten ist es halt nur möglich teure neue Gebäude zu bauen (damit das Geld ausgegeben wird) oder die Bibliothekszeiten zu verlängern. Das liegt aber nicht an den Hochschulen sondern an der KOnzeption der Studiengebühren im Gesamten.
s.o.
Letztlich sind ein erheblicher Teil der Studiengebühren eine erzwungene Umverteilung unter den Studenten.
Vor den Studiengebühren hat jeder Student eben diese behalten. Man hat sich, wenn man das wollte, einfach so getroffen und zusammen gelernt. Völlig kostenlos.
Jetzt stellt man einen zusätzlichen Tutor an, der die Kohle kriegt und dafür viel rumsteht und hin und wieder etwas zu den Übungsaufgaben sagt. Die Übungsaufgaben gibt es eh schon seit Generationen und verursachen daher keine zusätzlichen Kosten.
Lernen muß aber letztlich jeder Student selber, ob mit oder ohne Tutor.
Konsequenz:
Viele haben etwas weniger Geld und ein paar wenige haben etwas mehr Geld. Die die weniger haben und nicht Tutor sind müssen dann halt sehen woher sie das Geld bekommen.
Arbeiten gehen und entsprechend weniger Zeit in das Lernen investieren. Außerdem wandert ein gewisser Anteil über Steuern und Abgaben an den Staat, wenn das Geld von den Eltern kommt oder aus einer mit Steuern und Abgaben verbundenen Arbeit stammt.
Ziemlich beklopptes System!
Alles bezogen auf technische und naturwissenschaftliche Fächer und nicht auf irgendwelche "Gesprächskreise".
Ja, manchmal denke ich es auch...
Aber Spaß bei Seite - ich nehme an, Sie meinen die geisteswiss. Fächer (im Kern) und auch aus diesen kann ich Ihnen zustimmen: 10 Tutorien; ich war bei keinem! Mag manchmal für manche schon hilfreich sein (Logik vllt), aber zum Großteil bedarf es der Anzahl der Tutorien nicht ("Wir spielen jetzt mal den Utilitarismus nach") - armes Geld; Glück, wenn das Studium vorbei ist!
Ja, manchmal denke ich es auch...
Aber Spaß bei Seite - ich nehme an, Sie meinen die geisteswiss. Fächer (im Kern) und auch aus diesen kann ich Ihnen zustimmen: 10 Tutorien; ich war bei keinem! Mag manchmal für manche schon hilfreich sein (Logik vllt), aber zum Großteil bedarf es der Anzahl der Tutorien nicht ("Wir spielen jetzt mal den Utilitarismus nach") - armes Geld; Glück, wenn das Studium vorbei ist!
Ich finde es vollkommen in Ordnung, dass Studiengebühren und Semestergebühren erhoben worden sind. Es gibt viele Möglichkeiten, dass auch finanziell schwache Studenten sich ein Studium leisten können, außer vielleicht die Privatuni.
Und wie ich immer höre, sind die meisten Studenten in den Semesterferien im Urlaub. Aber das ist meine subjektive Meinung.
Natürlich muss sich der Stadt darum kümmern, dass die Gebühren "sinnvoll" eingesetzt werden. Wie man sinnvoll definiert, ist kaum möglich. Es werden immer welche meckern.
MFG
Zwar ist der Missbrauch der Studiengebühren der Gipfel der Arroganz. Es gibt aber zwei entscheidende Dinge, die in ihrem Bericht und in den Kommentaren übersehen wurden.
1. So ist es nicht das Ergebnis der Studie welches kritisiert wird, sondern die Studie an sich. Diese ist unwissenschaftlich zB. nur eine Quellenangabe,Vermutungen als Argumente, allein das Vorwort ist ein Witz. Das ganze gleicht einer Selbstbeweihräucherung des Wissenschaftsministeriums, die einzig und allein die Einführung der Studiengebühren nachträglich legitimieren soll.
2. Zum anderen richtet sich die Kernkritik nicht etwa gegen die Einsatzfelder von Studiengebühren, sondern gegen die Studiengebühren selbst. Natürlich tragen sie zu einer Verbesserung der Lehre bei.
Das große Problem mit den Gebühren ist jedoch, dass sie besonders Kinder aus finanzschwachen Haushalten davon abhalten ein Studium zu beginnen. Natürlich steht es jedem/jeder frei ein Kredit aufzunehmen. Die Personen, die einen Kredit aufnehmen müssten sind aber zumeist schon durch Studienbeitragskredite oder BAFöG belastet und hätten am Ende einen derart unabsehbaren Schuldenberg, dass viele vor diesem zurückschrecken. Damit wird die soziale Selektion und Elitenreproduktion unseres Bildungssystems noch weiter verstärkt.
Ja, manchmal denke ich es auch...
Aber Spaß bei Seite - ich nehme an, Sie meinen die geisteswiss. Fächer (im Kern) und auch aus diesen kann ich Ihnen zustimmen: 10 Tutorien; ich war bei keinem! Mag manchmal für manche schon hilfreich sein (Logik vllt), aber zum Großteil bedarf es der Anzahl der Tutorien nicht ("Wir spielen jetzt mal den Utilitarismus nach") - armes Geld; Glück, wenn das Studium vorbei ist!
... sind ja vom Prinzip her garnicht so blöde, wenn sie denn auch wirklich bei uns Studierenden ankommen würden.
Ich bin aber auch der festen Überzeugung das eine Uni oder FH mit einem weitaus niedrigeren Gebührensatz etwas für die Studenten bewirken kann.
Was bringen denn 500€ Studiengebühren wenn die Uni/FH nicht weiß wofür Sie das ganze Geld ausgeben soll? Genau dadurch entsteht doch das Problem das dieses Geld für Dinge ausgegeben wird, wofür es nicht gedacht ist!
Ich würde sogar sehr gerne Studiengebühren bezahlen, wenn diese eine angemessene Höhe (ich werfe mal 150-200€ in den Raum) hätten und ich wirklich wüsste das diese nur für die Verbesserung unseres Studiums eingesetzt würden.
Aber solang ein Studium 500€ pro Semester kostet und das Geld nicht Vernünftig für unsere Interessen und unsere Lehrziele eingesetzt wird, sehe ich keinen Sinn Studiengebühren zu zahlen. Auch wenn ich es leider zahlen muss!
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