Nobelpreisträger im Gespräch: John Mather

John Cromwell Mather erhielt zusammen mit seinem Kollegen George Smoot den Nobelpreis für Physik des Jahres 2006 . Die Jury der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften honorierte damit ihre "Entdeckung der schwarzen Strahlungsform und Anisotropie des kosmischen Mikrowellen-Hintergrunds" mit der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung. Dank Mathers ist es heute möglich, den Blick tief in die Vergangenheit des Alls zu richten. Denn die besagte Mikrowellenstrahlung ist ein Relikt aus der Geburtsstunde des Universums.

Mather und Smoot haben durch ihre Forschung einen wichtigen Beleg für die Urknalltheorie geliefert, nach der das Universum durch eine gewaltige Explosion unendlich dichter, heißer und kleiner Masse entstanden ist. Mithilfe des Satelliten Cosmic Background Explorer – kurz COBE – gelang es dem Duo, die Mikrowellenstrahlung direkt zu messen und ihre exakte Temperatur zu bestimmen: Sie liegt kaum drei Grad über dem unteren Grenzwert der Temperatur von minus 273,15 Grad Celsius. Erst dank Mathers Berechnungen sei die Kosmologie – die Lehre vom Universum – eine exakte Wissenschaft geworden, verkündete die Jury. 

Mather ist der Kopf hinter dem neuen Weltraumteleskop James Webb , dem Nachfolger von Hubble , das in vier Jahren seinen Dienst im All antritt. In 1,5 Millionen Kilometer Entfernung zur Erde soll das Observatorium tief in die Vergangenheit blicken. Der 64-jährige Experte für Astrophysik und Kosmologie hofft dadurch, die ersten Galaxien auszumachen, die sich im noch jungen Universum gebildet haben. John C. Mather forscht seit über 30 Jahren am Goddard Space Flight Center der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa in Greenbelt. Vor drei Jahren kürte ihn das Magazin Time zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Mather wurde 1946 im US-Bundesstaat Virginia geboren.

ZEIT ONLINE traf John C. Mather zum Videointerview am Rande des diesjährigen Nobelpreisträgertreffens in Lindau . Die Preisträger der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung werden in diesem Jahr ab dem 4. Oktober bekannt gegeben.

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