Hobby-Astronomie im InternetGalaxiensuchen nach Feierabend

Auf einem Foto aus dem All entdeckte Hanny van Arkel einen komischen Fleck: das Licht-Echo eines erloschenen Quasars. Nun ist die Hobbyastronomin ein Star der Szene. von Oliver Dreissigacker

Galaxie Nasa Astronomie

Die Antennen-Galaxien stehen im Sternbild Rabe. Sie sind rund 62 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt  |  © J. De Pasquale/Nasa

Was hat die Rockband Queen mit Astronomie zu tun? Ganz einfach: Brian May, Gitarrist der legendären Band, gab für die Rockmusik seine Karriere als Astrophysiker auf – die bereits angefangene Doktorarbeit verschwand in der Schublade. 2006, nach dreieinhalb Jahrzehnten Musik-Business, hunderten Millionen verkaufter Platten und mehr als 700 Konzerten, nahm er seine Dissertation wieder auf und wurde im Alter von 60 Jahren am Imperial College London promoviert.

Einer seiner großen Fans ist die niederländische Lehrerin Hanny van Arkel. Schon mehrfach hat sie Queen live gesehen und spielt die Songs auf ihrer E-Gitarre nach. In den Sommerferien 2007 liest sie einen Eintrag auf der Website des frisch gebackenen Astronomie-Doktors May. Dieser schreibt über ein neues Projekt, den Galaxy Zoo, bei dem interessierte Laien den Profiastronomen helfen, indem sie die auf Archivaufnahmen abgelichteten Galaxien dem Aussehen nach klassifizieren.

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Galaxie IC 2497
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Unterhalb der Galaxie IC 2497 entdeckte Hanny van Arkel ein Gebilde (hier grün). Astronomen identifiziertes es als Lichtecho eines Quasars  |  © Nasa

Die Bilder stammen von einem automatisch arbeitenden Teleskop. Aus Zeitmangel haben Wissenschaftler die Galaxien bisher nicht genauer untersucht. Die damals 24-Jährige meldet sich bei Galaxy Zoo an und absolviert den Crashkurs in Galaxienklassifizierung, ähnlich, wie es Astronomiestudenten im Praktikum durchexerzieren. Anhand eines Fotos lernt sie, zwischen elliptischen, irregulären und Spiralgalaxien zu unterscheiden, die Windung und die Form zu bestimmen.

Fast jede freie Minute verbringt sie auf der Website und zappt durch die Bilder. Wie viele andere auch, in Spitzenzeiten schaffen die Freiwilligen 70.000 Galaxien pro Stunde. Aber das Entdeckerglück ist schon nach einer Woche auf der Seite der aufmerksamen Niederländerin. Nachdem sie IC 2497 als Spiralgalaxie mit Windung gegen den Uhrzeigersinn gemarkert und weggeklickt hat, stutzt sie und ruft das Bild noch einmal auf: Was ist das für ein komischer Farbklecks? Sie kann es sich nicht erklären und postet das Bild im Forum. Die Experten halten den Fleck für ein "wahrscheinliches" Artefakt, wollen dem jedoch nachgehen.

Galaxy Zoo

Über die Website galaxyzoo.org loggen sich die Freiwilligen ein, um nach einem kurzen Lehrgang Galaxien nach optischen Kriterien zu klassifizieren. Während ursprünglich die Aufnahmen aus einer digitalen Himmelsdurchmusterung stammen, sind es jetzt Bilder des Weltraumteleskops Hubble.

Das Seti-Projekt

SETI@home, die Suche nach Funksprüchen Außerirdischer in Daten des Arecibo-Radioteleskops, machte den Anfang als weltweiter, virtueller Supercomputer. Mittlerweile laufen auf derselben Plattform, genannt BOINC, auch handfestere Astronomie-Projekte. So können die Teilnehmer die Rechenleistung ihres PCs beispielsweise Astronomen zur Verfügung stellen, um damit die dreidimensionale Struktur von Sternverteilungen in der Milchstraße zu berechnen: Milkyway@home.

Amateurastronomie

So fing vor dem Computerzeitalter alles an: Hobbyastronomen beobachten mit ihren eigenen Instrumenten veränderliche Sterne und halten deren Helligkeit akribisch fest, suchen den Himmel nach Asteroiden oder Kometen ab oder fahnden nach Supernova-Explosionen in fernen Galaxien, um ihre Ergebnisse anschließend an die Profis weiterzugeben.

Unter anderem engagiert sich die Vereinigung der Sternfreunde auf diesem Gebiet. Ein Verzeichnis aller Vereine, Schul- und Volkssternwarten findet sich im Netz.

Das Ding bekommt bald den Namen Hannys Voorwerp, niederländisch für Hannys Objekt. Doch die Auswertung ihrer Beobachtung durch die Profiastronomen dauert. Die Wissenschaftler müssen warten, bis sie einen Termin an den Großteleskopen bekommen, die von mehreren Orten der Erde aus das All absuchen. Nur so können sie prüfen, was Hanny van Arkel auf ihrem Bildschirm gesehen haben könnte. Schließlich kommt heraus: Die Niederländerin hat das Lichtecho eines erloschenen Quasaren entdeckt.

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