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Weltfremde Promovenden sterben aus. Die heutige Generation netzwerkt – immer und überall. Von Anna-Lena Scholz, Berkeley
© Steve McConnell / UC Berkeley

Studenten auf dem Berkeley-Campus
So könnte das Paradies aussehen: der Himmel blau, die Wiesen grün, die Sonne scheint. Palmen spenden Schatten, tausende Eichhörnchen flitzen durch die Landschaft mit Waldabschnitten, Flussläufen, exotischen Blumen. Schmetterlinge und Kolibris schwirren durch die trockene, vom Duft der Pinien und Eukalyptusbäume durchsetzte Luft. Das Paradies ist fast fünf Quadratkilometer groß, liegt an der Westküste der Vereinigten Staaten und ist Hoheitsgebiet der Universität von Kalifornien – es heißt Berkeley.
In Wahrheit sind die Zustände weniger paradiesisch, denn wie alle Universitäten in den USA hat auch Berkeley infolge der Wirtschaftskrise unter massiven Budgetkürzungen zu leiden. Die Studenten fürchten eine Erhöhung der Studiengebühren, den Instituten werden Forschungsgelder und Mitarbeiter gestrichen.
Einen verklärten Blick auf Berkeley hat nur, wer hier Gast ist: jemand wie ich. Als Doktorandin einer deutschen Universität bin ich eine von tausenden, die jährlich im Rahmen eines binationalen Promotionsprogramms für einige Monate an einer ausländischen Partneruniversität forschen. Als Gastdoktorandin habe ich Zugriff auf die Bibliotheken, werde in die Mailingliste meines Instituts aufgenommen und bekomme einen Professor als Betreuer zugewiesen, der sich mit mir und meinem Dissertationsthema auseinandersetzt.
Internationalisierung lautet das Zauberwort für die Promotion 2.0. Die Zahlen – etwa 4000 Doktoranden wurden im vergangenen Jahr vom DAAD gefördert, um ein oder mehrere Semester an einer ausländischen Hochschule zu forschen, und allein in Berkeley tummeln sich zurzeit etwa 2500 Gastdoktoranden und Postdocs – bestätigen meine gefühlte Statistik. Sämtliche Doktoranden, die ich kenne, zieht es als "Visiting Research Student" an ausländische Universitäten. Mein promovierender Freundes- und Bekanntenkreis jettet hin und her zwischen Berlin und Berkeley, Yale und Bonn, Wien und Chicago, Princeton und München, Bonn und Florenz, Paris und Tokio.
Es ist die Generation Erasmus, die das Wissen um die Bedeutung internationaler Netzwerke mit der Muttermilch der Alma Mater aufgesogen hat und inzwischen nicht nur fleißig an ihrer Qualifikationsschrift werkelt, sondern auf dem internationalen akademischen Parkett längst Wiener Walzer tanzt. Wir schreiben Anträge zur Bewilligung des Forschungsaufenthalts am MIT oder der Konferenz in London, sind Stammgast in der Botschaft zur Beantragung eines Visums und Olympioniken in der Disziplin des Wohnung-Untervermietens. Mehrere Sprachen beherrschen wir schon, jetzt lernen wir auch noch das ABC anderer Wissenschaftskulturen kennen und organisieren Konferenzen mit Doktoranden von der Partneruniversität.
Und warum sollten wir all das auch nicht tun, da es nun mal entsprechende Förderprogramme gibt? Wer will schon die Chance verspielen, sich beruflich international aufzustellen und den Erwartungen an weltgewandte Jungwissenschaftler perfekt zu entsprechen? Wissenschaftliche Karrieren kennen heutzutage keine Landesgrenzen mehr, und die Stellen an deutschen Universitäten sind hart umkämpft. Gut für jeden, der sich in einem Forschungsprogramm oder Institut im anderen Land bereits als Doktorand einen Namen gemacht, zu den richtigen Leuten Kontakte geknüpft hat.
Die Möglichkeiten, die sich uns bieten, sind paradiesisch – und jeder Cent, den unsere Verinternationalisierung kostet, ist es wert, meine ich. Aber sie ist auch eine Herausforderung an die eigene wissenschaftliche Kompetenz, die sich während der Promotionsphase eigentlich noch entwickeln soll, im internationalen Gebaren aber längst als feste Größe vorausgesetzt wird.
- Datum 07.09.2010 - 17:53 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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der metatheoretische Ansatz ist nur bei den Leuten out, die ihn nicht mehr können, weil sie nur noch in ihrer kleinen main-stream-Theorie zu Hause sind ... .
Ansonsten hört sich das nach einer dringend notwendigen Entschleunigung an.
"Meine heimische Professorin rät mir, meine Dissertation müsse ein diskursanalytisches Überblickskapitel zu meinem Thema bieten. Mein hiesiger Betreuer sagt, metatheoretische Arbeiten seien von gestern."
Göttlich! Mein durchaus traditioneller deutscher Professor (Volkswirtschaftslehre) verlangte ebenfalls eine Einleitung mit allem, was übers Thema schon geschrieben wurde. Mit unendlich vielen Fußnoten. "Vielleicht hat 1926 schon jemand ähnliches geschrieben?! Dann wäre Ihr Ansatz nicht mehr neu!" Die amerikanischen Artikel zitierten einen Aufsatz ihres Lehrstuhles als Hinweis auf die Aktualität des Themas, hatten 4 Fußnoten, und beschränkten sich auf die Idee des Autors. Diese Aufsätze konnte ich zitieren und die Ergebnisse benutzen, aber wenn ich ihn in Deutschland geschrieben hätte, wäre ich damit nicht durchgekommen.
Die deutsche Gründlichkeit, so schön sie ist, verschwendet unglaublich viel Zeit unserer hellsten Köpfe. Sie mag auch den Weg zu Neuem verstellen, denn wer sich zwischen 25 und 30 damit beschäftigt, die *Geschichte* des eigenen Problems zu untersuchen, kann (in seinen kreativsten Jahren!) keine eigenen Ideen verfolgen und vertiefen. Es leidet auch die Begeisterung, ein wichtiger Faktor kreativen Schaffens. Kein Wunder, dass die US-Forschung in Vielem viel schneller und innovativer ist.
immer und überall – akademisch, fachlich, persönlich."
Wäre schön zu lesen, wo die junge Dame in 5 Jahren steht und was ihr ihr das Netzwerken gebracht hat.
"Wir müssen versuchen, es allen recht zu machen"
Sollte dies wirklich ihre Philosphie sein und ist es traurig. Als Promovend muss man es niemanden Recht machen, dass ist das Schöne an Wissenschaft, man kann alles sagen und entweder man kann seine Arbeit und/oder Ideen verteidigen oder nicht. Das ist meiner Erfahrung nach das Erste was man an nordamerikanischen Unis lernt.
Sollte dieser Artikel nicht als Satire gemeint sein, ist es ein deprimierender, der einen am heutigen dt. Wissenschaftssystem und den daraus hervorgehenden Wissenschaftlern zweifeln lässt. Obwohl es das in den letzten Jahren auf Konferenzen gewonnene Bild von Selbigen erklären würde.
Ihre Überschrift zeigt leider auch die Arroganz der Autorin, die Wortwahl hätte man besser gestalten sollen.
Dem Rest stimme vollkommen zu, denn auch ich musste schon oft nach folgendem Satz handeln:
Man kann es nie jedem Recht machen. Dieser Satz ist die pure Wahrheit, alles andere ist eine Lüge.
Ihre Überschrift zeigt leider auch die Arroganz der Autorin, die Wortwahl hätte man besser gestalten sollen.
Dem Rest stimme vollkommen zu, denn auch ich musste schon oft nach folgendem Satz handeln:
Man kann es nie jedem Recht machen. Dieser Satz ist die pure Wahrheit, alles andere ist eine Lüge.
Mir scheint als würde es mittlerweile ausschließlich um Geschwätz und Beziehungen gehen.
Ich bin Elektrotechnikstudent, kurz vor dem Abschluss und mir kommt das Gegessene hoch wenn ich diesen Artikel lese.
Am Anfang meines Studiums war ich in einer Studentenverbindung. Aber das Einschleimen bei den "Alten Herren" und der "große Seilschaft die sich hilft"-Geist ging mir auf die Nerven. Desshalb bin ich ausgetreten, noch vor der ersten Mensur.
Das Netzwerken bei Facebook usw geht mir auch auf die Nerven obwohl ich hier noch brav mitmache.
Ist das denn alles worum es geht?
Ist es wirklich der einzige Weg sich selbst permanent zu vermarkten und das ganze Leben als durch die Welt schleimende Show zu verunstalten?
Ich hoffe die Realität belehrt mich eines besseren wenn ich in naher Zukunft in das Berufsleben eintrete, aber ich befürchte nach solchen Artikeln das Schlimmste. Beruhigend ist höchstens, dass die Autorin mit "Neuere deutsche Literatur" wohl nur bedingt stellvertretend für rational motivierte Studiengänge, Promotions-/Abschlussprozesse, Berufe sprechen kann.
Bleiben sie allerdings weiterhin, wer die Welt sehen will und verstehen will darf nicht nur zwischen "Arbeitsstätten" hin und her reisen.
Fehlt die Zeit sich ein Land anzusehen kann man es auch nicht wirklich verstehen.
Ich kenne Geschäftsleute die meinen sie hätte die Welt gesehen, allerdings bestanden ihre Auslandaufenthalte aus 3 Tagen 5 Sterne Hotel und Konferenzräumen.
Da sieht man nix, was es nicht auch hier schon gibt :)
Ihre Überschrift zeigt leider auch die Arroganz der Autorin, die Wortwahl hätte man besser gestalten sollen.
Dem Rest stimme vollkommen zu, denn auch ich musste schon oft nach folgendem Satz handeln:
Man kann es nie jedem Recht machen. Dieser Satz ist die pure Wahrheit, alles andere ist eine Lüge.
Nun, ich kenne einige Professorenlebensläufe und beobachte, dass Vita wie diese: "Mein promovierender Freundes- und Bekanntenkreis jettet hin und her zwischen Berlin und Berkeley, Yale und Bonn, Wien und Chicago, Princeton und München, Bonn und Florenz, Paris und Tokio." allenfalls dazu ausreichen, während des Studiums ahnungslose Mitstudenten oder die Angestelltenfamilie zu begeistern, die im Ausland maximal urlaubt. Auch schwebt das ghoetische Ausland als Bürgerfreude der Mittelschicht gewiss mit.
Mir sind erst kürzlich wieder Professoren aufgestoßen - von Dozenten fange ich erst gar nicht an -, die bis auf einige Austauschsemester, ein Stipendium und einige Beiträge und viele Lehrstunden, wirklich wenig vorzuweisen haben.
Aber ich halte diese explizite Austauschbarkeit für eine Mode. Netzwerken. Als ob es nicht schon früher Austausch und Bekanntschaft gegeben hätte. Mir sind einige bekannt, die bis auf Netzwerken mit Netzwerkwilligen, auch recht wenig vorzuweisen haben.
Manche können "Netzwerker frisch von Uni" schon von weitem erkennen. Und wer, wie die Autorin, nichts weiter als Studium/Schule vorzuweisen hat, hat doch den wiss. Betrieb noch nicht erlebt, nicht wahr? Bislang wurde sie offenbar, wie ein netter Schüler, allenfalls herumgereicht. Ich halte das Netzwerken als öffentliches Thema eher für eine journalistische Ente.
Die Autorin des Artikels beschreibt meiner Erfahrung nach keinesfalls "die heutige Generation" von Doktoranden. Vielmehr gibt sie Einblick in ihre spezielle Situation und besonders in ihr Selbstverständnis.
Da ich selbst gerade dabei bin meine Promotion abzuschließen und in Kürze eine befristete Stelle als Wissenschaftler an einer Uni annehmen werde, zähle ich mich ebenfalls zu dieser Generation und habe keineswegs den Eindruck, dass dieser Artikel meine Situation oder die meiner Mitdoktoranden beschreibt.
Vielmehr als von den Erwartungen anderer, was ein Jungwissenschaftler zu tun und wie er zu sein hat, war ich von der Neugier auf mein Fach getrieben. Wenn ich in Kontakt mit anderen Wissenschaftlern trat, dann aus Interesse an deren Arbeit oder Schnittstellen in der Forschung und nicht um des netzwerkens oder Karrierestrebens willen.
Ich erlaube mir hier die Verallgemeinerung, dass dies auch auf einen Großteil meiner Mitdoktoranden zutrifft. Insofern halte ich den Artikel für eine interessante Perspektive. Es wäre aber Anmaßung zu behaupten, dass er "die heutige Generation" von Doktoranden beschreibt.
Ich bezweifle auch, dass man so sein muss, wie beschrieben, um in der Wissenschaft Karriere zu machen. Von den Wissenschaftlern, die ich kenne gibt es die unterschiedlichsten Typen vom Weltfremden bis zum Netzwerker.
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