Reha-Angebote werden eher angenommen, wenn sie in der Nähe sind
"Ein Vorteil ist auch, dass man die ambulante Reha in Intervallen betreiben kann, viele Patienten kommen jeden zweiten oder dritten Tag, so können sie sich zwischendurch von dem anstrengenden Programm ausruhen, andere können eventuell auch beruflich schon wieder aktiv werden“, sagt Timo Ylinen, Herzspezialist am Berliner Auguste-Viktoria-Klinikum , wo eine der vier ambulanten Herz-Rehas in der Hauptstadt angesiedelt ist. Auch der Übergang in Phase drei, nach Akutklinik und Reha, fällt fließender aus, wenn schon in Phase zwei die Kontakte geknüpft werden, etwa zu einer Herzsportgruppe. Herzpatienten, die eine ambulante Reha absolviert haben, nehmen danach viel häufiger am Programm "Irena“ teil, der "intensivierten Rehabilitationsnachsorge“, die die Deutsche Rentenversicherung anbietet.
Und es gibt ein anderes, härteres Argument: Die Hürde ist oft niedriger, wenn es eine Möglichkeit in der Nähe gibt. "Viele Patienten nehmen das Angebot zur Reha heute gar nicht wahr, weil sie nach einem längeren Klinikaufenthalt nicht noch einmal länger von zu Hause weg sein wollen“, sagt Sauer. Befragungen ergaben, dass sogar unter den schwer Herzkranken jeder fünfte die ambulante Variante bevorzugen würde. Die Interessen der Kostenträger und die der Versicherten passen in diesen Fällen gut zusammen. Allerdings fehlen die wohnortnahen Angebote in weiten Teilen der Republik. Berlin und Nordrhein-Westfalen sind in dieser Beziehung privilegiert.
Reha am Tag, eigene Wohnung in der Nacht und am Wochenende: Das kommt andererseits für einige Menschen, die sich vom Infarkt oder der Herzoperation erholen sollen, überhaupt nicht infrage. Für beruflich gestresste Selbstständige oder Manager, die dort keine Ruhe finden würden, für Alleinlebende, die sich noch nicht selbst versorgen können, vor allem aber für schwer Kranke, denen der Transport nicht zugemutet werden kann.
Sauer plädiert für fließende Übergänge zwischen den Angeboten. Nach ein bis zwei Wochen in der Reha-Klinik könnte man dann das Programm von zu Hause aus in einer ambulanten Einrichtung fortsetzen. Und versuchen, möglichst viel davon beizubehalten, wenn danach der Alltag wieder Einzug hält.
- Datum 03.09.2010 - 14:11 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Auch sexuelle Aktivitäten sind nach einer Herzerkrankung nicht tabu. Die Verunsicherung bei Männern nach einem Herzinfarkt ist groß. Die Angst ist ein schlechter Begleiter und sie ist in den allermeisten Fällen auch unbegründet. Die meisten Ärzte sagen ihren Herzpatienten, dass sie nach einer Herzerkrankung auch Sex haben können. Sie machen den Männern Mut, körperlich und auch sexuell aktiv zu bleiben. Der Hauptgrund für eine Zurückhaltung ist die Angst, mit sexuellen Aktivitäten ein erneutes akutes Erlebnis auszulösen und am plötzlichen Herztod zu sterben. Weitere Gründe können sein: Atemnot, Erschöpfung, Schmerzsymptome, Depression und Besorgtheit.
Auf der einen Seite sind diese Sorge völlig normal. Doch auf der anderen Seite sind diese Sorgen in Bezug auf eine unzureichende körperliche Belastbarkeit für sexuelle Aktivitäten und ein erhöhtes Krankheitsrisiko in der Regel unbegründet.
Die Steigerung von Puls und Blutdruck bei sexueller Aktivität entspricht etwa einer mittleren Ausdauerbelastung auf dem Fahrrand während 20 Minuten. Sie können es auch mit einem zügigen Gehen auf einer Strecke von 1,5 Kilometer in 20 Minuten vergleichen.
http://wp.me/pNQVe-1z
Tja, wenn ich das gewusst hätte... als ich letztes Jahr meinen Herzinfarkt hatte, wurde mir diese Möglichkeit gar nicht vorgeschlagen.
Aufgrund meiner psychischen Verfassung nach dem Infarkt, aber nicht aufgrund des Infarktes, war ich auch nicht dazu in der Lage, es durchzusetzten, eine Reha an meinem Heimatort (in Niedersachsen) zu machen, weil ich dort halt näher bei meiner Familie und Freunden gewesen wäre. Mir wurde gesagt, dass der Träger nur Rehamaßnahmen im Umkreis von 200 km des Wohnortes übernimmt. Ja, so'n Pech aber auch, dass hier mein Hauptwohnsitz arbeitsbedingt ist. Hier, in München, musste ich eben aufgrund der Wohnortnähe allein am schönen Chiemsee "relaxen". Was dazu führte, dass ich mich total allein fühlte, da Besuche aus dem 650 km entfernten Heimatort auch mal nicht so auf die Schnelle zu organisieren sind, ich die Reha am liebsten gar nicht erst angetreten hätte, in der ersten Woche jeden Abend aufgrund von kleinen Nervenzusammenbrüchen die Station aufgemischt habe, fast nichts von den Anwendungen mitgemacht habe und dann von den geplanten vier Wochen, nur drei durchgezogen habe... gut getan hat mir das nicht. Aber ich denke, dass die Reha in Heimatnähe mir mehr gebracht hätte, allein schon durch die Unterstützung der Familie. Ich wäre psychisch fester gewesen.
Naja, krank werden darf man in diesem Land eh nicht, kommt einen nur teuer zu stehen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren