Nobelpreisträger im Gespräch: Paul J. Crutzen Im Interview mit ZEIT ONLINE spricht der Chemie-Nobelpreisträger über Ressourcenverschwendung, die Nutzung von Biokraftstoffen und den Klimawandel

1995 wurde zum ersten Mal der Nobelpreis für ein Umweltthema verliehen: Paul Crutzen, Mario Molina, Sherwood Rowland erhielten ihn für die wissenschaftliche Erklärung des Ozonabbaus. Der Chemiker und Meteorologe Paul Crutzen klärte auf, welche folgenreichen Reaktionen in der Stratosphäre über dem Südpol vor sich gehen.

In 20 bis 25 Kilometer Höhe ist der Wassergehalt der Luft sehr gering, sodass sich keine Wolken im herkömmlichen Sinne bilden können. In der Stratosphäre über den Polen bestehen sie aus Säurekristallen. Bei extrem niedrigen Temperaturen hüllt sich um diese Kristalle ein Eismantel. Crutzen entdeckte, dass der Eismantel chemische Reaktionen begünstigt, die schließlich Chlor freisetzen. Das Element – Bestandteil der industriellen FCKW-Gase – reißt ein Loch in die schützende Ozonhaut der Erde.

Ozon kommt zwar nur in geringen Mengen in der Atmosphäre vor. Dennoch ist das Molekül zwingend für das Leben auf der Erde, da es ultraviolette Strahlung in der Stratosphäre abfängt. Ozon verhindert, dass die gefährlichen UV-Strahlen ungehindert die Erdoberfläche erreichen. Die Vereinten Nationen legten Ende der 1980er einen erschütternden Bericht vor: Das Ozonloch könne die gesamte marine Nahrungskette schwächen, Hunderttausende Menschen würden zusätzlich an Hautkrebs erkranken.

1987 unterzeichnete die Weltgemeinschaft im kanadischen Montreal das Protokoll zur Rettung der Ozonschicht . Fluorkohlenwasserstoffe wurden weltweit verbannt. Crutzen, Molina und Rowland wurden 1995 mit dem Nobelpreis geehrt. Sie hätten dazu beigetragen, "uns vor einem globalen Umweltproblem zu retten, das katastrophale Ausmaße hätte annehmen können", sagte das Nobelkomittee.

Paul Josef Crutzen war von 1980 bis 2000 Direktor des Max-Planck-Insituts für Chemie in Mainz. Der 76-Jährige wurde in Amsterdam geboren und ist niederländischer Staatsangehöriger. Crutzen hat an der Universität von Stockholm seinen Doktor gemacht und war unter anderem Mitglied der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften.

ZEIT ONLINE traf Paul Crutzen zum Videointerview am Rande des diesjährigen Nobelpreisträgertreffens in Lindau . Die Preisträger der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung werden in diesem Jahr ab dem 4. Oktober bekannt gegeben.

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