Die Forschung an embryonalen Stammzellen darf in den USA nun wieder mit Staatsmitteln gefördert werden. So lautet die Entscheidung der Berufungsrichter, die ihr Urteil nicht näher erklärten.

Allerdings sollten die Steuergelder schon längst wieder fließen. Im März 2009 hatte Barack Obama eine Verordnung erlassen, die den restriktiven Kurs seines Vorgängers zur Stammzellendebatte kippte . Die Regierung argumentierte, Millionen Schwerkranker oder Verletzter könne "irreparabler Schaden" zugefügt werden, wenn man die Forschung an embryonalen Stammzellen verbiete. Schließlich könnten diese Menschen einst von den neuen medizinischen Verfahren profitieren.

In Stammzellen schlummert großes Potenzial: Sie sind Verwandlungskünstler, können sie doch zu jeglichen Zellen des Körpers reifen. Forscher wollen eines Tages mit ihnen Gewebe züchten. Von Krankheit zerstörte Organe oder Zellen sollen ersetzt werden können. Altersleiden wie Parkinson und Alzheimer könnten gelindert werden. Auch Volksleiden wie Diabetes und Herzerkrankungen wären möglicherweise mit Stammzellen therapierbar. Bislang sind die Forscher aber noch weit davon entfernt, maßgeschneiderte Heilverfahren anbieten zu können. Ob dies jemals gelingt, ist zudem keinesfalls sicher. Vielmehr geht es derzeit darum, zunächst die Grundlagen der Zellen zu verstehen.

Die Berufungsrichter hoben am Dienstag nun ein in erster Instanz erlassenes Förderungsverbot der umstrittenen Forschung auf. Vergangenen Monat hatte ein Bezirksgericht per Eilentscheid die Förderung ausgesetzt . Die präsidiale Verordnung von 2009 verstoße gegen ein 1996 erlassenes Gesetz, dass es untersage, Steuergelder für die embryonale Stammzellforschung zu verwenden. Der zuständige Richter Royce Lamberth folgte damit einem Antrag ausgerechnet von mehreren Stammzellforschern. Sie hatten das Verfahren gegen das nationale Gesundheitsinstitut im Juni angestrengt, weil sie um Fördergelder für die Arbeit an Stammzellen von Erwachsenen fürchten.

Mehrere christliche Gruppen hatten sich der Klage angeschlossen. Ihnen geht es allerdings nicht um Forschungsinteressen. Sie sehen in den wenige Tage alten Zellhäufchen lebende Menschen. Wer hier Zellen entnimmt, der vernichte Leben.

Die Nutzung embryonaler Stammzellen ist ethisch stark umstritten. Um sie zu gewinnen, zerstören Forscher den Embryo kurz nach der Befruchtung der Eizelle. Die wenige Tage alten Zellhäufchen entstehen in der Reproduktionsmedizin. Mediziner versuchen kinderlosen Paaren mithilfe einer künstlichen Befruchtung den Wunsch nach Nachwuchs zu erfüllen. Dabei entstehen allerdings weit mehr befruchtete Eizellen als nötig. "Mehr als 400.000 Embryonen lagern in den Fortpflanzungskliniken der USA", sagt der US-Senator Arlen Specter. Er kämpft für die Stammzellforschung . Das Problem mit den überzähligen Embryonen sei, dass ein Teil eingefroren werde, die meisten aber im Müll landen.

Specter fordert seit Jahren klare gesetzliche Richtlinien für die Förderung der embryonalen Stammzellforschung. Erst kürzlich brachte er wieder einen Gesetzentwurf in den Kongress ein. Darin wird festgelegt, dass die Stammzellen eingefrorener Embryonen für Forschungszwecke verwendet werden dürfen. Allein für Labore gezüchtete Embryonen lehnt das Gesetz strikt ab. Dies untersagt ohnehin der sogenannte Dickey-Wicker-Zusatzantrag aus dem Jahr 1995.

Ob embryonale Stammzellen einst die Hoffnungen der Wissenschaftler erfüllen können, ist offen. Zwar können Forscher bereits Hautzellen derart verjüngen, dass sie Eigenschaften von Stammzellen zurückgewinnen. Doch ersetzen können sie die embryonalen Stammzellen nach Ansicht vieler Forscher bislang nicht.