Genetik Erste Version des Truthahn-Genoms entziffert

90 Prozent des Erbguts konnten Forscher dem beliebten Speisevogel bisher entlocken. Die Erkenntnisse sollen zu lukrativeren Züchtungen führen.

Ein Truthahn im Zoo Hannover

Ein Truthahn im Zoo Hannover

Wissenschaftler haben mehr als 90 Prozent des Truthahn-Genoms entziffert. Nach Huhn und Zebrafink ist dies der dritte Vogel, dessen Erbgut weitgehend bekannt ist. Untersucht wurde das Genom eines weiblichen Haus-Truthahns ( Meleagris gallopavo ) mit Namen Nici. Der Vogel stammt aus einer kommerziell wichtigen Züchtungslinie.

Nach zwei Jahren Arbeit am Genom des Truthahns konnten die Forscher mehr als 900 Millionen Basenpaare insgesamt 80 spezifischen Chromosomen (Erbgutträgern) zuordnen. Zum Vergleich: Das Huhn hat 78 Chromosomen, der Mensch 46. Die Wissenschaftler zählten mehr als 16.000 Truthahn-Gene, darunter auch neue, die Vogelforscher noch nicht kannten.

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Die Chromosomen von Vögeln sind sehr unterschiedlich groß, weshalb man hier Makro- und Mikrochromosomen unterscheidet. 70 der Chromosomen des Truthahns gehören zu den winzigen Mikrochromosomen, berichten die Forscher online im Magazin Plos Biology .

Allerdings interessiert sich der Geflügelforscher Rami Dalloul von der Technischen Universität im US-Bundesstaat Virginia nicht nur aus genetischer Sicht für die Truthähne. In den USA steht "Turkey" an vierter Stelle auf dem Speiseplan der Fleischesser. Gerade zu Thanksgiving im Herbst oder an Weihnachten kommen traditionell viele dieser Vögel gebraten auf den Tisch. Deshalb ist die Truthahn-Zucht in den USA ein lukratives Geschäft – und so hoffen die Forscher, die Erkenntnisse aus dem Genom für Züchtungen nutzen zu können, die mehr Fleisch bringen und die Nutztiere weniger anfällig für Krankheiten machen.

Wenn wir das Erbgut der Truthähne kennen, können wir auch "bessere Methoden zur Zucht und zur Vorbeugung und Bekämpfung von Krankheiten entwickeln", sagte Dalloul. Sein Kollege Ed Smith von derselben Universität erforscht an den Tieren mögliche genetische Ursachen für eine Herzmuskelerkrankung, die auch bei Menschen vorkommt, während Roger Coloumbe von der Utah-State-Universität und Kent Reed von der Uni Minnesota untersuchen, warum Truthähne besonders empfindlich auf bestimmte Pilzgifte (Aflotoxine) reagieren. Diese Gifte kommen in der Natur häufig vor und sind teilweise auch für Menschen gesundheitsschädlich.

 
Leser-Kommentare
    • Buh
    • 08.09.2010 um 7:23 Uhr

    Ich bin ungläubig aber genetische veränderrungen um Tiere noch besser ausnutzen zu können sind bescheuert.

    Ich wünsche jedem Menschen, dass er eines Tages versteht welche Qualen er mit jedem bissen Tierfleisch anrichtet.

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    • dapeda
    • 08.09.2010 um 9:44 Uhr

    Die herkömmliche Züchtung beruht selbstverständlich ebenfalls auf genetischen Veränderungen. anders ginge es ja auch gar nicht.

    Bei Pflanzen noch stärker sichtbar: Kohl, Kraut, Wirsing, Karfiol, Broccoli, Kohlsprossen, Kohlrabe - alles die gleiche Art, durch Züchtung genetisch modifiziert.

    • Lumpy
    • 08.09.2010 um 10:08 Uhr

    Das stimmt, Züchtung ist auch eine genetische Manipulation durch Kreuzung und Auslese.

    Jedoch wird dabei die Artenschranke nicht verletzt und das ganze ist ein allmählicher Prozess, der eine jahrzehntelange Prüfung der Mutation beinhaltet.

    In der Genforschung werden Bakterien mit Mais gekreuzt oder Tomaten mit Schweinen. Und zwar in kürzester Zeit im Reagenzglas.

    Nach kurzer, oberflächlicher Prüfung (Schweine-Tomate sieht aus wie eine Tomate, riecht wie eine Tomate, schmeckt wie eine Tomate) wird das Produkt in Umlauf gebracht.

    Und was ist, wenn z.B. die Pollen der Schweine-Tomate bei Bienen Fußpilz verursachen? Oder das Wurzelgeflecht der Pflanze Regenwürmern in den Anus dringt?

    • dapeda
    • 08.09.2010 um 9:44 Uhr

    Die herkömmliche Züchtung beruht selbstverständlich ebenfalls auf genetischen Veränderungen. anders ginge es ja auch gar nicht.

    Bei Pflanzen noch stärker sichtbar: Kohl, Kraut, Wirsing, Karfiol, Broccoli, Kohlsprossen, Kohlrabe - alles die gleiche Art, durch Züchtung genetisch modifiziert.

    • Lumpy
    • 08.09.2010 um 10:08 Uhr

    Das stimmt, Züchtung ist auch eine genetische Manipulation durch Kreuzung und Auslese.

    Jedoch wird dabei die Artenschranke nicht verletzt und das ganze ist ein allmählicher Prozess, der eine jahrzehntelange Prüfung der Mutation beinhaltet.

    In der Genforschung werden Bakterien mit Mais gekreuzt oder Tomaten mit Schweinen. Und zwar in kürzester Zeit im Reagenzglas.

    Nach kurzer, oberflächlicher Prüfung (Schweine-Tomate sieht aus wie eine Tomate, riecht wie eine Tomate, schmeckt wie eine Tomate) wird das Produkt in Umlauf gebracht.

    Und was ist, wenn z.B. die Pollen der Schweine-Tomate bei Bienen Fußpilz verursachen? Oder das Wurzelgeflecht der Pflanze Regenwürmern in den Anus dringt?

    • dapeda
    • 08.09.2010 um 9:44 Uhr

    Die herkömmliche Züchtung beruht selbstverständlich ebenfalls auf genetischen Veränderungen. anders ginge es ja auch gar nicht.

    Bei Pflanzen noch stärker sichtbar: Kohl, Kraut, Wirsing, Karfiol, Broccoli, Kohlsprossen, Kohlrabe - alles die gleiche Art, durch Züchtung genetisch modifiziert.

    • Lumpy
    • 08.09.2010 um 10:08 Uhr

    Das stimmt, Züchtung ist auch eine genetische Manipulation durch Kreuzung und Auslese.

    Jedoch wird dabei die Artenschranke nicht verletzt und das ganze ist ein allmählicher Prozess, der eine jahrzehntelange Prüfung der Mutation beinhaltet.

    In der Genforschung werden Bakterien mit Mais gekreuzt oder Tomaten mit Schweinen. Und zwar in kürzester Zeit im Reagenzglas.

    Nach kurzer, oberflächlicher Prüfung (Schweine-Tomate sieht aus wie eine Tomate, riecht wie eine Tomate, schmeckt wie eine Tomate) wird das Produkt in Umlauf gebracht.

    Und was ist, wenn z.B. die Pollen der Schweine-Tomate bei Bienen Fußpilz verursachen? Oder das Wurzelgeflecht der Pflanze Regenwürmern in den Anus dringt?

  1. Das Problem an der Gentechnik ist einfach nur, dass die meisten Menschen überhaupt keine Ahnung haben, was da gemacht wird, wie es gemacht wird und unter welchen Umständen.

    Ich würde mal gerne wissen, wer dafür verantwortlich ist, dass einige Wissenschaftler als Wahnsinnige mit Allmachtsfantasien
    gesehen werden, die die Welt zerstören.

    Also wirklich, macht mal die Augen auf Leute...

    Gentechnik ist das gleiche, wie die Züchtung, die es schon vorher gab, mit dem Unterschied, dass man es nun besser lenken kann.

    • Harzer
    • 08.09.2010 um 17:43 Uhr

    Übrigens, der "weibliche Truthahn" heißt Pute.
    Man kann die Truthühner nämlich auch als Puter und Pute bezeichnen.

  2. Ich war bei einer Danksagung vor kurzem, wo es vorgeschlagen wurde, dass Capon eine gute Alternative für die Türkei ist, aber ich habe noch nie von diesem Vogel gehört. Ist es ähnlich wie Fasan?

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