Auszeichnung Nobelpreis für den Erfinder der künstlichen Befruchtung

Seine Forschung verhalf Millionen kinderlosen Paaren zu Nachwuchs: Der Brite Robert Edwards erhält den Medizinnobelpreis für die Entwicklung der In-vitro-Fertilisation.

Der Engländer Robert Edwards entwickelte als erster eine Methode, um unfruchtbaren Paaren doch den Kinderwunsch zu erfüllen. Dafür erhält der 85-jährige Forscher nun den Medizinnobelpreis. Die Nobeljury würdigte Edwards Arbeiten in der Grundlagenforschung als "Meilenstein der modernen Medizin". Bis heute erblickten rund vier Millionen Menschen die Welt, deren Mütter sich haben künstlich befruchten lassen. 

Das Nobelkomitee erklärte, dass Edwards derzeit gesundheitlich angeschlagen sei. Seine Frau habe ihm die frohe Botschaft mitgeteilt und sagte, dass er "entzückt" sei. Der Mediziner habe es geschafft, Unfruchtbarkeit zu behandeln. Mehr als zehn Prozent aller Elternpaare auf der Welt leiden darunter.

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Die künstliche Befruchtung

Die künstliche Befruchtung ist eine Methode, bei der Spermien und Eizelle durch medizinische Methoden vereint werden. Auf diesem Wege kann Paaren der Kinderwunsch erfüllt werden, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können.

Die bekannteste Methode ist die von Robert Edwards und Patrick Steptoe entwickelte In-vitro-Fertilisation – also die Befruchtung im Reagenzglas. Eine weitere Möglichkeit ist das gezielte Einpflanzen von Sperma in die Gebärmutterhöhle zum richtigen Zeitpunkt (intrauterinen Insemination).

Die In-vitro-Fertilisation

Die In-vitro-Fertilisation findet außerhalb des Körpers der Frau in einer Glasschale statt – deswegen in-vitro (Lateinisch: "im Glas"). Die Eizelle wird noch vor dem Eisprung aus dem Eierstock entnommen. Anschließend wird sie mit einer Nährlösung und den Spermien des Mannes vermischt. Die Umgebungsbedingungen aktivieren den Samen – ein notwendiger Schritt für die künstliche Befruchtung, den der Reproduktionsmediziner Robert Edwards entwickeln konnte. Er erhielt 2011 für seine Methode den Nobelpreis.

Nach der Befruchtung beginnt die Eizelle sich zu teilen. Zweieinhalb Tage und einige Zellteilungen später wird dieser noch winzige Embryo mit einer dünnen Nadel in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt. Hier verdoppelt er seine Zellen weiter bis er ein bestimmtes Stadium (Blastula) erreicht hat. Dann vereinigt sich der Embryo mit dem Gewebe der Mutter und wächst weiter – genau wie ein natürlich gezeugtes Kind.

Bereits früh in den 1950er Jahren erkannte der Brite die Bedeutung der In-vitro-Fertilisation für den Menschen. Schließlich gelang es ihm, eine menschliche Eizelle im Labor in der Kulturschale zu befruchten. Seine Anstrengungen wurden 1978 belohnt:  Am 25. Juli wurde das erste Baby aus der Retorte geboren . Die Daily Mail in Großbritannien titelte "The Lovely Louise". Die Zeitung hatte die medizinische Sensation mit rund 600.000 Euro gesponsert und die Rechte an der Geschichte erhalten.

Zusammen mit dem Gynäkologen Patrick Steptoe präsentierte Edwards das erste Baby aus dem Reagenzglas der Welt. Und schon damals ernteten die beiden nicht nur Jubel über die medizinische Leistung : Auch Entsetzen kam zum Ausdruck. Schließlich stellte sich die Frage, ob Forscher den Zeugungsakt manipulieren dürften. Deutsche Kirchenvertreter und Strafrechtler  forderten, das Verfahren sofort zu verbieten. Die Biomedizin, schrieb der Spiegel angesichts der Geburt von Louise Brown, schicke sich an, "den Menschen einem alchimistischen Experiment zwischen Hoffnung und Horror" zu überantworten.

Heute ist die Furcht vor den Frankensteins gewichen. Die künstliche Befruchtung reifte zur medizinischen Routine, das Menschenexperiment gelang. Obwohl Steptoe und Edwards ihr Verfahren niemals an Säugetieren zuvor getestet hatten. Anfangs war nicht einmal klar, ob es Folgen für den Embryo habe, wenn er mit Hilfe von Pipette, Petrischale und Brutschrank zur Welt komme.

Doch 32 Jahre nach Louise sind keine Langzeitschäden der Retortenkinder bekannt. Sie leben so auffällig unauffällig unter uns, dass ihre Herkunft keine Rolle mehr spielt.

Wie die Medizinpioniere Robert Edwards und sein verstorbener Partner Patrick Steptoe Medizingeschichte schrieben, lesen Sie hier .

 
Leser-Kommentare
    • Buh
    • 04.10.2010 um 12:07 Uhr

    Und sehr verdient. Der Mann aht vielen Paaren, auch Homosexuellen paaren die möglichkeit gegeben Kinder zu bekommen. Das finde ich sehr lobenswert.

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    • joG
    • 04.10.2010 um 13:47 Uhr

    ,,,,seien noch mehr Menschen?

    • joG
    • 04.10.2010 um 13:47 Uhr

    ,,,,seien noch mehr Menschen?

  1. bedient auch bloss Erwachsene zum Nachteil der Kinder, die noch weniger wahrnehmen können, wer sie sind und eine Lüge mehr in ihrem Unbewussten mit sich tragen müssen.

  2. Erklärung zur genaueren Methodik des aktuellen Nobelpreises, dafür fast die Hälfte Erläuterungen zum letzten Nobelpreisthema...

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    Redaktion

    Lieber Torsten Schwarz,

    wir bemühen uns so rasch es geht Hintergründe zum Nobelpreisträger Edwards zu liefern.

    Doch wie alle anderen, haben auch wir erst vor einer Stunde von seiner Auszeichnung erfahren. Mit Bitte um Nachsicht :)

    Gruß aus der Redaktion und Danke für ihr großes Interesse!

    Redaktion

    Lieber Torsten Schwarz,

    wir bemühen uns so rasch es geht Hintergründe zum Nobelpreisträger Edwards zu liefern.

    Doch wie alle anderen, haben auch wir erst vor einer Stunde von seiner Auszeichnung erfahren. Mit Bitte um Nachsicht :)

    Gruß aus der Redaktion und Danke für ihr großes Interesse!

  3. man braucht auch jetzt nicht mehr diesen lästigen Sex. Und die Kinder kommen trotzdem.

  4. Redaktion

    Lieber Torsten Schwarz,

    wir bemühen uns so rasch es geht Hintergründe zum Nobelpreisträger Edwards zu liefern.

    Doch wie alle anderen, haben auch wir erst vor einer Stunde von seiner Auszeichnung erfahren. Mit Bitte um Nachsicht :)

    Gruß aus der Redaktion und Danke für ihr großes Interesse!

    Antwort auf "Ein bisschen wenig"
  5. hat Gattaca gezeigt, was für mögliche Probleme die künstliche Befruchtung geben könnte.
    Jedoch sollte man auch nicht vergessen, was für Möglichkeiten bzgl. der Lebenserwartung diese theoretisch mit sich bringt.
    Natürlich, der aktuell normale Weg sich fortzupflanzen ist der ursprünglich in der Natur des Menschen verankerte, aber hier besteht immer das Risiko, dass der entstandene Mensch eine genetisch bedingte Krankheit hat.

    • joG
    • 04.10.2010 um 13:47 Uhr

    ,,,,seien noch mehr Menschen?

    Antwort auf "Sehr gut!"
    • joG
    • 04.10.2010 um 13:56 Uhr

    ..."anderen ihr "Verständnis" und ihren "Glauben" bzgl. Ethik und Moral vorschreiben wollen" sind allenthalben zu Gange. Denken Sie doch an die Atomwerke, die Fanatiker schließen wollen oder die armen Frauen, die ihre Kopftücher nicht tragen dürfen. Oder an Sarrazin, der gefeuert wurde, weil er nicht sagen durfte, was er glaubt.

    Antwort auf

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