Der Engländer Robert Edwards entwickelte als erster eine Methode, um unfruchtbaren Paaren doch den Kinderwunsch zu erfüllen. Dafür erhält der 85-jährige Forscher nun den Medizinnobelpreis. Die Nobeljury würdigte Edwards Arbeiten in der Grundlagenforschung als "Meilenstein der modernen Medizin". Bis heute erblickten rund vier Millionen Menschen die Welt, deren Mütter sich haben künstlich befruchten lassen. 

Das Nobelkomitee erklärte, dass Edwards derzeit gesundheitlich angeschlagen sei. Seine Frau habe ihm die frohe Botschaft mitgeteilt und sagte, dass er "entzückt" sei. Der Mediziner habe es geschafft, Unfruchtbarkeit zu behandeln. Mehr als zehn Prozent aller Elternpaare auf der Welt leiden darunter.

Bereits früh in den 1950er Jahren erkannte der Brite die Bedeutung der In-vitro-Fertilisation für den Menschen. Schließlich gelang es ihm, eine menschliche Eizelle im Labor in der Kulturschale zu befruchten. Seine Anstrengungen wurden 1978 belohnt:  Am 25. Juli wurde das erste Baby aus der Retorte geboren . Die Daily Mail in Großbritannien titelte "The Lovely Louise". Die Zeitung hatte die medizinische Sensation mit rund 600.000 Euro gesponsert und die Rechte an der Geschichte erhalten.

Zusammen mit dem Gynäkologen Patrick Steptoe präsentierte Edwards das erste Baby aus dem Reagenzglas der Welt. Und schon damals ernteten die beiden nicht nur Jubel über die medizinische Leistung : Auch Entsetzen kam zum Ausdruck. Schließlich stellte sich die Frage, ob Forscher den Zeugungsakt manipulieren dürften. Deutsche Kirchenvertreter und Strafrechtler  forderten, das Verfahren sofort zu verbieten. Die Biomedizin, schrieb der Spiegel angesichts der Geburt von Louise Brown, schicke sich an, "den Menschen einem alchimistischen Experiment zwischen Hoffnung und Horror" zu überantworten.

Heute ist die Furcht vor den Frankensteins gewichen. Die künstliche Befruchtung reifte zur medizinischen Routine, das Menschenexperiment gelang. Obwohl Steptoe und Edwards ihr Verfahren niemals an Säugetieren zuvor getestet hatten. Anfangs war nicht einmal klar, ob es Folgen für den Embryo habe, wenn er mit Hilfe von Pipette, Petrischale und Brutschrank zur Welt komme.

Doch 32 Jahre nach Louise sind keine Langzeitschäden der Retortenkinder bekannt. Sie leben so auffällig unauffällig unter uns, dass ihre Herkunft keine Rolle mehr spielt.

Wie die Medizinpioniere Robert Edwards und sein verstorbener Partner Patrick Steptoe Medizingeschichte schrieben, lesen Sie hier .