Aids-Prävention Eine Pille gegen die Ansteckung mit HIV

Eine Studie zeigt: Die Einnahme von Truvada senkt das Risiko einer Infektion mit dem Erreger der Immunschwäche. Für Entwicklungsländer wäre das Mittel zu teuer.

Das Medikament mit dem Handelsnamen Truvada wird derzeit in der Aids-Therapie eingesetzt

Das Medikament mit dem Handelsnamen Truvada wird derzeit in der Aids-Therapie eingesetzt

Jeden Tag infizieren sich weltweit schätzungsweise 7000 Menschen mit HIV, dem Erreger der Immunschwäche Aids. Versuche, dem Virus durch Vorbeugung Einhalt zu gebieten, waren bisher kaum von Erfolg gekrönt. Umso ermutigender erscheint das Ergebnis einer internationalen Studie: Darin zeigte sich, dass das Infektionsrisiko schwuler Männer um 44 Prozent sank, die ein Mittel mit dem Wirkstoff Tenofovir einnahmen. Nahmen sie das Mittel wie vorgeschrieben regelmäßig, verringerte sich die Ansteckungsgefahr sogar um mehr als 70 Prozent. Das Mittel ist unter dem Handelsnamen Truvada bereits auf dem Markt und wird in der Aids-Therapie eingesetzt.

Bereits vor einigen Monaten hatte eine Untersuchung ergeben, dass Frauen, die beim Geschlechtsverkehr ein Vaginalgel mit dem Wirkstoff Tenofovir benutzen, die Ansteckungsgefahr um bis zu 54 Prozent vermindern. Das nun getestete Truvada enthält neben dem Wirkstoff Emtricitabin ebenfalls Tenofovir. "Wenn man alle Vorbeugungsmaßnahmen zusammennimmt, dann kommt fast schon der Anfang vom Ende der Epidemie in Sicht", kommentierte Cornelius Baker, Aids-Berater des amerikanischen Präsidenten.

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An der im Fachblatt New England Journal of Medicine online veröffentlichten 14-monatigen Studie nahmen 2499 Männer und transsexuelle Frauen aus Nord- und Südamerika, Südafrika und Thailand teil. Alle gaben an, Sex mit Männern zu haben. Die eine Hälfte der Teilnehmer sollte täglich eine Tablette Truvada einnehmen, die andere bekam ein wirkstofffreies Scheinmedikament, ein Placebo. Alle Versuchspersonen wurden gründlich geschult und regelmäßig untersucht und bekamen Kondome zur Verfügung gestellt. Gegen Ende der Studie waren in der Truvada-Gruppe 36 HIV-Infektionen aufgetreten, in der Placebo-Gruppe dagegen 64.

Dabei muss man berücksichtigen, dass viele Teilnehmer das Mittel nur sporadisch einnahmen. Selbst bei den Männern, die HIV-frei blieben, wurde Truvada nur zu 51 Prozent im Blut nachgewiesen. Wer sich mit dem Aids-Virus infizierte, bei dem war das Mittel nur in neun Prozent der Fälle nachweisbar.

Die vorbeugende Einnahme von Medikamenten gegen Krankheitserreger hat sich im Prinzip bewährt, etwa vor Operationen oder der Reise in malariaverseuchte Gebiete. Auch die Übertragung des Aids-Virus von der Mutter auf das ungeborene Kind kann durch Medikamente fast immer verhindert werden. Aber die geringe Neigung der Studienteilnehmer, ihr Medikament auch tatsächlich täglich einzunehmen, deutet darauf hin, dass Theorie und Praxis der Aids-Vorbeugung gelegentlich weit auseinander liegen.

Wenn die Teilnehmer Truvada häufiger eingenommen hätten, wären möglicherweise auch Nebenwirkungen wie eine vorübergehende Nierenschwäche schwerwiegender gewesen, gibt Nelson Michael zu bedenken, Virusforscher am Walter-Reed-Armeeforschungsinstitut in Rockville . Auch sei nicht auszuschließen, dass der Erreger resistent werde. Zudem sei nicht geklärt, welchen Effekt die Einnahme des Medikaments auf den Gebrauch von Kondomen habe.

Leser-Kommentare
  1. Unglaublich, dass Menschen im Namen der Wissenschaft dazu bereit sind sich mit HIV zu infizieren. Hab ich da was verpasst? Ist HIV zum harmlosen Schnupfen degradiert worden?

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    Die haben das sicherlich nicht vorsätzlich getan.

    Redaktion

    Lieber Leser,

    Sie haben Recht, dass solche Studien nicht einfach sind, aber es ist natürlich nicht so, dass Versuchspersonen sich absichtlich für die Wissenschaft dem Risiko aussetzen, HIV zu bekommen.

    Vielmehr kann man für eine bestimmte Gruppe von Menschen das allgemeine Risiko, sich mit HIV zu infizieren, ausrechnen. Einige davon praktizieren Safer Sex, andere nicht. Oder sie verhalten sich inkonsequent und nutzen mal Kondome, mal nicht. So wie in der Realität, sonst würde sich ja kaum jemand infizieren und man bräuchte keine solchen Medikamente.

    Gibt man nun einer recht großen Anzahl von Leuten für die Studie das Medikament und einer anderen Gruppe ein Placebo, kann man errechnen, ob sich das ohnehin bestehende Ansteckungsrisiko verringert hat – davon ausgehend, dass das übliche Sexualverhalten gleich geblieben ist. Um aber nicht zu provozieren, dass das Medikament (oder der Placebo) die Menschen verleitet, auf andere Präventionsmaßnahmen zu verzichten, wurden sie in dem oben genannten Beispiel über alle Risiken aufgeklärt. Und ihnen wurden Kondome zur Verfügung gestellt.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    Die haben das sicherlich nicht vorsätzlich getan.

    Redaktion

    Lieber Leser,

    Sie haben Recht, dass solche Studien nicht einfach sind, aber es ist natürlich nicht so, dass Versuchspersonen sich absichtlich für die Wissenschaft dem Risiko aussetzen, HIV zu bekommen.

    Vielmehr kann man für eine bestimmte Gruppe von Menschen das allgemeine Risiko, sich mit HIV zu infizieren, ausrechnen. Einige davon praktizieren Safer Sex, andere nicht. Oder sie verhalten sich inkonsequent und nutzen mal Kondome, mal nicht. So wie in der Realität, sonst würde sich ja kaum jemand infizieren und man bräuchte keine solchen Medikamente.

    Gibt man nun einer recht großen Anzahl von Leuten für die Studie das Medikament und einer anderen Gruppe ein Placebo, kann man errechnen, ob sich das ohnehin bestehende Ansteckungsrisiko verringert hat – davon ausgehend, dass das übliche Sexualverhalten gleich geblieben ist. Um aber nicht zu provozieren, dass das Medikament (oder der Placebo) die Menschen verleitet, auf andere Präventionsmaßnahmen zu verzichten, wurden sie in dem oben genannten Beispiel über alle Risiken aufgeklärt. Und ihnen wurden Kondome zur Verfügung gestellt.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

  2. Die haben das sicherlich nicht vorsätzlich getan.

    Antwort auf "Ich finde es"
  3. Redaktion

    Lieber Leser,

    Sie haben Recht, dass solche Studien nicht einfach sind, aber es ist natürlich nicht so, dass Versuchspersonen sich absichtlich für die Wissenschaft dem Risiko aussetzen, HIV zu bekommen.

    Vielmehr kann man für eine bestimmte Gruppe von Menschen das allgemeine Risiko, sich mit HIV zu infizieren, ausrechnen. Einige davon praktizieren Safer Sex, andere nicht. Oder sie verhalten sich inkonsequent und nutzen mal Kondome, mal nicht. So wie in der Realität, sonst würde sich ja kaum jemand infizieren und man bräuchte keine solchen Medikamente.

    Gibt man nun einer recht großen Anzahl von Leuten für die Studie das Medikament und einer anderen Gruppe ein Placebo, kann man errechnen, ob sich das ohnehin bestehende Ansteckungsrisiko verringert hat – davon ausgehend, dass das übliche Sexualverhalten gleich geblieben ist. Um aber nicht zu provozieren, dass das Medikament (oder der Placebo) die Menschen verleitet, auf andere Präventionsmaßnahmen zu verzichten, wurden sie in dem oben genannten Beispiel über alle Risiken aufgeklärt. Und ihnen wurden Kondome zur Verfügung gestellt.

    Viele Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

    Antwort auf "Ich finde es"
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    Eine veringerte Ansteckungsrate von fast 50 %, lässt sich auch ohne Placebogruppe herleiten!

    Eine veringerte Ansteckungsrate von fast 50 %, lässt sich auch ohne Placebogruppe herleiten!

  4. "Die tägliche Einnahme einer Pille könnte auch dazu geführt haben, dass sich die Versuchspersonen täglich das erhebliche Risiko vor Augen gehalten haben." Könnte so sein, ist aber eher unwahrscheinlich.
    Nach meiner Menschenkenntnis war es wohl eher so, das bei den Probanden bei jeder Untersuchung das Thema ADIS zur Sprache kam und somit kaum noch verdrängt werden konnte. Wenn man diesen Menschen also wirklich helfen wollte, müsste man die Abgabe genau so begleiten wie es bei den Tests gelaufen ist, aber DAS wäre wohl mit erheblich mehr Aufwand verbunden als der blosse Vertrieb dieses "Mittelchens".

  5. Mal wieder werden Sachverhalte verkürzt dargestellt.

    Was ist beispielsweise mit den zu Verfügung gestellten Kondomen...

    Was ist mit verschiedenen Kofaktoren (allgemeine schlechte Gesundheit, schlechte Ernährung, Drogen, etc.)?

    Was ist mit den nur kurz angesprochenden Nebenwirkungen?
    Die Wirkstoffe sind schließlich nicht ohne! Es wäre nicht unwahrscheinlich, dass die in der Langzeittherapie mehr schaden als nutzen...

    Infos hier:
    http://www.zct-berlin.de/...

    http://www.zct-berlin.de/...

    Ich gebe zu, dass Wissenschaft für (interessierte) Laien nicht einfach zu verstehen ist. Aber guter Wissenschaftsjurnalismus sollte beinhalten, dass nicht nur die immer so total bahnbrechend klingenden Abstracts der Paper gelesen werden oder vielleicht sogar nur andere Pressemitteilungen aufbereitet werden.

    Gerade bei HIV und AIDS liegt viel im Argen und keiner diskutiert das mal sachlich und kontrovers!

    • Talor
    • 25.11.2010 um 13:55 Uhr
    7. wozu?

    ..oder man benutzt einfach Kondome?

  6. wären tatsächlich eine Lösung.
    Aber meines Wissens gelten die zumindest in Afrika als
    unmännlich.

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