Masterstudium Uni Münster hat Studienplätze nicht rechtens vergeben

Eine Master-Bewerberin an der Uni Münster hatte gegen ihre Ablehnung geklagt. Das Verwaltungsgericht Münster gab ihr nun im Eilverfahren recht.

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Die Universität Münster muss eine abgelehnte Bewerberin für den Masterstudiengang BWL vorläufig zulassen. Das entschied das Verwaltungsgericht Münster im Eilverfahren. Die Vergabepraxis verstoße sehr wahrscheinlich gegen geltendes Recht. Die Bewerberin hatte ihr Diplom in Tourismuswirtschaft an einer anderen Hochschule mit "gut" abgeschlossen und war dann an der Hürde zum BWL-Master in Münster gescheitert.

Bei der Auswahl wandte die Uni ein zweistufiges Verfahren an. Die besondere Eignung und die Rangfolge der Bewerber wurden mittels eines Punktesystem festgestellt, bei dem bis zu 20 Punkte für die Noten des Abiturs, bis zu 40 Punkte nach der Qualität des erworbenen ersten akademischen Abschlusses (zumeist eines Bachelor-Abschlusses) und bis zu 40 Punkte nach sonstigen Qualifikationsmerkmalen vergeben wurden, wozu ein Motivationsschreiben gehörte.

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Die Richter stellten fest, in der ersten Verfahrensstufe könne nur auf die Qualität des ersten Abschlusses, auf den das Masterstudium aufbaue, abgestellt werden, nicht aber etwa auf Abiturnoten oder Motivationsschreiben. In der zweiten Stufe bestimme das Landesrecht, dass hier ebenfalls die Qualität des ersten Abschlusses den Ausschlag geben müsse. Auch dies sei mit dem angewandten Punktesystem nicht sichergestellt.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
    • kfmb
    • 23.11.2010 um 11:01 Uhr

    Hier trägt die Propaganda der Wissensgesellschaft neue Blüten. In gewisser Hinsicht sind die Akademiker an ihrer Niedriglohn-Lage mit Schuld. Die Hochschulrektorenkonferenz stimmte dem Vorgehen im Grunde ja zu. Aus ökonomischer Sicht ist die Verscherbelung der akademischen Abschlüsse ein Desaster (mal ganz abgesehen von den Konseauenzen für die Geisteskultur). Wenn immer mehr Menschen Abitur, Bachelor und Master, ja sogar einen Doktor machen können, ist der Markt logischerweise überschwemmt, die Abschlüsse als solche nichts mehr Wert. Es zählt dann die Tatsache, an welcher Uni studiert wurde, ob Elite oder nicht. Ich habe den Eindruck, dass die Entwicklungen in Deutschland mit Studiengebühren, Bologna und unterbezahlten Akademikern eine Konsequenz der Umbestimmung der Uni zur Massenuni ist. Was gut gemeint war, die Öffnung der Unis, unterliegt jetzt den Kausalitäten der Wirklichkeit. Wenn denn zumindest eine ausgewogene Politik gemacht würde, die auch die Einnahmeseite der Akademiker (nicht nur der Professoren, sondern vor allem des Mittelbaus) im Blick hält, würde zumindest eine Balance geschaffen werden.

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    • lepkeb
    • 23.11.2010 um 11:04 Uhr

    in D-land genau auf den Pkt..

    • lepkeb
    • 23.11.2010 um 11:04 Uhr

    in D-land genau auf den Pkt..

    • lepkeb
    • 23.11.2010 um 11:04 Uhr

    in D-land genau auf den Pkt..

    Antwort auf "Wissensgesellschaft"
  1. Also war an der Uni Münster der Willkür Tür und Tor geöffnet. Motivationsschreiben, die mittlerweile wahrscheinlich von einer neuentstandenen Motivationsschreibenindustrie ausgespuckt werden (gegen das entsprechende Kleingeld, versteht sich), und "Zusatzqualifikationen" (wohl Töchterchens Malta-Aufenthalt zum Englischlernen oder Behindertenanglotzen jeden ersten Sonntag im Monat ohne Entlohnung) entscheiden also, ob jemand qualifiziert ist, einen Masterabschluss zu bekommen. Der normale Student ohne die finaziellen Möglichkeiten beliebt immer mehr auf der Strecke und die bessere Klasse schafft ihren Nachwuchs mit 40%-Vorteil in den Masterstudiengang.

    • anin
    • 23.11.2010 um 13:57 Uhr

    Es wird höchste Zeit, dass wir auch noch die Vorschulzeit im Kindergarten benoten und in die "Masteraufnahmeprozedur" mit einfließen lassen. Weiterhin sollten wir die Noten aus Abitur nicht mit zwei sondern mit drei Nachkommastellen berechnen.

    Es wird erst dann Ruhe einkehren, wenn wir alle menschlichen Eigenschaften auf einer Excel-Tabellenzelle "verdichtet haben!

    PS: In Niedersachsen darf jetzt auch ohne Abitur, aber mit Gesellenbrief und nachgewiesener Berufstätigkeit studiert werden. In vielen Immatrikulationsämtern rauchen schon die Köpfe und es werden eifrig "Äquivalenzlisten" erstellt!

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    • nerams
    • 23.11.2010 um 17:20 Uhr

    Bevor geurteilt wird, sollte bedacht werden, dass damit die Bachelornote einziges Kriterium sein kann,ein einheitliches Bachelorsystem gewährleistet sein muss,das einen identischen Lehrstoff und Schwierigkeitsgrad aufweist.
    Wie kommt es nun,dass die durchschnittlichen Abschlussnoten für den BWL Bachelor bei Fachhochschulen meist um 2,1 liegt (Bsp:FH Köln:2,2),während ein Student an der Uni Münster mit einem Schnitt von 3,3 zum Durchschnitt gehört? Sind die Studierenden in Münster wirklich so viel dümmer oder gibt es hier andere Gründe?
    Allgemein gesprochen stellt sich an diesem Punkt also die Frage, ob die Studenten den Universitäten Mannheim, Köln und Münster wirklich auf dem selben Niveau einer FH Dortmund lernen. Als Folge dessen, dass namenhafte Universitäten ihre Master Studierenden nur nach den Bachelor Abschlussnoten ausgewählt haben, finden sich Professoren vor einer Masse Studenten wieder, die mit völlig unterschiedlichen Vorkenntnissen an die Universitäten kommen. Das ist nicht allein für die Dozenten eine große Last -auch Studierende sind aufgrund des neuen, höheren Niveaus völlig überfordert. Ist die Uni Münster also wirklich so böswillig wie o.g. oder versucht sie hier einfach nur das Münsteraner Niveau in einem homogenen Studierendenkreis zu halten? Es sei zusätzlich anzumerken, dass selbst ein überdurchschnittl.BA-Student der Uni Münster nach diesem neuen "gerechten" System keinen Masterplatz in Münster bekommen wird. Ist das nicht komisch?

  2. Ich finde es überhaupt nicht merkwürdig das sich alte institutionelle Einrichtungen wie die Universität Marburg dagegen wehren jeden "x" beliebigen Studenten aufzunehemen. Nur so kann man eine elitäre Auslese treffen. Es ist wahrscheinlich eine gute Idee nur Menschen zu zulassen die über einen akademischen Hintergrund verfügen, schließlich soll ja auch der ein oder andere Wirtschaftslenker und intellektuelle Vordenker aus den Universitäten kommen und das ist ja nicht möglich, wenn man nicht aus ordentlichen hochbürgerlichen Verhältnissen kommt. Vielleicht sollte man der Uni Marburg den Sarrazinorden verleihen, für den Erhalt hochwertigen genetischen Erbmaterials.

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