Weltaidstag Aids am Arbeitsplatz
Sollten HIV-Positive Kollegen von ihrer Krankheit erzählen? Der Grat zwischen mehr Toleranz und Diskriminierung ist schmal. Wie Betroffene damit umgehen.
© Oliver Berg/dpa

Eine Frau trägt eine Aids-Gedenkschleife
Kampagne "positiv zusammen leben" , die Gesundheitsministerium, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Deutsche Aidshilfe (DAH) und Deutsche Aids-Stiftung anlässlich des heutigen Weltaidstages aus der Taufe gehoben haben. Einer der Aspekte: HIV und Arbeitswelt.
"Verstecken ist nicht meine Art", sagt Dirk. Wäre das anders, dann hätte sich der 41-jährige Berliner Bankangestellte nicht schon eine Woche nach der für ihn niederschmetternden Diagnose "HIV-positiv" während eines Meetings in seiner Filiale geoutet. Und dann könnte man ihn wohl kaum auf einem Foto bewundern, das ihn im Kreis seiner Kollegen zeigt. Das Bild ist Teil der
Der HIV-positive Bankangestellte Dirk gehört nicht zu einer Minderheit: Zwei Drittel aller Infizierten sind erwerbstätig. Längst ist die HIV-Infektion zu einer chronischen Krankheit geworden, die viele Betroffene mit Medikamenten beherrschen. Rund 67.000 Menschen leben in Deutschland damit, "einer von 1000 Erwerbstätigen ist folglich HIV-positiv", rechnet Silke Eggers, Geschäftsführerin der DAH, vor. "Verbotene" Berufe gibt es dabei so gut wie keine: Nur Piloten dürfen nicht HIV-positiv sein, und Chirurgen, die invasive Tätigkeiten ausüben.
- Das Virus
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Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome) ist eine Viruserkrankung, die das Immunsystem des Menschen angreift und dauerhaft schwächt. Ausgelöst wird die Erkrankung durch das Virus HIV (Human immunodeficiency virus).
Vermutlich erreichte das Virus Deutschland erstmals Ende der siebziger Jahre. Erste Fälle wurden in den Achtzigern bekannt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkrankten seit dem Ausbruch der Epidemie in Deutschland rund 86.500 Menschen an HIV und 36.500 an Aids.
- In Deutschland
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In Deutschland leben derzeit rund 70.000 Menschen mit HIV oder Aids. Etwa 57.000 davon sind Männer, 13.000 Frauen. Der Anteil derer, die sich mit der Immunschwäche-Krankheit angesteckt haben, ist mit 42.000 Betroffenen unter homosexuellen Männern am größten. Im Jahr 2010 haben sich nach der aktuellen Schätzung des RKI 3000 Menschen neu mit HIV infiziert, ähnlich viele wie in den Vorjahren.
Seit dem Ausbruch der Krankheit sind in Deutschland bisher 29.000 Menschen an Aids gestorben, 550 davon in diesem Jahr. Jährlich am 1. Dezember findet der Weltaidstag statt, um auf die Vorbeugung durch Safer Sex aufmerksam zu machen und Betroffenen zu gedenken.
- In der Welt
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Im Weltaidsbericht der Vereinten Nationen wurden zuletzt 33,4 Millionen Menschen mit dem Virus erfasst – darunter 2,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren. 2009 haben sich 2,6 Millionen neu infiziert, 1,8 Millionen sind im gleichen Jahr an den Folgen der Krankheit gestorben. Die Zahl der Aids-Toten nimmt vor allem dort ab, wo durch Hilfsprogramme Medikamente zur Verfügung stehen. Sie können das Leben HIV-Infizierter deutlich verlängern. Eine Heilung gibt es bis heute aber nicht.
Das am schlimmsten betroffene Gebiet ist nach wie vor Afrika. Allein südlich der Sahara infizierten sich im Jahr 2009 1,8 Millionen Menschen.
Ansonsten ist heute klar: Auch in der Gastronomie oder im Kindergarten kann man mit HIV arbeiten, ohne andere Menschen zu gefährden. Bei Stellenbesetzungen spiele eine Infektion mit dem Erreger der Immunschwäche keine Rolle, es komme allein auf die Qualifikation an, befand auch die überwiegende Mehrheit der 20 Unternehmer, die im letzten Jahr auf eine Umfrage der DAH geantwortet haben.
Rein rechtlich ist ohnehin kein Arbeitnehmer verpflichtet, dem Arbeitgeber von der Infektion Mitteilung zu machen. Sollte man es trotzdem tun? Sie könne kein Patentrezept dafür liefern, wie es richtig sei, meint Eggers. Auch wenn aus den Betrieben bei Befragungen "sozial erwünschte" und "politisch korrekte" Antworten kommen und HIV kein Kündigungsgrund ist, sind negative Folgen nicht auszuschließen. "Gerade die Gewerkschaften haben Angst, dass es zu Diskriminierungen führt, wenn jemand sich als HIV-positiv outet", sagt der Sozialwissenschaftler Christian Kranich. Er ist Leiter der Abteilung "HIV und Arbeit" bei der Aidshilfe München und hat vor kurzem in qualitativen Interviews mit zehn HIV-positiven Arbeitnehmern ermittelt, was sie von Offenheit am Arbeitsplatz in dieser Frage halten. Vor allem Frauen hätten Angst davor, skeptisch wahrgenommen zu werden, weil bei ihnen jeder gleich an Drogenabhängigkeit denke, sagt Kranich.
Die 35-jährige Yvette, selbstständig im kreativen Bereich, hat es den Menschen anvertraut, die beruflich eng mit ihr zusammenarbeiten. Nicht alle müssten von der Infektion wissen, die "nur ein Teil meines Lebens ist", so sagt sie. Zum vollständigen Bild würde dann gehören, dass sie als 20-Jährige von mehreren Männern im Park vergewaltigt wurde. Kurze Zeit darauf kam die Antiretrovirale Therapie (ART), die die Viren in ihrem Fall ohne gravierende Nebenwirkungen in Schach hält. "Ich habe keine Angst mehr um mich, die Zeiten sind vorbei."
Die lebenslange Behandlung hat in manchen Fällen aber Durchfall, Übelkeit oder Schlappheit zur Folge. "Trotzdem will man im Beruf nicht schlechter sein als andere, man kompensiert eben, indem man die Freizeit zur Erholung nutzt", sagt Banker Dirk. Das ist bei Arbeitnehmern mit Diabetes oder Depressionen nicht unbedingt anders. "Chronische Erkrankungen sind für jeden Betrieb ein Thema", sagt Sozialwissenschaftler Kranich. "Sobald die Aspekte Sex, Ansteckung und Tod rausgenommen werden, ist auch HIV eine völlig unaufregende Krankheit."
Es gebe andere chronische Erkrankungen von Mitarbeitern, die für den Arbeitgeber weitaus gravierendere Folgen hätten, meint auch Axel, leitender Angestellter eines großen Konzerns. Er hat sich das Retrovirus bei einer Bluttransfusion in der Karibik geholt – und in der Firma zwei Jahre lang nichts davon gesagt. Als er bei einem Meeting zusammenbrach, war er gezwungen, zu sprechen. Und hat beste Erfahrungen damit gemacht. "Mein Arbeitgeber hat sogar sichergestellt, dass in allen Niederlassungen des Konzerns meine Medikamente liegen."
Auch Dirk wird jeden Tag pünktlich um 10 Uhr von seinen Kollegen daran erinnert, dass er die Tabletten nehmen muss. An dem Vormittag, als er das Meeting nutzte, um von der HIV-Infektion zu berichten, hat die Filiale seiner Bank eine halbe Stunde später geöffnet. Dirk musste erst seine Kollegen trösten.
- Datum 01.12.2010 - 09:48 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Was für ein Wunschtraum, den Sie da in Ihrem Artikel beschreiben. HIV ist kein Grund, nicht eingestellt zu werden? Das gilt vielleicht für die Berufe in der freien Wirtschaft, aber versuchen Sie mal sich bei einer Behörde, vor allem der Polizei, zu bewerben. Wer dort nicht seine komplette medizinische Geschichte angibt, läuft Gefahr, rauszufliegen, sollte später etwas ans Licht kommen. Wer hingegen alles angibt, der wird garantiert wegen solcher Krankheiten wie HIV oder auch Depression rausgefiltert.
HIV/AIDS ist nach wie vor ein riesen Problem, insbesondere im südlichen Afrika. Man muss sich wirklich vor Augen halten, dass über 5,7 Mio. Menschen von ca. 50 Mio. Einwohnern alleine in Südafrika mit dem HI-Virus infiziert sind!!! Siehe:
http://2010sdafrika.wordp...
[...]
Bitte unterlassen Sie diskriminierende Beiträge. Danke. Die Redaktion/er
keine Ahnung wie ich ragieren würde.
Aber in gewissen risiko Berufen sollte das Outing pflicht sein.Wie z.B. Feuerwehr,Alle Bauberufe etc.
"Ansonsten ist heute klar: Auch in der Gastronomie oder im Kindergarten kann man mit HIV arbeiten, ohne andere Menschen zu gefährden. Bei Stellenbesetzungen spiele eine Infektion mit dem Erreger der Immunschwäche keine Rolle, es komme allein auf die Qualifikation an..."
Was für Unternehmen wurden denn da befragt?
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