Da ist sie wieder, die unbequeme Debatte über Leben und Tod, über Gentests an Zellhäufchen, aus denen heraus jeder von uns einst entstanden ist. Es geht um die Frage, was Paare dürfen, die schwere Defekte in ihren Genen tragen. Sie müssen damit rechnen, ein schwerstbehindertes oder nicht lebensfähiges Kind zu bekommen. Eine künstliche Befruchtung mit einem Gencheck der Embryonen kann helfen – doch die Präimplantationsdiagnostik, kurz PID, soll in Deutschland nach dem Willen der CDU verboten werden.

Dabei berufen sich die PID-Gegner auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde. Doch wie steht es um die Würde eines Ungeborenen, das nicht mehr nur aus Zellen besteht, sondern bereits Ärmchen, Beinchen, Kopf und Körper entwickelt hat? Es darf nach geltendem Recht bis zum dritten Monat abgetrieben werden. Und in Notsituationen – etwa bei schweren Behinderungen – sogar bis kurz vor der Geburt. Die PID hingegen ist nach dem veralteten Embryonenschutzgesetz von 1990 nicht geregelt. Ein Widerspruch, für den die CDU nun auf ihrem Parteitag gestimmt hat – mit knapper Mehrheit und unter heftigen Diskussionen .

Für Paare, die Erbschäden an ihre Kinder weitergeben würden, heißt das: Schwangerschaften auf Probe. Dabei wird in Kauf genommen, dass Mütter zahlreiche Fehlgeburten erleiden oder vor die Wahl gestellt werden, ob sie ihr schwerbehindertes Ungeborenes töten lassen sollen. Dieses unermessliche Leid, an dem viele Paare zerbrechen, kann eine Selektion von Embryonen am Beginn des Lebens verhindern. In der Petrischale wird gesundes Leben ausgewählt, um vorhersehbares Leid auszuschließen. Das ist nicht unchristlich, sondern zutiefst barmherzig.

Wer einen umfassenden Embryonenschutz fordert, müsste im gleichen Atemzug die Abtreibung grundsätzlich unter Strafe stellen. Und auch das Eugenik-Argument, bei der Auswahl von Embryonen werde Gott gespielt, um Designerbabys zu schaffen, ist purer Alarmismus. Denn es geht nicht um Nachwuchs auf Bestellung. Die PID ist keine Methode für die Massen, sie verhindert Leid in Einzelfällen .

Die Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung mit zusätzlichem Gencheck liegt heute bei 10 bis 20 Prozent. Nicht mehr als 200 Fälle jedes Jahr erwarten Experten in Deutschland. Das zeigt die Erfahrung unserer europäischen Nachbarn, in denen die teure und umständliche Methode erlaubt ist.

Kein Gesetz kann und darf regeln, was wertes oder unwertes Leben ist. Am Ende kann die Gesellschaft betroffenen Paaren die schwere Entscheidung nicht abnehmen, wie viel Leid ihnen und ihrem Kind zumutbar ist. Das Abtreibungsrecht berücksichtigt das. Eine Regelung zur PID sollte das auch.