ArchäologieDas Rätsel der Schriftrollen vom Toten Meer

Woher stammen die Qumran-Manuskripte? Forscher gingen der Frage nach und fügten das Puzzle mit Hilfe moderner Analyseverfahren zusammen. von Jan Oberländer

Fragmente der Schriftrollen von Qumran, Totes Meer

Fragmente der Schriftrollen von Qumran, Totes Meer  |  © NORMAND BLOUIN/AFP/Getty Images

"Das Geheimnis um die Schriftrollen vom Toten Meer kann gelüftet werden" – die Ankündigung der Berliner Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) klingt ein bisschen nach Indiana Jones, nach alten Mythen und neuen Offenbarungen. Schließlich zählen die 2000 Jahre alten Pergamente aus Ziegenleder zu den bedeutenden Kulturgütern der Menschheit.

Die in mehr als 17.000 Fragmente zerfetzten Rollen geben den Forschern noch immer Rätsel auf, wenn auch nicht auf der theologischen Ebene – die biblischen Texte in hebräischer, aramäischer und griechischer Schrift sind längst transkribiert. Unklar ist allerdings, wo genau die insgesamt 850 Rollen entstanden sind. Zudem können viele der Fragmente den einzelnen Dokumenten nicht zugeordnet werden. Bis jetzt.

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Qumran-Manuskripte

Die Qumran-Schriftrollen gehören zu den ältesten handschriftlichen Bibelschriften. Sie sind nach ihrem Fundort Khibet Qumran benannt. Die auf Pergament, Papyrus und gegerbtem Leder geschriebenen Manuskripte sind sehr empfindlich. Sie werden in speziellen Vitrinen und Dunkelkammern aufbewahrt. Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden ständig überprüft.

Ein jugendlicher Beduinen-Hirte hatte 1947 in einer Höhle nahe der Ruinen-Stätte Qumran am Toten Meer durch Zufall die ersten antiken Manuskripte in einem Tonkrug aufgestöbert. Die Schatzsuche ging weiter. Bis 1956 kamen aus elf Höhlen 30.000 Fragmente von 900 Schriftrollen ans Licht. Die älteste stammt aus dem dritten Jahrhundert vor Christus.
 

Digitalbilder

Die israelische Altertumsbehörde und der Internetkonzern Google digitalisieren gemeinsam die antiken Qumran-Schriftrollen. Sie wollen die rund 30.000 Fragmente der antiken Dokumente vom Toten Meer für das Internet aufbereiten. Die Texte werden transkribiert, übersetzt und mit Literaturhinweisen versehen.

Die teilweise mehr als 2000 Jahre alten Schriftrollen werden mit einer speziellen Technik abgelichtet. Jede Rolle wird in elf verschiedenen Wellenlängen aufgenommen – aus dem sichtbaren und dem Infrarot-Spektrum. Viele der Stellen, die besonders dunkel sind, oder an denen die Tinte beschädigt ist, sollen dadurch wieder lesbar sein. Im Frühjahr 2011 startet das Projekt. Die Rollen wurden bisher nur einmal in den 1950er Jahren vollständig fotografiert.

Koordiniert von der BAM hat ein internationales Team aus 50 Wissenschaftlern Verfahren entwickelt, mittels derer die Herkunft der Rollen bestimmt werden kann – und sich das große Puzzle vielleicht eines Tages lösen lässt. Dies teilten Arbeitsgruppenleiter Oliver Hahn und seine Kollegin Ira Rabin vom Israelischen Nationalmuseum mit. Die Forscher gingen hierbei nicht vom Inhalt der Texte aus, sondern vom Material der Rollen. In einem dreijährigen Forschungsvorhaben untersuchten Wissenschaftler aus sieben Ländern Pergament- und Lederproben. Die einzelnen Methoden waren dabei nicht neu, sagt Hahn im Gespräch.

Qumran, Israel

Leserkommentare
    • walex
    • 16. November 2010 21:47 Uhr

    Das war der wichtigste Fund der ganzen Geschichte!!!
    Durch die Qumranfunde kann niemand mehr sagen, dass die Bibeltexte im Laufe der Jahre sich verändert haben.
    Gott hat den perfekten Zeitpunkt ausgewählt (1947), um die Funde ans Licht zu bringen.
    Da soll nochmal ein Kritiker sagen, die Bibel sei verfälscht. Hier sehen wir wissenschaftlich die Genauigkeit der Bibel.

    Wer es nicht glauben kann, der soll selbst nachforschen!

    Johannes 3,16

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    Das ist natürlich Unsinn - oder genauer gesagt, eine manipulative Falschaussage, geprägt von religiöser Eiferei und Unwissenheit, als unserer modernen Zeit, unserer Wissenschaft und vorallem der Aufklärung nicht würdig.
    Zunächst einmal behandeln die Schriftrollen vom Toten Meer das Alte Testament, welches weitestgehend mit den jüdischen Schriftsätzen übereinstimmt. An deren verhältnismässig unveränderten Inhalten zweifelt im Grunde niemand, da dieses ja bereits durch andere Funde belegt wurde. Inhaltlich sind die Schriftrollen von Qumran also nur weitere Abschriften, von denen es damals eine Vielzahl gab. Das diese Abschriften inhaltlich genau erfolgten, wird von niemandem wirklich bezweifelt.
    Aber das sagt absolut nichts über die Richtigkeit der religiösen Behauptungen oder gar über das Christentum aus. Es sind einfach über jahrtausende entstandene Texte, die sich bereits in verschiedenen vorchristlichen Religionen entwickelt haben. Und irgendwelche göttliche Beweise enthalten sich natürlich auch nicht - wie sollten sie auch, es sind religiöse Texte.
    Was hingegen von der christlichen Kirche immer nachgebessert, verändert, der geistigen Unterwerfung der Menschen angepasst wurde, ist das Neue Testament. Und das hat mit den Schriftrollen ja nichts zu tun.

  1. Ich hoffe, es gelingt den Forschern auf diesem naturwissenschaftlichen Wege, eine Art Stammbaum der Schriften zu erstellen. Dieser ließe sich dann mit dem vergleichen, den geisteswissenschftliche Forschung erstellt hat. Sowohl Übereinstimmungen als auch Widersprüche wären fruchtbar und ich bin gespannt, was auf diese Weise über die Entstehung der biblischen Texte ausgesagt werden kann.

  2. Das ist natürlich Unsinn - oder genauer gesagt, eine manipulative Falschaussage, geprägt von religiöser Eiferei und Unwissenheit, als unserer modernen Zeit, unserer Wissenschaft und vorallem der Aufklärung nicht würdig.
    Zunächst einmal behandeln die Schriftrollen vom Toten Meer das Alte Testament, welches weitestgehend mit den jüdischen Schriftsätzen übereinstimmt. An deren verhältnismässig unveränderten Inhalten zweifelt im Grunde niemand, da dieses ja bereits durch andere Funde belegt wurde. Inhaltlich sind die Schriftrollen von Qumran also nur weitere Abschriften, von denen es damals eine Vielzahl gab. Das diese Abschriften inhaltlich genau erfolgten, wird von niemandem wirklich bezweifelt.
    Aber das sagt absolut nichts über die Richtigkeit der religiösen Behauptungen oder gar über das Christentum aus. Es sind einfach über jahrtausende entstandene Texte, die sich bereits in verschiedenen vorchristlichen Religionen entwickelt haben. Und irgendwelche göttliche Beweise enthalten sich natürlich auch nicht - wie sollten sie auch, es sind religiöse Texte.
    Was hingegen von der christlichen Kirche immer nachgebessert, verändert, der geistigen Unterwerfung der Menschen angepasst wurde, ist das Neue Testament. Und das hat mit den Schriftrollen ja nichts zu tun.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Gott sei Dank!"
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    Sie schreiben:"Das ist natürlich Unsinn - oder genauer gesagt, eine manipulative Falschaussage, geprägt von religiöser Eiferei und Unwissenheit, als unserer modernen Zeit, unserer Wissenschaft und vorallem der Aufklärung nicht würdig."

    Ihre ganze Analyse ist völlig korrekt!Dennoch sind diese Aussagen nicht nur geprägt von wie Sie sagen"religiöser Eiferei und Unwissenheit" sondern auch von großer Sehnsucht..Durch Wunschdenken kommt es zu Projektionen und Hineininterpretieren..bitte bedenken Sie,wie gerne diese Menschen einen Beweis hätten no matter wie winzig oder weithergeholt er auch sei.

    Bitte belegen Sie ihre Behauptung, dass das Neue Testament ständig nachgebessert wurde.
    Ich würde eher das Gegenteil vermuten, da dieselbe Geschichte in unterschiedlichen Varianten berichtet wird. Eine von oben gesteuerte Textkorrektur hätte solche Widersprüche doch aufgelöst, oder?

  3. Sie schreiben:"Das ist natürlich Unsinn - oder genauer gesagt, eine manipulative Falschaussage, geprägt von religiöser Eiferei und Unwissenheit, als unserer modernen Zeit, unserer Wissenschaft und vorallem der Aufklärung nicht würdig."

    Ihre ganze Analyse ist völlig korrekt!Dennoch sind diese Aussagen nicht nur geprägt von wie Sie sagen"religiöser Eiferei und Unwissenheit" sondern auch von großer Sehnsucht..Durch Wunschdenken kommt es zu Projektionen und Hineininterpretieren..bitte bedenken Sie,wie gerne diese Menschen einen Beweis hätten no matter wie winzig oder weithergeholt er auch sei.

  4. Bitte belegen Sie ihre Behauptung, dass das Neue Testament ständig nachgebessert wurde.
    Ich würde eher das Gegenteil vermuten, da dieselbe Geschichte in unterschiedlichen Varianten berichtet wird. Eine von oben gesteuerte Textkorrektur hätte solche Widersprüche doch aufgelöst, oder?

  5. Alle kulturellen Ereignisse auf der Erde sind von Menschen erdacht und gemacht. Wichtig ist für mich die Aussagekraft einer Schrift. Auch bei den Märchen der Gebrüder Grimm verändert sich an ihrem Gehalt gar nichts, wenn ihre Quellen genau bekannt sind. Wenn tatsächlich ein außerirdisches Wesen den Menschen etwas diktiert haben soll, das allmächtig ist, dann hätte dieses außerirdische Wesen seine Ideen wohl besser schützen können.

    • walex
    • 17. November 2010 13:15 Uhr

    Ich weiß schon, dass es hebräische Texte des AT waren.
    Aber trotzdem zeigt das mir, dass ich mich auf die Bibel verlassen kann.
    Wie belegt man folgende Aussage: "Was hingegen von der christlichen Kirche immer nachgebessert, verändert, der geistigen Unterwerfung der Menschen angepasst wurde, ist das Neue Testament. Und das hat mit den Schriftrollen ja nichts zu tun."

    Kann das irgendwie nachgewiesen werden?
    Warum sollten die Kirchen die Bibel verändern, wenn sie doch selbst die Aussagen der Bibel nicht wirklich einhalten?
    Die Bibel ist Mittelpunkt des christlichen Glaubens an Jesus und hat mit der Kirche erst in Folge dessen einen Zusammenhang.

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    Hallo Walex,

    "Aber trotzdem zeigt das mir, dass ich mich auf die Bibel verlassen kann"

    macht genauso viel Sinn wie zu sagen, dass man sich auf Schneewittchen und die 7 Zwerge verlassen kann. Wie zuvor schon klargestellt: Ein Märchen wird dadurch nicht wahrer, dass man seine Urform kennt.

    Praktisch alle Bibelforscher sind sich nämlich auch darin einig, dass die Evangelienberichte über Jesus erst Jahrzehnte nach dessen Tod geschrieben wurden, also vermutlich nicht viel mit der Wahrheit zu tun haben.

    • 6bb6
    • 17. November 2010 15:17 Uhr

    Die Texte wurden in den Jahren 1947 bis 1956 entdeckt.
    Die Quersumme beider Jahreszahlen ist 21 (1 9 4 7=21, 1 9 5 6=21), so eine Übereinstimmung ist extrem selten!

    21 ist das Produkt aus allen guten Dingen und den Tagen der Schöpfung (3*7=21)!

    Und jetzt kommts: 21 21=42 und damit die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest!

    Wenn damit Gott nicht bewiesen ist, dann weiß ich auch nicht ... ;-)

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    man kann dran glauben oder auch nicht!
    Ich bin uebrigens katholisch.
    Fakt ist dass sich die Christen sehr ernst bemueht haben,
    die Schrift in ihrem Ursprung zu bewahren, auch dort wo sie
    widerspruechlich erscheint.
    Aber glauben muss jeder selbst (oder auch nicht!)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
  • Schlagworte Teilchenbeschleuniger | Indiana | Totes Meer | Westjordanland
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