Strahlender Blick und dunkle Augenringe – bei frischgebackenen Eltern muss das kein Widerspruch sein, verbringen sie die Nächte doch nur selten schlafend im eigenen Bett. Halten die nächtlichen Turbulenzen über die ersten Lebensmonate hinaus an, kann der Kinderschlaf schnell zum familiären Reizthema werden.

Für Wissenschaftler ist das Thema hingegen reizvoll, wie sich kürzlich auf einer Tagung von Schlafmedizinern in Bremen zeigte. Schlummert sich der Mensch doch beim Heranwachsen durch ein Spektrum von Schlafmustern, was den Reifezustand des Gehirns widerspiegelt.

Junge Säuglinge etwa gleichen lange Wachzeiten nicht durch besonders tiefen Schlaf aus, wie es ältere tun würden. Die ganz Kleinen also wach zu halten, um anschließend eine lange Ruhepause zu erhalten, funktioniert nicht. Das zunächst noch chaotische Schlafmuster des Neugeborenen bekommt erst ab etwa dem 4. Lebensmonat eine erkennbare Struktur, die zunächst vom REM-Schlaf dominiert wird.

Neugeborene verbringen etwa 70 Prozent in diesem, durch rasche Augenbewegungen gekennzeichneten, "Traumschlaf". Während der REM-Schlaf dann abnimmt, steigen die Anteile, die das Kind im Tiefschlaf verbringt von den ersten Lebensmonaten bis zu einem Maximum kurz vor der Pubertät an.

Kleine Kinder schlafen oft sehr tief. Für den Tiefschlaf typisch sind die im Schlaflabor mit der Elektroenzephalografie (EEG) gemessenen langsamen Hirnstromwellen. Sie entstehen, weil sich in dieser Schlafphase große Gruppen von Nervenzellen im Gehirn verbünden und gleichmäßig elektrische Impulse aussenden.

Diese Gleichschaltung funktioniert dabei offenbar umso besser, je stärker die einzelnen Nervenzellen miteinander über Kontaktstellen, die Synapsen, verbunden sind. Ein Zustand, der besonders zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr erreicht wird, wenn die Verbindungsdichte zwischen den Nervenzellen dramatisch ansteigt. Nach der Pubertät wird diese starke Vernetzung wieder etwas herunterreguliert, was am Kurvenverlauf im EEG sichtbar gemacht werden kann.

Doch auch ohne Schlaflabor wissen Eltern, was sich bei ihren Sprösslingen nach und nach ändert. Das Kind schläft nachts mehr am Stück und spätestens nach der Kindergartenzeit tagsüber meist gar nicht mehr. Bis ins Schulalter hinein hat der kleine Mensch mehr Zeit im Schlaf als im Wachzustand verbracht.

Doch die Schlafdauer sinkt, von 14 bis 18 Stunden bei Neugeborenen bis auf durchschnittlich acht Stunden beim jungen Erwachsenen. Warum allerdings die Jüngeren mehr Schlaf bräuchten als die Großen, ließe sich nur mutmaßen, da die Wissenschaft noch gar nicht beantworten könne, warum wir eigentlich schlafen, sagt Oskar Jenni vom Zentrum für Schlafmedizin am Kinderspital Zürich.

Eines steht fest: der Mensch muss schlafen. Versuche, Wachrekorde zu brechen, endeten meist mit Zusammenbrüchen und Psychosen. Es gibt einleuchtende Erklärungsversuche: schlafen zur körperlichen Erholung; schlafen, weil unsere Sinne nachts nur eingeschränkt funktionieren und schlafen als wichtiger Faktor bei Gedächtnisbildung und Lernen. Da Kinder noch viel lernten und die Gehirnentwicklung im vollen Gange sei, müssten sie auch viel schlafen, so eine populäre Erklärung, die jedoch wissenschaftlich kaum untersucht sei, erklärt Jenni.

Rätselhafter Schlummer - Warum schlafen wir? Noch sind sich Forscher uneins, was den Schlaf auslöst. Der Biologe und Autor Peter Spork erzählt wie Theorien zum Schlaf sich im Laufe der Jahrtausende wandelten.