Luxus-Apartements im Schlamm: In Brisbane sind 30.000 Grundstücke bedroht © Torsten Blackwood/AFP/Getty Images

Schon einmal hat Australien mehr als andere Regionen unter einem globalen Umweltproblem zu leiden gehabt. Bevor das Ozonloch 1987 durch ein weltweites Abkommen, das Montreal-Protokoll, gebremst wurde, blieb den Australiern nur, sich mit viel Sonnencreme möglichst im Schatten aufzuhalten. Denn die durch das atmosphärische Ozon ungebremste ultraviolette Strahlung ließ die Zahl der Hautkrebserkrankungen sprunghaft steigen.

Auch der Klimawandel wird Australien besonders treffen. Der australische Ökonom Ross Garnaut , der 2008 einen umfassenden Bericht über die Vorteile einer Klimaschutzpolitik für Australien vorlegte, hat jüngst festgestellt: "Australien ist in Gefahr, weitaus größere Schäden durch den Klimawandel zu erleiden als alle anderen Industriestaaten." Denn das Land hat jetzt schon ein extrem heißes und trockenes Klima.

Was hat die große Flut ausgelöst?

Jürgen Kropp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) wundert sich nicht über die gewaltigen Regenfälle im Nordosten Australiens. Schon seit dem vergangenen Sommer steigt der von der australischen Wetterbehörde erhobene Indexwert SOI (Southern Oscilliation Index) stark an. Die Flut in Australien ist Folge des La-Niña-Phänomens, das dem El-Niño-Phänomen folgt. Dabei handelt es sich um ein "großskaliges Zirkulationsphänomen", das in unregelmäßigen Abständen immer wieder stattfindet.

Australien ist ein Kontinent der Wetterextreme. Was ist los in Down Under? © Torsten Blackwood/AFP/Getty Images

Während eines El Niños ist Südostasien deutlich trockener als in normalen Jahren. Die Regenfälle verlagern sich an die Küste Südamerikas, dort regnet es dann selbst in Wüstengebieten. Während eines La Niñas wehen wegen der hohen Temperaturunterschiede zwischen dem östlichen und westlichen Pazifik starke Passatwinde in Richtung Südostasien und Australien. Dabei wird warmes Oberflächenwasser dorthin getrieben. Es entstehen mehr Wolken, weil warmes Wasser stärker verdunstet – mit der Folge starker Regenfälle wie jetzt in Queensland .

Liegt das am Klimawandel?

Jürgen Kropp beschreibt den Einfluss der globalen Erwärmung auf diesen Effekt als möglichen Verstärker: Durch den Klimawandel hätten sich die Temperaturen der Meere weltweit erhöht. "Das ist reine Physik", sagt er. Warmes Wasser bringe mehr Verdunstung und damit mehr Regen. Ob die Stärke des momentanen La Niñas durch den Klimawandel verursacht wurde, kann Kropp nicht definitiv sagen, "weil man nie ein einzelnes Ereignis dem Klimawandel zuordnen kann". Aber dass es einen Zusammenhang gibt, davon geht er schon aus, "denn es passt ins Bild".

Das sieht Matthew England von der Universität New South Wales ähnlich. "Die Gewässer vor Australien sind so warm wie noch nie", sagt er. Dagegen bestreitet Neville Nicholls von der Monash Universität in Melbourne einen solchen Zusammenhang. "Sicherlich beeinflusst die Erwärmung der Meere das Klima und Phänomene wie La Niña. Aber ich finde kein stichhaltiges Argument dafür, dass all diese Dinge sich dadurch notwendigerweise verschlimmern", sagte er. Der Regen wird übrigens noch mindestens bis März anhalten, erst dann wird sich La Niña erfahrungsgemäß abschwächen.