Für Mütter, die oft ein schlechtes Gewissen hatten, wenn sie nicht das ganze erste Lebenshalbjahr ihres Kindes ausschließlich stillten, ist das eine befreiende Nachricht. Jochum findet es entscheidend, dass die Eltern die Entwicklung ihres Babys beobachten und als Entscheidungsgrundlage nutzen. Wichtig ist zunächst, dass es gut genug schlucken kann, um einen Löffel Brei zu probieren.

Die Empfehlung lautet schließlich nicht, die Brust gegen ein Fläschchen mit kommerzieller Formula-Babymilch einzutauschen. Sie dient vielmehr dem Ziel, die neuen Erdenbürger frühzeitig an den Geschmack des Essens zu gewöhnen, das die anderen Familienmitglieder bei gemeinsamen Mahlzeiten zu sich nehmen. Kinder, die lange ausschließlich gestillt werden, empfänden zum Beispiel oft Gemüse später als zu bitter, argumentieren die Autoren der britischen Studie.

Selbst zubereitete Babynahrung und Brei aus dem Gläschen werden übrigens von der Fachgesellschaft der Kinderärzte im Prinzip als gleichwertig erachtet. Auf Salz, Gewürze, Aromastoffe und Zucker sollte man aber auf jeden Fall verzichten.

Erschienen im Tagesspiegel