Muttermilchdebatte : Babys sollen frühzeitig Brei bekommen
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Die Brust soll nicht gegen ein Fläschchen mit Formula-Babymilch eingetauscht werden

Für Mütter, die oft ein schlechtes Gewissen hatten, wenn sie nicht das ganze erste Lebenshalbjahr ihres Kindes ausschließlich stillten, ist das eine befreiende Nachricht. Jochum findet es entscheidend, dass die Eltern die Entwicklung ihres Babys beobachten und als Entscheidungsgrundlage nutzen. Wichtig ist zunächst, dass es gut genug schlucken kann, um einen Löffel Brei zu probieren.

Die Empfehlung lautet schließlich nicht, die Brust gegen ein Fläschchen mit kommerzieller Formula-Babymilch einzutauschen. Sie dient vielmehr dem Ziel, die neuen Erdenbürger frühzeitig an den Geschmack des Essens zu gewöhnen, das die anderen Familienmitglieder bei gemeinsamen Mahlzeiten zu sich nehmen. Kinder, die lange ausschließlich gestillt werden, empfänden zum Beispiel oft Gemüse später als zu bitter, argumentieren die Autoren der britischen Studie.

Selbst zubereitete Babynahrung und Brei aus dem Gläschen werden übrigens von der Fachgesellschaft der Kinderärzte im Prinzip als gleichwertig erachtet. Auf Salz, Gewürze, Aromastoffe und Zucker sollte man aber auf jeden Fall verzichten.

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Kommentare

52 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Nur an künstlicher Milch verdient man

Ich bin etwas enttäuscht, hatte mir etwas anderes von der Zeit erwartet. Wer sponserte die Studie? Ja, bei der Beikosteinführung sollte gestillt werden, deshalb 6 Monate voll stillen und bis zweijährig, wie die WHO empfiehlt. Leider wissen die Kinderärzte immer noch nicht, dass sogar vegetarische Beikost zusätzlich zum Stillen mehr Eisen für das Baby bringt (Laktoferrin sei dank) als Fleischgläschen (sorry Babynahrungsmittelhersteller), aber das wird nciht gesagt, da verdient ja die Industrie nciht.
Brei braucht kein Baby, Beikoststart ist, wenn das Baby mit kleiner Stütze allein sitzen kann, es Essen selbst in den Mund nehmen kann, und die Zunge die Nahrung nciht mehr rausstösst, sonst ist es nciht bereit.
Die Natur steht sich nicht selbst im Weg, bei jedem Säugetier isst das Baby dann, wenn es bereit ist. Wieso sonst sollten denn die Abwehrstoffe in der Muttermilch ansteigen nach 6 Monaten, weil die Baby dann mit dem Krabbeln beginnen. Warum steigen die Abwehrstoffe an, wenn Mama oder Kind krank werden, damit das Kind einen guten Schutz hat.
Ausserdem schützt Stillen vor Karies, denn Karies kann den Milchzucker aus der Muttermilch nciht verwerten, meine Güte, ich hoffe, die zeit hat intelligente Leser, die diese Studie hinterfragen. Sobald wieder einer der zweifelhaften Studien widerlegt ist, kommt eine neue...

Danke für diesen Kommentar

Genau das ist meiner Meinung nach die richtige Herangehensweise. Am Anfang unbedingt stillen und das Kind mit an den Tisch nehmen. Irgendwann kommt es auf den Trichter, dass die Großen ja auch was da rein tun, worin es immer Mamas Brustwarze tut. Da es dann meist sowieso alles in den Mund nehmen muss, dann auch etwas von dem, was die Großen haben. Wir lassen unsere viereinhalb Monate alte Tochter an gekochter Pastinake, (undgesalzener!) Kartoffel oder etwas Weißbrot lutschen und werden das sukzessive erweitern. Muttermilch bleibt natürlich Hauptbestandteil der Nahrung. Und das so lange, bis es sich selber abstillt. Bei der bisherigen Entwicklung unseres Kindes tippen wir, dass das nicht mehr allzu lang hin sein wird.

Ach ja die anderen Kulturen....

Gähn, mal wieder die anderen Kulturen, die für den Naturalismus herhalten müssen. Etwa die, die noch näher an der Natur leben? Wenn man mit anderen Kulturen argumentieren möchte, dann bitte mit genauem Beispiel. Also nicht à la "in Afrika" oder "in vielen Entwicklungsländern". Dazu könnte ich als Ethnologin nämlich verraten, dass in "vielen Entwicklungsländern" sehr früh zugefüttert wird, z.B. in Indien Neugeborene Honig und Ghee bekommen. Außerdem wäre zu untersuchen, wo die vermeintlich "anderen Kulturen" zwar von stillen sprechen, nicht aber ausschließliches stillen meinen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Geschichte: meine Mutter sprach noch immer, davon, dass sie mich natürlich vier Monate gestillt hatte, sie erwähnte nicht, dass sie nach 14 Tagen auch die Flasche gab, da zu ihrer Zeit in der DDR stillen, nicht ausschließliches stillen hieß.
Das Argument der "anderen Kulturen" finden wir immer wieder im Stilldiskurs, ähnlich beliebt wie Primaten und beides taugt bei näherem hinschauen eben auch nur bedingt. Wenn man "andere Kulturen verwendet, dann bitte etwas genauer". Wir wollen ja auch nicht "die Europäer" genannt werden.
Ganz persönlich meine ich nicht, dass man "umbedingt stillen muss", aber das ist eine private Entscheidung. Ich habe in der Beziehung mit meiner Tochter sehr vom Abstillen nach 11 Monaten profitiert (durchschlafen können, weniger Nähe mit Hintergedanken....)und habe noch keinerlei überzeugendes Argument für kindgeleitetes Abstillen finden können.

Beteiligte Forscher

Man könnte auch mal sagen wer die Forscher sind die das verzapfen, und dabei feststellen dass sie bereits Gelder von Konzernen erhalten haben bzw. für diese geforscht haben, welche Babyersatznahrung herstellen.
Abgesehen davon sollte man wenn man über dieses Thema berichtet auch die gesamte Tragweite von Babybrei in Entwicklungsländern thematisieren, und nicht zusammenhang- und recherchelos einfach irgendwelche "neuen" Studien widergeben.

Korrektur: Muttermilch der Weisheit

zur "kanadischen" Langzeit-Studie, über die im amerikanischen Fachblatt „Archives of General Psychiatry“ berichtet wurde.
Ergebnis:
Muttermilch mache zwar keine Genies. Doch sie hülfe dem Kind, seine Fähigkeiten später intelligenter zu nutzen. Außerdem hat sie keine Nachteile, sondern sei perfekt auf das Baby und seine umfassenden Bedürfnisse abgestimmt.