MuttermilchdebatteBabys sollen frühzeitig Brei bekommen
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Die Brust soll nicht gegen ein Fläschchen mit Formula-Babymilch eingetauscht werden

Für Mütter, die oft ein schlechtes Gewissen hatten, wenn sie nicht das ganze erste Lebenshalbjahr ihres Kindes ausschließlich stillten, ist das eine befreiende Nachricht. Jochum findet es entscheidend, dass die Eltern die Entwicklung ihres Babys beobachten und als Entscheidungsgrundlage nutzen. Wichtig ist zunächst, dass es gut genug schlucken kann, um einen Löffel Brei zu probieren.

Die Empfehlung lautet schließlich nicht, die Brust gegen ein Fläschchen mit kommerzieller Formula-Babymilch einzutauschen. Sie dient vielmehr dem Ziel, die neuen Erdenbürger frühzeitig an den Geschmack des Essens zu gewöhnen, das die anderen Familienmitglieder bei gemeinsamen Mahlzeiten zu sich nehmen. Kinder, die lange ausschließlich gestillt werden, empfänden zum Beispiel oft Gemüse später als zu bitter, argumentieren die Autoren der britischen Studie.

Selbst zubereitete Babynahrung und Brei aus dem Gläschen werden übrigens von der Fachgesellschaft der Kinderärzte im Prinzip als gleichwertig erachtet. Auf Salz, Gewürze, Aromastoffe und Zucker sollte man aber auf jeden Fall verzichten.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Gähn, mal wieder die anderen Kulturen, die für den Naturalismus herhalten müssen. Etwa die, die noch näher an der Natur leben? Wenn man mit anderen Kulturen argumentieren möchte, dann bitte mit genauem Beispiel. Also nicht à la "in Afrika" oder "in vielen Entwicklungsländern". Dazu könnte ich als Ethnologin nämlich verraten, dass in "vielen Entwicklungsländern" sehr früh zugefüttert wird, z.B. in Indien Neugeborene Honig und Ghee bekommen. Außerdem wäre zu untersuchen, wo die vermeintlich "anderen Kulturen" zwar von stillen sprechen, nicht aber ausschließliches stillen meinen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Geschichte: meine Mutter sprach noch immer, davon, dass sie mich natürlich vier Monate gestillt hatte, sie erwähnte nicht, dass sie nach 14 Tagen auch die Flasche gab, da zu ihrer Zeit in der DDR stillen, nicht ausschließliches stillen hieß.
    Das Argument der "anderen Kulturen" finden wir immer wieder im Stilldiskurs, ähnlich beliebt wie Primaten und beides taugt bei näherem hinschauen eben auch nur bedingt. Wenn man "andere Kulturen verwendet, dann bitte etwas genauer". Wir wollen ja auch nicht "die Europäer" genannt werden.
    Ganz persönlich meine ich nicht, dass man "umbedingt stillen muss", aber das ist eine private Entscheidung. Ich habe in der Beziehung mit meiner Tochter sehr vom Abstillen nach 11 Monaten profitiert (durchschlafen können, weniger Nähe mit Hintergedanken....)und habe noch keinerlei überzeugendes Argument für kindgeleitetes Abstillen finden können.

    Antwort auf "Säugling vs. Breiling"
  2. 42. Belege

    Ich erlaube mir mal Quellenkritik zu üben:
    1.) Der Wikipediaartikel ist alles andere als neutral und von der Stilllobby höchstpersönlich verfasst, den werde ich demnächst mal korregieren
    2.) die meisten Dinge, die sie da behaupten, werden an vielen Stellen schlampig zitiert, sind so aber gar nicht nachgewiesen.
    3.) Kleines Beispiel: die Untersuchung, die dazu führt, dass man überall liest, gestillte Kinder seien schlauer, wurde ihrer Zeit in den USA ohne Beachtung des Bildungsniveaus und Einkommens der Eltern durchgeführt. Noch Fragen?
    4.) Bei dem Atemwegserkrankungsrisiko stellen Wissenschaftlerinnen (siehe Knaak, Stephanie: The Problem with Breastfeeding Discourse) zu recht die Frage: was das größere Risiko für Atemwegserkrankungen darstelle: nicht stillen oder das Geschwisterkind im Kindergarten. Risiken im Stilldiskurs werden oft verzerrt dargestellt.
    5.)Was ich sehr verwunderlich finde, ist dass Frauen anderen Frauen Egoismus vorwerfen, weil sie nicht dem gesellschaftlichen Bild der Maria lactans, der stillenden Gottesmutter, der 'guten' Mutter entsprechen wollen. Ist es wirklich eine Schande 40 Jahre nach der Frauenbewegung, das erste Jahr meines Kindes nicht alleine gestalten zu wollen, weil Papa ohne Brüste geboren worde? Ein bisschen mehr Toleranz für andere Ernährungsformen bitte! Und ja, ich denke Mütter haben auch Rechte und die wissenschaftliche Fiktion über den eventuellen Gesundheitszustandes meines Kindes in 40 Jahren überschreibt diese nicht insgesamt.

  3. lt. einer Lobby-unabhängigen kandischen Langzeit-Studie:

    "Jetzt gibt es handfeste Hinweise auf einen weiteren Vorteil der Muttermilch: Kinder, die gestillt werden, sind später fitter im Kopf..."

    http://www.tagesspiegel.de/zeitung/muttermilch-der-weisheit/1230430.html

    Antwort auf "Aha ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zur "kanadischen" Langzeit-Studie, über die im amerikanischen Fachblatt „Archives of General Psychiatry“ berichtet wurde.
    Ergebnis:
    Muttermilch mache zwar keine Genies. Doch sie hülfe dem Kind, seine Fähigkeiten später intelligenter zu nutzen. Außerdem hat sie keine Nachteile, sondern sei perfekt auf das Baby und seine umfassenden Bedürfnisse abgestimmt.

  4. zur "kanadischen" Langzeit-Studie, über die im amerikanischen Fachblatt „Archives of General Psychiatry“ berichtet wurde.
    Ergebnis:
    Muttermilch mache zwar keine Genies. Doch sie hülfe dem Kind, seine Fähigkeiten später intelligenter zu nutzen. Außerdem hat sie keine Nachteile, sondern sei perfekt auf das Baby und seine umfassenden Bedürfnisse abgestimmt.

  5. Zu den von Ihnen genannten Vorteilen des Stillens

    1.Höherer Schutz vor Infektionen
    Das ist nur die halbe Wahrheit. Da in einigen Metaanalysen auch Daten aus weniger entwickelten Länder (in denen die Trinkwasserqualität deutlich niedrieger ist) eingeflossen sind, wurden die Daten leicht verfälscht. In Deutschland haben nicht gestillte Babys kein nennenswert erhöhtes Risiko an Infektionen zu erkranken.

    2. "Stillen vermindert die Säuglingssterblichkeit erheblich"
    Ja, stimmt. In erster aber nur in Ländern, in denen der Zugang zu sauberem Trinkwasser fehlt (inklusive Zugang zu unverseuchter Babynahrung).
    Auf Deutschland trifft das nicht zu.

    3. "Der Säugling bekommt durch das Stillen Antikörper und Immunzellen des mütterlichen Immunsystems."
    Das ist korrekt. ABER: Magensäure denaturiert die Antikörper. Selbst wenn wenig/keine Magensäure gebildet wird, so gelangen mütterliche Antikörper nicht in größerer Zahl ins Blut des Babys - die Darmschleimhaut nimmt sie schlicht nicht auf (nachzulesen bei Janeway, im Löffler/Petrides, im Silbnagl etc.). Wie sie das Baby dann vor Infektionen schützen sollen, müssen sie mir erklären.

    3. "Gestillte Kinder haben eine reduzierte Wahrscheinlichkeit an Neurodermitis, Asthma bronchiale oder Heuschnupfen zu erkranken."
    Seit der PROBIT-Studie wird das für Asthma angezweifelt. Ein Schutz über die Stillzeit hinaus ist nicht ausreichend belegt. Es gilt also lediglich für die Stillzeit.

  6. 4. "Das Risiko, alkoholabhängig zu werden, ist für Kinder, die nur kurz die Brust bekommen, fast um 50 Prozent höher als das von Kindern, die länger gestillt werden."
    Wurden in der Studie Confounder berücksichtigt? Der Hang zum Alkoholismus kann veerbt. Eine Alkoholikerin wird nicht stillen. Ihr Kind hat ein erhötes Risiko alkoholabhängig zu werden. Ob das auch am fehlenden Stillen liegt, ist zu hinterfragen. Den größeren Einfluss haben die Erbanlagen und die Sozialisation des Kindes.

    5. "positiven Zusammenhang von Stillen und Intelligenzentwicklung"
    ... in Höhe von ca. + 2-7 IQ Punkten. Erscheint fürs Alltagsleben wenig relevant. Ob jemand 103 oder 96 hat, ist kaum zu merken. Man den IQ übrigens durch bloßes üben in kurzer Zeit um bis zu zehn Punkte steigern.

    Ich finde, dass es genau zwei Gründe für eine deutsche Mutter gibt zu stillen:
    1. Sie möchte stillen.
    2. Sie hat wenig Geld zu Verfügung.

    • HorFe
    • 28. April 2012 14:00 Uhr

    wenn Allergien und andere Misslichkeiten seit ca 20 Jahren ansteigen , warum hören wir nicht auf unsere Großmütter und noch davor ? Dann könnten wir evtl. wieder zur logischen und natürlichen Herangehensweise zurückfinden und uns nicht mehr verunsichern lassen. Es gäbe sicher nicht 7 Milliarden Menschen auf der Welt und davon lebt min. 70 %" nicht in den von großen wissenschaftklichen Erkenntnissen durchfluteten Gesellschaften, wenn die Herangehensweise an die Ernährung der Kinder so problematisch wäre. Im Hinblick auf den Umgang mit Neugeborenen , Säuglingen und Kindern , waren unsere Vorfahren und sind o. g. Gesellschaften"souveräner.

    • gattona
    • 05. August 2013 14:50 Uhr

    Ich bin etwas enttäuscht, hatte mir etwas anderes von der Zeit erwartet. Wer sponserte die Studie? Ja, bei der Beikosteinführung sollte gestillt werden, deshalb 6 Monate voll stillen und bis zweijährig, wie die WHO empfiehlt. Leider wissen die Kinderärzte immer noch nicht, dass sogar vegetarische Beikost zusätzlich zum Stillen mehr Eisen für das Baby bringt (Laktoferrin sei dank) als Fleischgläschen (sorry Babynahrungsmittelhersteller), aber das wird nciht gesagt, da verdient ja die Industrie nciht.
    Brei braucht kein Baby, Beikoststart ist, wenn das Baby mit kleiner Stütze allein sitzen kann, es Essen selbst in den Mund nehmen kann, und die Zunge die Nahrung nciht mehr rausstösst, sonst ist es nciht bereit.
    Die Natur steht sich nicht selbst im Weg, bei jedem Säugetier isst das Baby dann, wenn es bereit ist. Wieso sonst sollten denn die Abwehrstoffe in der Muttermilch ansteigen nach 6 Monaten, weil die Baby dann mit dem Krabbeln beginnen. Warum steigen die Abwehrstoffe an, wenn Mama oder Kind krank werden, damit das Kind einen guten Schutz hat.
    Ausserdem schützt Stillen vor Karies, denn Karies kann den Milchzucker aus der Muttermilch nciht verwerten, meine Güte, ich hoffe, die zeit hat intelligente Leser, die diese Studie hinterfragen. Sobald wieder einer der zweifelhaften Studien widerlegt ist, kommt eine neue...

    Antwort auf "Abhaken"

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