Der Archäologe Zahi Hawass in einer Ausgrabungsstätte südlich von Kairo © AFP/Getty Images

Zahi Hawass weiß, wie man sich in Szene setzt: Breitbeinig sitzt der Archäologe auf einem Felsbrocken in der ägyptischen Wüste. Seine braungebrannten Arme sind auf die verstaubten Jeans gestützt, die Füße in schweren Lederschuhen fest in den Sand gestemmt. Sein Gesicht liegt im Schatten seines breitkrempigen Hutes als er in akzentreichem Englisch zu sprechen beginnt. Wie immer wenn Hawass sich der ungeteilten Aufmerksamkeit der Medien sicher ist, widmet er sich seinem Herzensthema: der Nofretete.

"Ich bin nicht hinter jedem Artefakt her, das aus Ägypten stammt. Aber wir wollen alles, was aus Ägypten gestohlen wurde und wofür wir entsprechende Beweise haben. Dazu zählt die Büste der Nofretete", sagt Hawass. Seit fünf Jahren beschäftigt er sich mit dem Fall. "Ich mache das nicht für mich, sondern für das ägyptische Volk", sagt der Archäologe im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Ob seine Briefe dazu führen, dass Berlin das 3300 Jahre alte Kunstwerk aushändigt, ist mehr als zweifelhaft. Die Bundesregierung stellte am Mittwoch unmissverständlich klar, dass sie jegliche Rückgabeforderungen jetzt und in Zukunft ablehnen wird.

Doch wieso fühlt sich der ägyptische Indiana Jones – ein Vergleich, der Hawass durchaus gefällt – überhaupt berechtigt, in Briefen an den ägyptischen Außenminister, an Hermann Parzinger, den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und an den deutschen Botschafter in Kairo, um die Rückgabe der Büste der Nofretete zu ersuchen? Sicherlich auch deshalb, weil Bescheidenheit für ihn ein Fremdwort ist.

Seine Selbstsicherheit fußt dabei auf durchaus bemerkenswerten Leistungen : Der heute 63-Jährige entdeckte zum Beispiel das Tal der goldenen Mumien. Er verfasst zahlreiche Artikel und Bücher, nennt massenhaft Auszeichnungen sein Eigen. Und er ist der Generalsekretär der ägyptischen Antikenverwaltung . Mehr als 30.000 Leute stehen unter seiner Aufsicht.

Damit hat er die Macht über Ägyptens verborgene Schätze. "Die Leute nennen mich oft einen Diktator. Das ist absoluter Unsinn", sagt Hawass. Es sei ihm ein Rätsel, wie dieses Bild entstehen konnte. Tatsächlich gibt es ein internationales Beratungskomitee. "Ich treffe keine Entscheidung allein. Und nur weil mir jemand etwas tut, entziehe ich ihm nicht seine Arbeit." Gerechtigkeit sei seine oberste Prämisse.

Ich habe die Archäologie in die Herzen der Leute gebracht. Das hat vor mir noch niemand geschafft
Zahi Hawass

Doch letztlich benötigt jeder Antrag für eine Grabung seine Unterschrift. Er ist rigoros und urteilt schnell – auch über Großprojekte. "Die meisten Entscheidungen treffe ich innerhalb von fünf Minuten." Dass er manch einem dabei vor den Kopf stößt, gehört halt dazu. "Man kann nicht erfolgreich sein, ohne Feinde zu haben. Und man darf sich ihnen nicht beugen."

Die wichtigste Lektion im Leben habe ihm sein Vater gelehrt: "Als ich zwölf war, sagte er zu mir: Sei ehrlich, füge niemandem Schaden zu und mache deine Arbeit korrekt, dann wirst du aufsteigen." So ist es kaum verwunderlich, dass The Fountainhead ( Der ewige Quell ) von der russisch-amerikanischen Schriftstellerin Ayn Rand zu Hawass’ Lieblingsbüchern gehört. Rand erzählt darin die Geschichte von Howard Roark, einem jungen Architekten und Individualisten, der keine Kompromisse eingeht. Er ist sich der Richtigkeit seiner Ideen sicher, und akzeptiert keinerlei Kritik an seinen Entwürfen. "Wenn ich einen Fehler mache, korrigiere ich ihn nicht", sagt Hawass. Er hat den Rat seines Vaters befolgt und sich aus eigener Kraft an die Spitze gearbeitet. "Ich habe die Archäologie in die Herzen der Leute gebracht. Das hat vor mir noch niemand geschafft."