Krise in Ägypten Deutsche Archäologen verlassen Grabungsstätten in Ägypten

Wegen der Unruhen im Land treten viele deutsche Forscher die Heimreise an. Ägyptische Angestellte sollen die Kulturgüter vor Plünderungen schützen.

Diese Aufnahme zeigt die Knickpyramide des Pharao Snofru mit dem dazugehörenden Tempel in Dahschur, etwa 25 Kilometer südlich von Giseh. An den Ausgrabungen sind Forscher vom Deutschen Archäologischen Institut beteiligt

Diese Aufnahme zeigt die Knickpyramide des Pharao Snofru mit dem dazugehörenden Tempel in Dahschur, etwa 25 Kilometer südlich von Giseh. An den Ausgrabungen sind Forscher vom Deutschen Archäologischen Institut beteiligt

Die Unruhen in Ägypten beeinträchtigen auch die Arbeit deutscher Archäologen. Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) stellte seine Grabungsarbeiten in dem Land vorübergehend ein. In Luxor und Assuan seien die Archäologen aus Deutschland nicht mehr vor Ort, sagte eine DAI-Sprecherin. In der Niederlassung des Instituts in Kairo seien die Sicherheitsmaßnahmen aus Sorge um Plünderungen erhöht worden, ein Mitarbeiter halte rund um die Uhr die Stellung.

Für das DAI arbeiten in Kairo acht fest angestellte Mitarbeiter sowie zurzeit rund 30 weitere Wissenschaftler. Viele Experten aus Deutschland seien nun zum eigenen Schutz in Wohnungen zusammengezogen. Einige der Forscher sind auf dem Weg nach Deutschland.

Anzeige

Die geschäftsführende Direktorin des Ägyptologie-Seminars der Universität Köln, Françoise Labrique, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Montag, der Kontakt zu einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin in Kairo sei abgebrochen. Die ägyptische Regierung hatte das Handynetz und Internet gekappt. "Ich mache mir Sorgen, weil sie nicht erreichbar ist", sagte Labrique. Die Professorin selbst hatte Mitte Februar neue Forschungsprojekte in Ägypten beginnen wollen. Dies sei nun fraglich.

Die Universität Münster behält eine Studentin in Deutschland, die in diesen Tagen zu einem wissenschaftliches Projekt nahe Assuan aufbrechen sollte. Das berichtete das Institut für Ägyptologie und Koptologie auf Anfrage. Auch das Ägyptologie-Seminar in Bonn möchte jede Gefahr ausschließen: Nach Angaben einer Sprecherin wartet das Institut die Entwicklungen zunächst ab, bis neue Grabungen in dem Land geplant werden.


Marsch der Millionen, Kairo auf einer größeren Karte anzeigen

Für Studenten der Universität Leipzig liegen wegen der Unruhen in Ägypten geplante Forschungen ebenfalls auf Eis. Mehrere Studenten hätten zum 1. Februar ihre Tätigkeit für das Deutsche Archäologische Institut in Kairo beginnen sollen, sagte der Kustos des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig, Dietrich Raue. Die Grabungen, zu denen die Studenten eingeladen waren, seien vorerst gestoppt worden.

Raue, der zehn Jahre am DAI in der ägyptischen Hauptstadt arbeitete, sagte, der Großteil seiner ägyptischen Kollegen sei einerseits euphorisch, andererseits auch besorgt um die Kulturgüter. "Der Stillstand wurde als bedrückend empfunden, gerade die jüngeren Kollegen sind unglaublich stolz auf sich."

In der Hauptstadt Kairo waren währen der Unruhen bei Plünderungen im Ägyptischen Museum Ausstellungsstücke beschädigt worden. Die Eindringlinge, darunter Wächter des Museums, hätten zwei Mumien zerstört. Das Museum beherbergt neben anderen unwiederbringlichen Artefakten die goldene Maske des Königs Tutanchamun. Ein Archäologe berichtet im Staatsfernsehen, dass Ägypter auf der Straße versucht hätten, das Gebäude durch eine Menschenkette zu schützen. Die Vandalen seien aber über das Dach in das Museum gelangt.

Die Proteste in Ägypten haben mittlerweile einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Dienstag demonstrierten Hunderttausende trotz einer erweiterten Ausgangssperre gegen das Regime des Diktators Hosni Mubarak. Das Zentrum der Demonstrationen bildete sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Beobachter sprechen dort sogar von rund zwei Millionen Demonstranten.

 
Leser-Kommentare
    • Ironia
    • 01.02.2011 um 15:51 Uhr

    Es bleibt zu hoffen, daß diese unendlich wertvollen Kunstschätze dieses schönen Landes nicht verloren gehen.
    Oder manche gar von wüsten Raufbolden zerstört werden, siehe Afghanistan.

    Eine Leser-Empfehlung
  1. höchst interessante Archäologie zu betreiben.
    Nachgerade wird die europäische Altertumsforschung, insbesondere die jüngsten Forschungsergebnisse, viel zu wenig beachtet.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Zitat: > In der Niederlassung des Instituts in Kairo seien die Sicherheitsmaßnahmen aus Sorge um Plünderungen erhöht worden, ein Mitarbeiter halte rund um die Uhr die Stellung. <

    Was soll der eine Mensch denn gegen Plünderer ausrichten können?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service