Soldaten bewachen das Ägyptische Museum unweit des Tahrir-Platzes, dem Zentrum der Demonstrationen © Chris Hondros/Getty Images

Wohin die Kompassnadel auch zeigen mag, überall entlang des Nils finden sich in Ägypten wahre Schätze: Den Norden dominiert die Hafenstadt Alexandria mit ihren Katakomben, gut 200 Kilometer entfernt stehen die Pyramiden von Gizeh am westlichen Rand des Niltals. Und blickt man noch weiter gen Süden, vorbei am Tal der Könige findet sich die wohl größte erhaltene Tempelanlage in Ägypten, der Karnak-Tempel in Luxor. "Das ganze Land ist eine Schatzkammer voll historisch bedeutsamer Kulturgüter", sagt der Ägyptologe Frank Steinmann vom Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig.

Während die Hafenstadt Alexandria vor allem mit ihren Jahrtausende alten Katakomben begeistert, lockt Kairo mit seinen großen gut bestückten Museen. Besonders anziehend auf Touristen wirken hier die Goldschätze des Tutanchamun, die im ägyptischen Museum ausgestellt werden. "Dabei ist die Ausstellung nur eines von Hunderten Highlights", sagt Steinmann. Statuen aus der Zeit des alten Ägyptens oder Särge und Königsmumien seien kulturhistorisch ebenso wichtig.

Jede Form von Vandalismus würde all das zunichte machen, was in mühsamer liebevoller Kleinstarbeit geschaffen wurde
Christian E. Loeben, Ägyptologe

Seit 150 Jahren werden die Top-Stücke aus landesweiten Grabungen in das Museum gebracht. Neben den Ausgrabungsstücken lagern Unmengen von Schätzen im Magazin . "Jedes einzelne Stück ist zu 100 Prozent schützenswert, wertvoll und als ägyptisches Kulturdenkmal einzustufen", sagt Christian E. Loeben, Leiter der Ägyptischen Sammlung im Museum August Kestner in Hannover.

So wird dort zum Beispiel die einzige Statuette aus Elfenbein ausgestellt, die den Pharao Cheops zeigt. Es ist ein kleines Stück, weniger als 10 Zentimeter hoch und deshalb leicht mitzunehmen. Umso erschreckender war die Nachricht, dass während der Unruhen in Ägypten Plünderer das Museum angriffen . "Es liegt direkt am Tharir-Platz und somit Mitten im Zentrum der Unruhen und Proteste ", sagt Loeben. Er hält das Ägyptische Museum für besonders gefährdet.

"Auch das Islamische Museum kann man nicht gut schützen", sagt Loeben. Der Bau steht an der Grenze zwischen dem mittelalterlich-islamischen und modernen Kairo. "Somit ist es in einer extrem verkehrsexponierten Lage." Gedanken macht er sich hier besonders. Denn das Museum wurde erst vergangenes Jahr nach 10 Jahren Renovierung neu eröffnet. "Jede Form von Vandalismus würde all das zunichte machen, was in mühsamer liebevoller Kleinstarbeit geschaffen wurde."

Das dritte große Museum in Kairo ist das Koptische Museum. Das Museum dokumentiert die Geschichte des Christentums in Ägypten. Von Touristen wird es selten besucht. "Ich war ein Mal dort. Als ein Aufseher merkte, dass meine Kollegen und ich die Texte auf koptischen Denksteinen lasen, hat er uns ganz überschwänglich umarmt und uns Tee angeboten", erzählt Steinmann. Er hofft, dass das Museum aufgrund der neuen Sicherheitstechnik geschützt ist.

Vergitterte Fenster, geschultes Fachpersonal, exponierte und gut zugängliche Lage – wichtige Dinge, an denen es den kleineren Museen im Land oft noch mangelt, wie dem erst jüngst eröffneten Textilmuseum oder dem Keramikmuseum in Kairo. Im Museum für ägyptische Textilien finden sich Stoffe von der Pharaonenzeit bis heute. Mit Liebe eingerichtet, wurde es vor zwei Jahren eröffnet. Die Ausstellungsstücke sind sehr fragil und das Museum befindet sich in einem renovierten Mittelalterhaus. "Wenn es dort brennt, kommt kein Löschzug hin. Es ist somit sehr gefährdet und es wäre eine Schande wenn es zerstört würde", sagt Loeben.