Ägyptens Kulturgüter Schätze in jeder Himmelsrichtung
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"Wir sind dankbar, dass sich die Bevölkerung mobilisiert"

Mehr als 550 Kilometer den Nil hinab liegt das Tal der Könige, eine Nekropole des alten Ägyptens. Goldschätze können hier nicht mehr geraubt werden. Dennoch fürchten Archäologen, dass Leute in die Ruhestätten eindringen. "Die Gräber sind mit kunstvollen Wandmalereien und Reliefs ausstaffiert. Diese können rausgeschnitten werden", sagt Loeben. Das betreffe alle Gräber und Tempel in Ägypten. Da sei es beruhigend zu wissen, dass lokale Kräfte versuchten, die Kulturgüter zu schützen. "Viele Archäologen sind abgereist. Wir zeigen wenig Präsenz und sind dankbar, dass sich die Bevölkerung mobilisiert." Vor allem in ländlichen Gebieten sei dies von Bedeutung.

Gut organisierte Kunstdiebe können die Sachen ins Ausland schmuggeln und auf dem Kunstmarkt verscherbeln

Christian E. Loeben, Ägyptologe

In Sakkara zum Beispiel steht das Imhotep-Museum, benannt nach dem Baumeister der  Stufenpyramide. Hier sieht man sehr schön, wie ein Museum an eine Grabungsanlage angegliedert werden kann: Denn es ist kombiniert worden mit dem Antikenmagazin, wo jene Ausgrabungsstücke ausgestellt werden, die es nicht ins Museum schaffen. "Solche Magazine sind jedoch extrem gefährdet, weil sie abseits von Städten liegen. Hier kann richtig geplündert werden", sagt Loeben.

Und verkauft. Denn während die Bestände in den Museen gut dokumentiert sind, sind die Antikenmagazine reine Lagerstätten. Vieles ist absolut unbekannt. "Es ist extrem kritisch, wenn hier etwas entfernt wird. Gut organisierte Kunstdiebe können die Sachen ins Ausland schmuggeln und auf dem Kunstmarkt verscherbeln." Da die Stücke nicht dokumentiert sind, kann ihre Herkunft schnell verschleiert und später nicht mehr nachgewiesen werden.

In Luxor gibt es zwei große Museen: das altägyptische Kunstmuseum und das Mumifizierungs-Museum. "Beide haben Top-Stücke in ihrer Ausstellung. Bislang ist hier aber noch nichts passiert und es wird hoffentlich nichts passieren", ist sich Loeben ziemlich sicher. Seine Sorge gilt einem kleinen Freilichtmuseum, das im vergangenen Jahr neben dem Luxor-Tempel eingerichtet wurde. "Obwohl die amerikanischen Kollegen die Sachen so fest wie irgend möglich montiert haben, sind sie bei Vandalismus einer großen Gefahr ausgesetzt."

Ein ähnliches Problem gibt es in Assuan. So ist an dem dortigen Nubia-Museum ein Museumsgarten angegliedert, in dem einige wertvolle Stücke ausgestellt werden. "Im Gegensatz zum Museum käme man hier ganz schnell rein und beladen wieder raus", sagt Loeben.

Der Internationale Museums-Ägyptologen-Verband, in dessen Direktorium Loeben ist, beobachtet die Lage in Ägypten daher mit großer Besorgnis. Es wurde zu besonderer Vorsicht aufgerufen und ausdrücklich davor gewarnt, derzeit Stücke aus Ägypten zu kaufen. Zudem wird angestrebt, alle Informationen, die über gestohlene Sachen bekannt werden, in einer Datenbank zu sammeln und zur Verfügung zu stellen. "Oft dauert es ewig, bis Hehlerware auf dem internationalen Kunstmarkt erscheint. Aber wenn wir alles von Anfang an katalogisieren, behalten wir zumindest den Überblick. Nur so kann man den Schmuggel von Kunstschätzen aus Ägypten auch für die Zukunft  unterbinden."

 
Leser-Kommentare
  1. >>Ägypten ist eine riesige Schatzkammer. Doch die Kunst ist nun von Plünderungen bedroht.<<

    Ich bitte darum ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es sich nicht nur um Werte und Schöne Kuriositäten handelt. Es mag angesichts der politischen Lage vermessen erscheinen, aber das, was hier Schatz und Kunst genannt wird, ist viel mehr als das - viel viel mehr! Es ist ABSOLUT wichtig, die archäologischen Hinterlassenschaften zu bewahren.

    Es ist ein typisches Verhalten von Menschen, die momentane Situation und Sicht über die von Menschen in der Vergangenheit zu stellen. Dies ist zu relativieren. Wenn Archäologie eines zeigen kann, dann dies!

    >>Seit 150 Jahren werden die Top-Stücke aus landesweiten Grabungen in das Museum gebracht. Neben den Ausgrabungsstücken lagern Unmengen von Schätzen im Magazin. "Jedes einzelne Stück ist zu 100 Prozent schützenswert, wertvoll und als ägyptisches Kulturdenkmal einzustufen", sagt Christian E. Loeben, Leiter der Ägyptischen Sammlung im Museum August Kestner in Hannover.<<

    Es sind nicht NUR ägyptische Kulturdenkmäler, sondern solche der gesamten Menschheit. Den selbst für Fachleute unermesslichen Wert dieser Relikte lediglich als Schatz oder Kunst zu betiteln, ist weit verfehlt!

    Den Menschen die Freiheit, der Welt ihre Kulturdenkmäler!

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    Nicht nur in Ägypten sind Kulturobjekte oder Denkmäler bedroht, sondern mittlerweile auch in Europa.

    So in Italien (Das Haus der Gladiatoren ist bereits eingestürzt) oder in Griechenland (Akropolis - die weitere Finanzierung der Restaurierung könnte kritisch werden.) Oder zum Beispiel in Deutschland (n Mecklenburg-Vorpommern sind 7000 Jahre alte Einbäume verrottet.)

    Ganz zu schweigen von weiteren Kulturobjekten. Das ist sehr schade, obgleich sie auch die verhasste Prioritätenfrage stellt, wenn man nicht alle Objekte retten kann.

    Nicht nur in Ägypten sind Kulturobjekte oder Denkmäler bedroht, sondern mittlerweile auch in Europa.

    So in Italien (Das Haus der Gladiatoren ist bereits eingestürzt) oder in Griechenland (Akropolis - die weitere Finanzierung der Restaurierung könnte kritisch werden.) Oder zum Beispiel in Deutschland (n Mecklenburg-Vorpommern sind 7000 Jahre alte Einbäume verrottet.)

    Ganz zu schweigen von weiteren Kulturobjekten. Das ist sehr schade, obgleich sie auch die verhasste Prioritätenfrage stellt, wenn man nicht alle Objekte retten kann.

  2. Na, was für ein Glück, dass die Nofretete in Berlin ist! Pech gehabt, Herr Hawass.

  3. niemand auf die Idee kam zu plündern, obwohl die öffentliche Ordnung zusammengebrochen war. Selbst 1945 gab es in Deutschland kaum Plünderungen, obwohl genug Flüchtlinge mit ihrer ganzen Habe unterwegs waren. Gelegenheit hätte es sicher gegeben. Zumal das "Dritte Reich" als Staat zuvor halb Europa ausgeplündert hatte.

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  4. Nicht nur in Ägypten sind Kulturobjekte oder Denkmäler bedroht, sondern mittlerweile auch in Europa.

    So in Italien (Das Haus der Gladiatoren ist bereits eingestürzt) oder in Griechenland (Akropolis - die weitere Finanzierung der Restaurierung könnte kritisch werden.) Oder zum Beispiel in Deutschland (n Mecklenburg-Vorpommern sind 7000 Jahre alte Einbäume verrottet.)

    Ganz zu schweigen von weiteren Kulturobjekten. Das ist sehr schade, obgleich sie auch die verhasste Prioritätenfrage stellt, wenn man nicht alle Objekte retten kann.

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    • AylaR
    • 10.02.2011 um 12:55 Uhr

    Klar besteht die Gefahr, dass bei den gegenwärtigen Unruhen in Ägypten auch Kunstschätze geplündert werden. Gut ist allerdings, dass die Öffentlichkeit durch die Medien gegen über dieser Gefahr sensibilisiert wurde und entsprechend wachsam sein wird - auch in Ägypten.

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