Alternsforschung"Ewig zu leben, wäre Verschwendung"

Tom Kirkwood sucht nach Faktoren, die unser Altern beeinflussen. Im Interview spricht der Forscher über gute Gene, glückliche Ehen und darüber, warum Tiere nicht altern. von 

Frage: Herr Kirkwood, ich bin jetzt 28 Jahre alt. Wie lang werde ich leben?

Tom Kirkwood: Es wäre arrogant, das beantworten zu wollen. Ihre Familiengeschichte ist dafür wichtig, Ihr Lebensstil, die Veränderungen in der Gesellschaft. Aber Sie haben eine gute Chance, 90 zu werden, sogar 95. Mit etwas Glück könnten Sie es sogar bis 100 schaffen.

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Frage: Mit Glück oder mit guten Genen?

Tom Kirkwood
Tom Kirkwood

Tom Kirkwood (59) erforscht das Altern. Er studierte Mathematik und Biologie in Oxford und Cambridge und ist seit 1999 Direktor am Institut für Altern und Gesundheit in Newcastle

Kirkwood: Sie brauchen beides. Der Zufall spielt eine große Rolle. Aber wenn Sie sehr, sehr alt werden, dann haben Sie höchstwahrscheinlich auch Gene, die diese Langlebigkeit befördern. Darum suchen Menschen wie ich entweder unter Hundertjährigen oder wenigstens bei Menschen, die 90 Jahre alt sind, nach Langlebigkeitsgenen.

Frage: Gibt es ein bestimmtes Alter, ab dem die Gene entscheidend sind?

Kirkwood: Es gibt keine genetische Uhr für das Altern. Der Zufall spielt eine große Rolle. Man sieht das ganz deutlich bei bestimmten Würmern: Da können wir Populationen genetisch absolut identischer Würmer züchten und sie in Flüssigkultur rühren, so dass alle Würmer genau dieselben Lebensumstände haben. Diese Würmer haben ein ungeheuer präzises Entwicklungsprogramm. Bei jedem erwachsenen Tier entstehen genau 959 Körperzellen. Und es gibt eine Mutation bei diesen Würmern, die sie länger leben lässt. Aber wenn Sie dann zwei Populationen nehmen, eine langlebig, eine kurzlebig, in sich jeweils genetisch identisch, dann ist die Lebensspanne eines Individuums dennoch ungeheuer variabel. Also selbst bei diesen Würmern, die eine so genau regulierte Entwicklung haben und die einen starken genetischen Einfluss aufs Altern haben, können Sie die Lebensspanne nicht anhand der Gene vorhersagen. Dasselbe gilt für Menschen.

Frage: Sie sind 59 Jahre alt. Wird die Forschung persönlicher, wenn man älter wird?

Kirkwood: Eigentlich nicht. Die Sache, die mich am meisten frustriert, ist, was das Altern dem Sehsinn antut. Seit ich zehn bin trage ich eine Brille. Aber jetzt habe ich drei Brillen. Eine Brille zum Autofahren, eine Brille für meinen Schreibtisch, wenn ich Veröffentlichungen lese. Und diese Brille, die bifokal ist. Da den Überblick zu behalten finde ich wirklich nervig. Andererseits ist das Altern eine interessante Reise. Man wird lockerer, ich genieße das Leben tatsächlich mehr. Man hat einen anderen Blick aufs Leben, die Dinge sind interessanter, unterhaltsamer, witziger. 

Frage: Was machen Sie, um alt zu werden?

Kirkwood: Ich versuche, mich gesund zu ernähren. Aber ich vermeide auch keine Sachen. Ich esse gerne Steak und Pommes, aber nicht jeden Abend. Ich esse viel Gemüse, viel Fisch. Aber das ist auch die Art Essen, die ich mag. Ich lebe keinen optimalen Lebensstil für ein langes Leben. Weil ich zu viel Druck und Stress habe; ich bin ehrgeizig und getrieben. Man sollte versuchen, relaxter zu sein. Ich lerne, das Leben leichter zu nehmen, und darin werde ich besser, je älter ich werde.

Leserkommentare
    • eeee
    • 03. Februar 2011 7:47 Uhr

    Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und formulieren Sie tatsachengemäß. Danke.

    Eine Leserempfehlung
  1. "Ich versuche, mich gesund zu ernähren. Aber ich vermeide auch keine Sachen. Ich esse gerne Steak und Pommes, aber nicht jeden Abend. Ich esse viel Gemüse, viel Fisch. Aber das ist auch die Art Essen, die ich mag."

    Das macht ihn mir sehr sympathisch. Er weiß seine Schwerpunkte zu setzen. Kein hochoptimieren um jeden Preis für ein längeres Leben. Die Qualität des Lebens geht vor.

    Auf wikipedia sah ich unter dem Stichwort "Altern", dass es etwa 300 Alternstheorien neben der Theorie von Tom Kirkwood gibt. Lesenswert!

    Anekdote am Rande:
    Wer jeden Tag 1 Stunde joggen geht lebt durchschnittlich 1 Jahr länger - muss aber zwei Jahre seines Lebens joggen.

    Eine Leserempfehlung
  2. Weiteren Text erspare ich mir.
    Früher als Kinder hatten wir dafür einen Begriff "Kn...Tüte". Da ich inzwischen weiser geworden, habe ich die Punkte gesetzt.

  3. Der Tod ist wohl eines der besten Prinzipien, welches die Natur geschaffen hat, um zu überleben. Wer ewig leben möchte, kann das gerne tun, nur wird er es wohl nicht genießen. Ich darf aber auch daran erinnern, dass unser genetischer Code etwas ist, was seit 4.5 Milliarden Jahren weiter gegeben wird. Also stehen wir alle in einer Linie einer endlos langen Zeitspanne, auch wenn viele Organismen gekommen und gegangen sind. Ist das nicht lang genug?
    Ich gebe dem Autor recht, es sollte vor allem Energie in die Verbesserung der Lebensqualität im Alter gesteckt werden. Ich hoffe, dass wir die Altersdemenz und Alzheimer in den Griff kriegen, davor habe ich ehrlich gesagt Angst. Zu Leben ohne am Leben teilhaben zu können...

    • papayu
    • 03. Februar 2011 11:20 Uhr

    Beides hat die Menschheit noch nicht vervollkommnet. Ich weiss nur, das irgendwann, vielleicht schon morgen mei Leben beendet wird.Dann bin ich tot, man beerdigt mich, warum eigentlich???Viele Voelker haben ihre Toten einfach irgendwo abgelegt. Die Indianer auf Plattformen, damit sie die Fleischfresser nicht annagen.

    Und dann kamen ein paar Supergauner daher und erfanden Gott, Allah,Bhudda usw.und kassieren noch heute ab und verkuenden eine Scheinwelt,hinterher. wo bleibt da die Maus oder die Schildkroete?
    Oder der Moskito,das menschenfressende Krokodil usw.Haben die auch so was Aehnliches wie ein Himmelreich?
    Beispiel warum geht HELMUT SCHMIDT 92 noch immer ins Buero und der andere Helmut kann sich nicht mehr (82) alleine fortbewegen?
    Hat das was mit Aufrichtigkeit zu tun??
    Eine Nachbarin war mit 30 Kriegerwittwe geworden, hatte dann noch den Vater gepflegt.Kein Mann weit und breit. Als ihr Vater starb (92) wurde sie in wenigen Jahren von Alzheimer "befallen."
    Dann vegetierte sie noch fast 20 Jahre im Heim.(SEX, nein).

    • PALVE
    • 03. Februar 2011 11:24 Uhr

    Recht hat er.

    Nur der Mensch besitzt die Eitelkeit und Arroganz von langem oder ewigen Leben zu faseln und obendrein - wie gerade geschehen - Fehler von vor hundert Jahren zu wiederholen und sich und die Welt an den Abgrund zu lancieren.

    Indem der Mensch die Natur mit seiner immer längeren Verweildauer auf der Erde überlistet hat, verschwendet er nun selbige, indem er sie immer mehr ausbeutet.

    Was für eine Fehlkonstruktion!

  4. Wenn sie etwas kommentieren, dann sollten sie es besser zuvor über die Überschrift hinaus gelesen haben. Bei fortschreitender Weisheit empfehle ich vollständige Sätze zu verwenden.

    Die Aussage des Herrn Kirchholz ist in einem anderen Sinne fraglich:

    Unklar ist zum einen, ob er unter dem Begriff "Lebewesen" gerade nur Tiere fasst oder meint: "Wenn Lebewesen nicht altern würden, dann wäre die Welt voller Tiere, die allen Platz einnehmen und alles [pflanzliche] fressen".

    Das würde dazu führen, dass Pflanzenfresser aussterben und die Fleischfresser sich gegenseitig fressen. In beiden Fällen, würde sich die Natur in einem neuen Gleichgewicht stabilisieren. Das Platzproblem gäbe es nicht.

    Zum anderen scheint er seine Theorie nur auf in der Wildnis lebende Tiere zu beziehen und einen Fehlschluss zu begehen:
    Nur weil Tiere im Normalfall nicht altern (was streng genommen falsch ist, denn alles Leben altert von seinem Beginn an), heißt es nicht dass sie nicht im Ausnahmefall altern können.

    Domestizierte Tiere oder Tiere in gepflegter Gefangenschaft altern sehr wohl, auch sichtlich. Das kann ihm nicht entgangen sein. Er sollte daher vorsichtiger formulieren. In etwa: Tiere sind genetisch nicht darauf angelegt in ihrem natürlichen Lebensraum (der Wildnis) zu altern, können aber unter günstigen Umständen sehr alt werden.

    • Basser
    • 03. Februar 2011 16:01 Uhr
    8. Spruch

    Viele Menschen wollen ewig leben, doch können nicht einmal etwas mit einem verregneten Sonntagnachmittag anfangen.

    --> einfach die Zeit, die einem zur Verfügung steht intensiv nutzen und geniessen. Dann reicht ein "normales" Leben auch aus.

    Eine Leserempfehlung

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