Zahi Hawass Stürzen die Ägypter nun auch den Jäger der Nofretete?
Der allmächtige Chef von Ägyptens Antikenverwaltung könnte das nächste Opfer der Revolution am Nil werden. Demonstranten fordern den Rücktritt von Zahi Hawass.
© Cris Bouroncle/AFP/Getty images

Herrscher über Ägyptens Vergangenheit: Der Archäologe und Chef der Antikenverwaltung, Zahi Hawass
Er gehört zu den bekanntesten Gesichtern Ägyptens. Sein Markenzeichen ist der "Indiana Jones"-Hut. Seine Website hat sogar einen Link zu einem weltweiten Fanclub. In Berlin ist er als der Jäger der Nofretete gefürchtet. Nun ist Zahi Hawass, lange Jahre allmächtiger Chef der Antikenverwaltung am Nil, selbst ein Gejagter.
Seit Tagen protestieren hunderte Angestellte und Archäologie-Studenten vor den Toren der mächtigen Hauptzentrale im Stadtteil Zamalek und schreien ihm das gleiche "Hau ab" entgegen, wie einer Woche zuvor Hosni Mubarak. Sie werfen ihm vor, ein Aufschneider und "Medien-Clown" zu sein und sich nicht darum zu scheren, Arbeitsplätze für die tausenden fertig ausgebildeten Archäologie-Absolventen zu schaffen oder den Angestellten faire Gehälter zu zahlen.
Mehr noch: Auch die Plünderung im Ägyptischen Museum zu Beginn der Unruhen sowie die Fernsehbilder, die ihn zusammen mit Hosni Mubarak als neu ernannten Minister für ägyptische Altertümer zeigten, haben dem Ansehen von Hawass schwer zugesetzt. Man sollte Mubarak die Chance zu Reformen geben, sagte er damals in einem Interview, mit dem er sich auf die Seite des Regimes stellte. Und wenige Stunden nach dem spektakulären Einbruch in die obere Etage des weltberühmten Museums versicherte der Antikenchef bereits vor laufenden Kameras, es sei nichts gestohlen worden, obwohl er und der neue Museumsdirektor Tarek al-Awadi – wie inzwischen klar ist – es schlechter wussten.
- Streit um Nofretete
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1912 entdeckte der Archäologe Ludwig Borchardt die Büste der Nofretete samt anderen Fundstücken in Tell al-Amarna in Ägypten. Nach damals geltendem Recht wurde der Fund geteilt. Ein Jahr später wurde die Büste nach Deutschland gebracht. Die erste Rückgabeforderung Ägyptens erfolgte nach der ersten öffentlichen Ausstellung der Büste im Jahr 1924 im Neuen Museum in Berlin.
© Andreas Rentz/Getty ImagesDie Büste der Nofretete
Seit dem Jahrtausendwechsel wurde die Büste von unterschiedlicher Seite mehrfach zurückgefordert. 2006 bat zum Beispiel die damalige Direktorin des Ägyptischen Museums in Kairo, Wafaa El-Saddik, um eine Ausleihe. Ein Jahr später wiederholte der Generalsekretär der ägyptischen Antikenverwaltung, Zahi Hawass, die Bitte, den Kopf der Nofretete für eine Ausstellung zu bekommen.
Im selben Jahr startete die Kampagne "Nofretete geht auf Reisen", im Zuge derer die Bundesregierung in einem Brief aufgefordert wurde, die Büste auszuleihen. Alles ohne Erfolg.
- Rückgabeersuch von Hawass
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Zahi Hawass zweifelt die Echtheit der Dokumente von 1913 an, die die Büste der Nofretete damals Deutschland zusprach. Seine Anschuldigungen: Borchardt habe den wahren Wert der Büste verschleiert, demnach habe sie das Land illegal verlassen. Seine Meinung hat er über die Jahre hinweg mehrfach in der Presse verlauten lassen.
Zuletzt forderte Hawass im Januar 2011 die Rückgabe der Figur – zum ersten Mal in einem offiziellen Schreiben, wie er sagte. Insgesamt drei Briefe hatte er verschickt: Den ersten an den ägyptischen Außenminister, der ihn wiederum an den Botschafter weiterleiten sollte. Den zweiten an den deutschen Botschafter in Kairo, und der dritte Brief ging an Hermann Parzinger, den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Da jedoch kein Schreiben an die Bundesregierung gerichtet worden war, gilt Hawass Rückgabeforderung nach Angaben des Auswärtigen Amts nicht als offiziell. Die Forderung wurde daher zurückgewiesen.
Tatsächlich waren unersetzbare Exponate verschwunden, wie die beiden Experten mit einem Blick auf die zerstörten Vitrinen gesehen haben mussten – darunter zwei vergoldete Tutanchamun-Statuen. Und nun steht Hawass in dem Verdacht, die brisanten Informationen bewusst verschwiegen zu haben, um das bedrängte Regime von Hosni Mubarak nicht noch weiter zu schwächen. Erst zwei Wochen später, nach dem Sturz des Präsidenten rückte er mit der Wahrheit heraus und löste die Fahndung aus – die Diebe aber sind längst über alle Berge. Es fehlen 18 Exponate, räumte er ein, und wahrscheinlich sind es noch mehr.
Und so könnte der umtriebige "Indiana Jones", der sogar Präsident Barack Obama bei dessen Besuch in Kairo die Pyramiden zeigte, bald zu den nächsten Opfern der Revolution am Nil gehören. Dabei hat sich Hawass in den letzten Jahren große Verdienste erworben. Unter seiner Regie wurden die ersten Generationen von ägyptischen Archäologen ausgebildet, die allerdings nun zu Hunderten auf der Straße stehen, weil der Staat sie nicht alle beschäftigen kann. Im Tal der Könige bei Luxor gibt es inzwischen die erste Grabung, die unter seiner Leitung allein von ägyptischen Ägyptologen betrieben wird. Auch hat der 63-Jährige mit dem Chaos bei den ausländischen Grabungslizenzen aufgeräumt und viele der Monumente und Tempel besser geschützt, darunter die Pyramiden von Gizeh.
Aus einer korrupten, ignoranten und willkürlichen Bürokratie formte er innerhalb weniger Jahre eine effiziente und fachgerechte Verwaltung, wie ihm viele ausländische Experten bescheinigen. Ein Netz von Regionalmuseen wurde in Angriff genommen sowie das neue große Nationalmuseum in Gizeh geplant. Und nicht zuletzt hat der umtriebige Medienstar die Pharaonenzeit bei der ägyptischen Bevölkerung populär gemacht. Waren zu Beginn seiner Amtszeit 2002 nur zwei Prozent aller Museumsbesucher Einheimische, sind es heute deutlich mehr als zehn Prozent.
Er habe inzwischen die meisten seiner Bücher und persönlichen Unterlagen aus seinem Büro abtransportieren lassen, vertraute Zahi Hawass kürzlich einem seiner Besucher an. Und während vor dem Haupteingang die Demonstranten seinen Rücktritt forderten, verschwand er eilig durch die Hintertür.
- Datum 16.02.2011 - 15:35 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
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bei denen, wie es heißt nur Goldobjekte gestohlen wurden – was befürchten lässt, dass diese von den Räubern eingeschmolzen werden könnten – wird die Chancen, ins Ausland verbrachte Altertümer nach Ägypten zurückzuholen stark verschlechtern.
Das Museum während der Proteste am davor liegenden Tahrir-Platz nicht ausreichend gesichert zu haben, ist unverzeihlich. Der Bau ist umzäunt und mit div. Sicherheitsfunktionen ausgestattet, es hätte lediglich eines kompetenten Krisenmanagements bedurft.
Dass Hawas in gutem Kontakt zu Mubarak gestanden hat kann m.E. jedoch kein Kritikpunkt sein. Die Vermittlung von Wissenschaft und Öffentlichkeitsarbeit kann nicht ohne Wohlwollen der Machthaber gelingen.
sind aber immer auch mit Deutung und Interpretation verbunden, und da spielt dann die eigene Integrität schon eine Rolle - wie man gerade auch an Guttenberg sieht
sind aber immer auch mit Deutung und Interpretation verbunden, und da spielt dann die eigene Integrität schon eine Rolle - wie man gerade auch an Guttenberg sieht
sind aber immer auch mit Deutung und Interpretation verbunden, und da spielt dann die eigene Integrität schon eine Rolle - wie man gerade auch an Guttenberg sieht
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