NaturkundeHanns Zischler – allein im Museum

Über Jahre hinweg durchstreifte der Schauspieler Hanns Zischler verborgene Trakte und Sammlungen des Berliner Naturkundemuseums. Heraus kam das Buch "Vorstoß ins Innere". von Christina Tilmann

Museum in Berlin als das Naturkundemuseum . Nicht nur, weil die Wunder der Natur, die es in überwältigender Fülle zeigt, Rätsel genug enthalten, von deren Lösung der Mensch auch heute nur träumen kann. Sondern auch, weil das Haus an der Invalidenstraße, das im vergangenen Jahr sein 200. Jubiläum feierte, selbst an jeder Ecke Geheimnisse birgt.

Es gibt kaum ein geheimnisvolleres

Anzeige

Für diese Geheimnisse hat sich nun ein besonderer Hobbyforscher begeistert: Hanns Zischler, der Berliner Schauspieler, Autor, Verleger und findige Erkunder der Seitenwege der Kulturgeschichte, hat fünf Jahre lang Streifzüge durch die verborgenen Innenwelten des Naturkundemuseums unternommen. Entstanden ist dabei ein höchst anregendes, lehrreiches Wissenschaftsbuch, das den neugierigen Blick des Laien mit dem vielfältig verzweigten Wissen der Fachleute vereint. Heute wird es im Naturkundemuseum vorgestellt.

Am Anfang stand ein Frustrationserlebnis. Hat der Besucher den prächtigen Lichthof mit seinen Saurierskeletten durchschritten, steht er in den monumentalen Treppenhäusern vor Absperrungskordeln: Der Weg ins Obergeschoss ist verwehrt. Oder wenn er doch gestattet ist, endet er oben vor verschlossenen Türen, hinter denen man fleißige Wissenschaftler forschen sieht.

Das Berliner Naturkundemuseum ist seit seiner Gründung zweigeteilt: Im Erdgeschoss die Schausammlung für den interessierten Besucher. In den Obergeschossen die Depots, die der wissenschaftlichen Forschung dienen. Die Käfersammlung mit ihren sechs Millionen Exemplaren, die ausgestopften Vögel und Meerestiere, hier lagern sie zum Teil noch in den Regalen und Kartons der Erbauungszeit. Wissenschaftsgeschichte lässt sich hier ebenso gut studieren wie Naturgeschichte. Nur das Schaudepot des 2010 wiedereröffneten Ostflügels vermittelt auch dem normalen Besucher einen Einblick in die Fülle des Archivs.

Diese Zweiklassen-Hierarchie war schon zur Erbauungszeit umstritten: Die prächtigen Treppenhäuser künden davon, dass das ganze Haus ursprünglich für Besucher geöffnet sein sollte – erst kurz vor der Eröffnung schwenkte die Museumsleitung um. Doch auch der ehemalige Generaldirektor Reinhold Leinfelder plante, Teile der verschlossenen Räume als Schaudepots zugänglich zu machen. Bis dahin darf man sich getrost Hanns Zischler und seinen Mitarbeitern als Cicerone anvertrauen. Sie haben, in einer DVD-Rom, die sie dem Buch im Schuber beilegen, Streifzüge durch das Museum ermöglicht und verschlossene Türen geöffnet.

Da steht man mit einem Ornithologen im Vogelsaal, und er ahmt den Gesang der ausgestopften Tiere nach. Oder man streift durch die Weltkriegs-Ruine des Ostflügels, die vom Architekturbüro Diener & Diener gerade erst wiederaufgebaut wurde. Der Fuß eines 1838 in Potsdam mit Blausäure vergifteten Elefanten, ein in Alkohol eingelegter Lurch aus der Sammlung der Nasspräparate, ein Ou-Vogel aus Hawaii oder gläserne Modelle von Tiefseeorganismen schweben als Sonderthemen im virtuellen Museumsraum – man kann sie sich sozusagen selbst aus dem Regal holen.

Leserkommentare
  1. Schöner Artikel, da wird mir die ZEIT doch fast wieder angenehm...so was liest man sonst nirgends, weiter so!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Albrecht Dürer | Vladimir Nabokov | Berlin | Hawaii | Potsdam | Südamerika
Service