Von floureszierenden Kaninchen und leuchtenden Fischen
© www.glofish.com

Diese Fische leuchten im UV-Licht. In Amerika sind die Glofishs im Handel erhältlich
Der amerikanische Künstler Eduardo Kac hatte noch ein Labor beauftragt, das Gen für GFP, ein grün fluoreszierendes Eiweißmolekül, das aus einer Quallenart stammt, in das Erbgut eines Kaninchens einzubauen. Mit dem fluoreszierenden Nagetier "Alba" machte er 2000 Schlagzeilen. Eigentlich sollte "Alba" Kacs Haustier werden, doch das Labor löste diese Vereinbarung mit Kac angesichts der kritischen öffentlichen Diskussion auf.
Was vor zehn Jahren die Gemüter erregte, ist heute allerdings Alltag. In Amerika etwa sind unter dem Namen "GloFish" genetisch veränderte Zebrafische erhältlich, die unter UV-Licht rot, grün oder gelb leuchten. Die genetische Veränderung von Lebewesen aus rein ästhetischen Gründen ist alles andere als neu. Der Mensch hat Hunde über Jahrhunderte gezüchtet, um sie groß oder klein, hell oder dunkel, lang- oder kurzhaarig aussehen zu lassen. Nur sind heute radikale Veränderungen viel schneller möglich. Und die nötige Technik wird immer billiger.
Die Studenten von "ArtScience Bangalore" haben sich viele ihrer Geräte sogar selbst hergestellt. Wasserbäder aus Eimern und Aquariumsheizungen, Zentrifugen aus Küchenmixern. "Im Grunde sind viele dieser Geräte für sehr wenig Geld zu produzieren", erklärt Yashas Shetty, einer der Betreuer des indischen Teams. Üblicherweise kostet eine Zentrifuge etwa 8000 Dollar. Die Künstler um Shetty bauen sie für wenige hundert Dollar. Sie haben sogar ein kurzes Handbuch entworfen: "Synthetische Biologie für Künstler und Designer." Das online zugängliche Büchlein erklärt die Grundlagen im Umgang mit DNS. "Das Leben wird zum Medium", sagt Kumar. Schon deshalb, weil die Möglichkeiten dafür sich immer weiter verbreiten.
Dass diese Form der Manipulation des Lebens möglicherweise gar nicht mehr aufzuhalten ist, thematisierte Kac in einem Werk namens "Genesis". Er hatte ein berühmtes Bibelzitat in codierter Form in das Erbgut eines Bakteriums eingeschleust: Der Mensch solle "herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht".
Betrachter, denen diese genetische Form menschlicher Selbstverherrlichung missfiel, konnten eine UV-Lampe einschalten, deren Licht Mutationen auslöst und so die Nachricht im Bakterium verändert. Das Kunstwerk wird vom kritischen Betrachter ausgelöscht. Allerdings nur, indem der Mensch einmal mehr seine Macht über die Natur behauptet.
Dieser Artikel ist der vierte einer fünfteiligen Serie. In ihr widmet sich der Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt dem Thema "Synthetische Biologie", ihren Chancen und Risiken – und den Forschern, die das Feld vorantreiben, den "Ingenieuren des Lebens" (Folge 1). In der nächsten und letzten Folge geht es um ethische Fragen und Risiken der synthetischen Biologie.
- Datum 01.03.2011 - 13:44 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...und mir wird schon schlecht...
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