Umfrage : Wie Tierversuchsgegner Forscher ängstigen

Pharmazie, Biologie, Krebsforschung: Tierexperimente sind in manchen Feldern unerlässlich. Gegner bringt das auf die Barrikaden. Aber müssen Forscher sich bedroht fühlen?
Labormäuse in einer medizinischen Forschungseinrichtung © China Photos/Getty Images

Wie kann man den Tieren so etwas antun? Ist die Quälerei wirklich nötig? In der Öffentlichkeit scheinen viele Tierversuche sehr umstritten. Bilder von Laborratten und -mäusen, die für die Forschung leiden, wecken oft Abscheu und Unverständnis. In manchem Tierrechtsaktivisten kocht die Stimmung so hoch, dass sie Wissenschaftlern, die an und mit Tieren forschen, Gewalt androhen. 

Wie sehr sich Forscher bedrängt fühlen, zeigt eine Befragung des Wissenschaftsmagazins Nature , die gerade erschienen ist . Die nicht-repräsentative Umfrage skizziert die Lage, in der sich Tierversuchsforscher heute teils noch befinden. 980 Personen nahmen teil. 70 Prozent von ihnen (689) gaben an, selbst an Tieren zu forschen. Wiederum ein Viertel davon hat bereits negative Erfahrungen mit Tierversuchsgegnern gesammelt, sei es durch Proteste vor dem Labor, Vandalismus, der Befreiung von Versuchstieren bis hin zu körperlicher Gewalt.

Doch warum fühlen sich so viele der Befragten bedroht? "In den USA und in England sind radikale Tierversuchsgegner gewaltbereiter als hier", sagt Stefan Treue vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen . "Die Befragungsergebnisse decken sich mit den Berichten, die ich von Kollegen und aus den Medien erhalten habe." Treue forscht selbst an Affen. Seine Arbeit sei durch Tierschutzgegner in Deutschland nicht eingeschränkt. "In Deutschland scheint es weniger gewaltbereite Aktivisten zu geben als etwa in England oder in den USA", sagt Treue. Extreme Fälle, wie der des Neurobiologen Andreas Kreiter aus Bremen , seien eher die Ausnahme in Deutschland. Kreiter und seine Familie musste zeitweise unter Polizeischutz gestellt werden, da sie Drohbriefe von Tierschützern erhalten hatten, die seine Forschung an Affen kritisierten. "Ein Großteil der Bevölkerung ist nicht ausreichend informiert und steht den Tierversuchen deswegen ablehnend gegenüber", sagt Treue.

Wissenschaftler, die an Tieren forschen, haben es nicht leicht. Zunächst sind da die ethischen Bedenken, die eigenen wie die der anderen. Ab wann ist es wirklich nötig, einen Tierversuch zu machen? In der angewandten Forschung ist die Frage mitunter leichter zu beantworten als in der Grundlagenforschung, da die Tests durch eine konkrete Anwendung gerechtfertigt werden können. Etwa um herauszufinden, wie geeignet ein neuer Wirkstoff ist. Von einer derart nahen Anwendung sind die Grundlagenforscher weit entfernt. Ob eine Studie zu einem verwertbaren Ergebnis führt, ist häufig ungewiss.

Trotz aller Fortschritte – ganz verzichten können Forscher auf Tierversuche bis dato nicht. 2,8 Millionen Wirbeltiere wurden allein 2009 für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt, offenbaren die Daten des Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) . Von zehn Versuchstieren sind neun Nagetiere, wie etwa Mäuse, Ratten und Hamster. Man bemühe sich zwar alternative Methoden anzuwenden, jedoch sei dies nach dem derzeitigen Stand der Forschung oft nicht möglich, etwa wenn es darum geht, medizinische Wirkstoffe vor ihrer Markteinführung zu testen. In der Nature -Umfrage spricht sich eine klare Mehrheit der Wissenschaftler (90 Prozent) für Tierversuche in der biomedizinischen Forschung aus.

Im Vereinigten Königreich sollten Forscher jedoch vorsichtiger sein – so scheint es –, wenn sie sich öffentlich zu Tierexperimenten bekennen. In Nature schildern Tipu Aziz und John Stein vom John Radcliffe Hospital in Oxford ihre Erfahrungen. Sie berichten, wie Aktivisten 2004 den Leichnam einer Forscherin exhumierten. Sie hatte Meerschweinchen gezüchtet, die sich für Laborforschung besonders eignen. Der Neurobiologe Colin Blakemore verteidigte seine Tierversuche öffentlich und bekam die Aggression seiner Gegner voll zu spüren. Maskierte griffen ihn an und seine Kinder erhielten Briefbomben.

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Kommentare

80 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Korrelation von Daten

"Bekanntlich steigt in Asien die Krebsstatistik, seitdem die Asiaten infolge boomender Wirtschaft die schlechten Gewohnheiten der westlichen Welt nachahmen und vermehrt Fleisch essen."
Es gibt auch eine US-Statistik, wonach das Längenwachstum der Bevölkerung auffällig mit der Verwendung von Aluminium korreliert. Demnach hätte also die DDR-Bevölkerung durch den täglichen Kontakt mit Alu-Münzen und mit Alu-Bestecken körperlich deutlich größer sein müssen als die in der alten BRD... na ja, einfach mal die Quellen kritisch hinterfragen.

Also ich verstehe schon....

....dass man Angst haben könnte vor Tierschützern. Auch gegen Abtreibungsärzte kann ich Anschläge verstehen. Ich bin dagegen, aber da geht es um tiefe Überzeugungen und Emotionen. Da gibt es keinen Kompromiss und es gibt keine Aussicht sich durchzusetzen. Das ist etwas, das wir hier gerne vergessen, aber es gibt Menschen, die ihre Werte nicht relativieren und ernst Tod nehmen.

Möchtegerndiktatoren

'...da geht es um tiefe Überzeugungen und Emotionen. Da gibt es keinen Kompromiss und es gibt keine Aussicht sich durchzusetzen. Das ist etwas, das wir hier gerne vergessen, aber es gibt Menschen, die ihre Werte nicht relativieren und ernst Tod nehmen.'

Ja, so etwas gibt es. Man bezeichnet es gemeinhin als 'totalitäre Einstellung', wenn man seine eigene Meinung ohne demokratische Legitimation dem ganzen Rest des Volkes aufzwingen will. Zur Hölle mit dieser Pest der Möchtegerndiktatoren!

Eigentlich nennt man das nicht totalitär....

....sondern Selbstverteidigung gegen ein totalitäres System.

Denn es geht hier zumindest im Falle der Abtreibung um einen aus religiöser Sicht Massenmord, den der Staat mit öffentlichem Geld fördert. Selbst in Ländern, die die Abtreibungen nicht aus Steuergeldern bezahlen und die anderen Bürger daher keine Mittäter sind, entsteht die Frage, ob man tatenlos daneben stehen darf, wo Massenmord begangen wird. Diese Frage wurde den Deutschen nach 1945 gestellt und den UNO Soldaten in Rwanda.

Oh, ich verstehe, dass da einige Leute mit Gewalt reagieren, denn wenn man absolute Werte anerkennt wie bspw menschliches Leben.... Oder ist das kein Wert für Sie?

Menschliches Leben.

Nur geht es hier nicht um menschliches Leben. Es geht um Tiere. Und in einigen Bereichen sind Tierversuche in der Tat unerlässlich, weil es nicht zu verantworten wäre dafür Menschen her zu nehmen. Beim Großteil - Farben für Nahrungsmittel, oder die fünfzigste Margarine oder Kosmetika usw. usf. - sind die Versuche aber überflüssig und ich finde es durchaus richtig, dann dagegen anzugehen. Und ob die Wissenschaftler schließlich Angst davor haben, ist mir ziemlich egal.

Das ist wahr....

....ich war lediglich auf eine Fragestellung ausgewichen, um die Frage klarer zu machen. Wie bei der Definition des Menschen bez der Abgrenzung der Rechte unterschiedlicher Zustände menschlichen Lebens, ist bei Tieren die Sache ähnlich. Es gibt Menschen, denen die von der Gesellschaft getroffenen Abgrenzungen einen tiefen Gewissenskonflikt und für manche einen Religiösen verursacht. Den Menschen können wir nicht in den Kopf schauen. So wissen wir nicht, wie ernst sie das Thema wirklich nehmen.

Ich gebe Ihnen vollständig recht, dass es zweifelhaft scheint, Tieren Rechte einzuräumen. Das tut unsere Gesellschaft jedoch. So ist es lediglich noch eine Frage, wo diese Rechte einsetzen sollen. Haben Menschen sehr tiefe moralische Bedenken, so muss man erwarten, dass sie sich ggf mit Gewalt einsetzen, wie die Atomkraftgegner oder 21 Gegner dies auch tun. Den Grad der gewählten Gewalt ist wiederum für mich fragwürdig, aber er ist schon verständlich und erwartbar.

Wie man als Gesellschaft darauf reagieren soll, wäre zu überlegen.

Nun ist das zwar off Topik aber zu...

....wichtig um unkommentiert zu bleiben:

In die pakistanischen Stammesgebiete zu reisen ist sicherlich eine mögliche Reaktion. Haben Sie etwas dagegen? Das finde ich nämlich nicht schlimm und war etwas entsetzt, als man solches uvm kriminalisierte. Wenn er zurückkommt und hier Verbrechen an Menschen oder Sachen tatsächlich begeht, kann man ihn erschießen.

Wir sind eine Demokratie. Da muss jedem Bürger erlaubt sein, jeder Erfahrung zu machen, die er glaubt machen zu müssen. Darf er das nicht, kann er die Sache nicht beurteilen. Er kann nicht einmal jemanden fragen oder einen Artikel lesen dazu. Dass der Bürger aber Dinge richtig beurteilt ist eine notwendige Bedingung der Demokratie, wenn sie richtig funktionieren soll.

Will man natürlich nicht Demokratie sondern lediglich xenophob wehrhaft sein, ist das eine legitime Meinung. Aber dem Staat so viel Macht zu geben? Ich finde sie gefährlich und (so man nicht selbst Diktator werden will) schwachsinnig aber wie der schwarze Ami sagte: "Power to the People!".

Da haben Sie völlig recht,...

....solange man die Verfassung befolgt. Dort wird bspw Freiheit Religionsausübung zugesagt.

Nun wollte ich ja nicht befürworten, dass Leute anfangen sollen Abtreibungsärzte und Tierversuche durchführende Personen lynchen sollten dürfen. Aber es ist wichtig zu verstehen, wie seine Gesellschaft funktioniert und wozu seine Regel führen können, wenn man gute Gesetze machen will. So versuche ich zumindest zu verstehen, was die Menschen treibt.

Anschläge veständlich?

"Auch gegen Abtreibungsärzte kann ich Anschläge verstehen. Ich bin dagegen, aber da geht es um tiefe Überzeugungen und Emotionen."
Wes Geistes Kind sind Sie eigentlich? Denken Sie lieber noch einmal darüber nach. Sind "tiefe Überzeugungen und Emotionen" eine Rechtfertigung für Anschläge (in einschlägigen Ländern handelt es sich hier um Morde)?
Was für ein Hafengesang!

"informieren"

Und vielleicht solte man sich nicht nur durch ausschließlich negativ eingestellte Quellen informieren.

Tierversuche sind für die Medizinische Forschung unumgänglich. Nicht jeder Tierversuch ist sinnvol, und das Leiden der Tiere sollte minimiert werden.
Jedoch: Wie genau soll ein Herzinfarktmodell in Zellkkultur aussehen? Wie genau sollen Nebenwirkungen und Toxizität eines neuen Medikaments geprüft werden, bevor man in den Versuch beim Menschen geht?
Natürlich sind die Daten, die Tierstudien liefern, nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar; doch liefern sie Hinweise, die für die Entwicklung neuer Medikamente unschätzbar wichtig sind. Oder wollen sie Substanzen die sich im Tierversuch als giftig herausstellten Menschen geben, da ja die Ergebnisse nicht übertragbar sind?

Sinnloses Leid bei Tieren hervorzurufen ist unmoralisch. Wenn das Leiden eines Tieres jedoch dazu führt, das ein Menschenleben gerettet wird, so wäre es eher bedenklich, den Menschen mit Hinweis auf die Leiden des Tieres sterben zu lassen.

Niemand, der gegen Tierversuche ist boykottiert sie überdies Konsequent: Mich würde ja interessieren, welcher Gegner von Tierversuch es ablehnt, Medikamente zu akzeptieren, die im Tierversuch erprobt wurden (= alle in Deutschland zugelassenen Medikamente), wenn z.B. das eigene Kind mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus liegt. Dies wäre dann wirklich unmoralisch.

gruß
Falke

Und hier zeigt sich zum wiederholten Male,

nicht nur wie grausam das millionenfache Leiden von Tieren für Tierversuche mit Medikamenten ist, sondern auch, wie gefährlich, denn Tierversuche gaukeln eine Sicherheit vor, die nicht existiert, den Menschen und Tiere sind unterscheiden sich grundlegend. Wenn schon Männer und Frauen unterschiedlich reagieren und Kinder auch nicht einfach nur kleine Erwachsene sind, wie groß ist da der Unterschied zu Tieren.
http://www.tierschutznews...
Und dann gibt es ja noch die vollkommen sinnfreien, aber die Publikationsliste füllenden "Untersuchungen" (einfach mal ein bisschen in der Datenbank herum lesen).
Es ist immer wieder entsetzlich, was Tieren zugefügt wird, wenn irgendeine einflussreiche Lobby meint, ihre Interessen stellten einen vernünftigen Grund dar, die die "Ausnahme" vom Tierschutz-Gesetz rechtfertigt. Die Ausnahmen sind die Regel und das "Tierschutz"-Gesetz ist de facto ein Tierquälerschutz-Gesetz.
http://www.spiegel.de/wis...