Synthetische Biologie Wie Forscher den Bausatz des Lebens neu entwerfen
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In Zukunft sollen Zellen Giftstoffe und Keime detektieren

Hasty geht es aber nicht um ein Leuchtspektakel. Er hofft, dass derartige Zellen eines Tages als Biosensor eingesetzt werden können, indem sie zum Beispiel mit einem Molekül kombiniert werden, das Arsen detektiert. "Je mehr Arsen im Wasser ist, umso schneller blinken die Zellen dann und wenn kein Arsen im Wasser ist, blinken sie gar nicht."

Dasselbe könnten die Zellen hoffentlich auch mit Krankheitserregern machen, sagt Hasty. "Wenn Sie so etwas in der Dritten Welt haben und Sie tun nur ein paar Tropfen Wasser darauf und das zeigt Ihnen, was im Wasser ist, das wäre riesig." Bisher blinken die Zellen aber nur. "Das alleine hat mehr als vier Jahre Arbeit gekostet", sagt der Forscher.

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So viel Zeit haben die IGEM-Teilnehmer nicht und darum geht es bei den Wettbewerbern in Boston mindestens so sehr um ehrgeizige Ziele wie Ergebnisse, um Ideen, nicht Daten. Aber Ideen haben eine ungeheure Macht über Menschen. Und dass die meisten Fantasien, die hier präsentiert werden, bald umgesetzt werden können, daran zweifelt niemand, am wenigsten die Studenten.

Morgan Paull vom IGEM-Team der Universität Harvard steht in einer grünen Joggingjacke vor einem Poster seiner Arbeit. "Ich kann immer noch nicht glauben, dass es das hier tatsächlich gibt", sagt er. Vor wenigen Minuten stand er mit seinen Mitstreitern des Harvard-Teams noch am Pult eines Auditoriums, und präsentierte einen ganzen Experimentierkasten, werbewirksam iGarden genannt. Er soll es Laien ermöglichen, Pflanzen zu züchten, deren Blüten bestimmte Farben haben und die bestimmte Geschmacksstoffe beinhalten. Das ganze Team trug grüne Joggingjacken. Corporate Identity wird bei IGEM groß geschrieben.

Vor einem Jahr studierte Paull an der Elite-Uni noch Politik und Wirtschaft. "Dann habe ich in der New York Times einen langen Artikel über IGEM gelesen und dann wusste ich, das möchte ich machen", erzählt er. Paull wechselte zur Biologie und meldete sich im Frühjahr gleich für das IGEM-Team an. Was ihn fasziniert habe, sei der Gedanke, die Regeln elektrischer Ingenieurkunst auf Lebewesen anzuwenden, sagt er. Er sei zu spät geboren, um an den Anfängen der Chemierevolution oder der Computerrevolution mitzuarbeiten. "Aber diese Welle ist noch nicht gebrochen. Die Biologie ist so ungeheuer mächtig und ich könnte zur ersten Gruppe von Forschern gehören, die sie wirklich als Technologie nutzen."

IGEM ist vieles, vor allem aber eine Werbeveranstaltung für die Synthetische Biologie, eine Ideenschmiede für Leben vom Reißbrett: Leuchtende Bäume als Straßenlampenersatz, Darmbakterien, die Cholerabakterien verjagen, Mikroben, die den Mars bewohnbar machen. Was hier diskutiert und präsentiert wird, das ist nicht morgen in allen Labors und Läden. Aber es umreißt, was mit mehr Zeit, mehr Geld, mehr Anstrengung vielleicht machbar ist. Im Guten und im Schlechten. Nicht umsonst trifft man hier ebenso Experten von Unternehmensberatungen wie von FBI und UNO. Der IGEM-Wettbewerb zeigt eine Welt von morgen und die wichtigsten Lebewesen, die hier gezüchtet werden, sind nicht genveränderte Bakterien sondern motivierte Forscher, die diese Welt möglich machen wollen.

Dieser Artikel ist der erste einer fünfteiligen Serie. In ihr widmet sich der Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt dem Thema  "Synthetische Biologie", ihren Chancen und Risiken – und den Forschern, die das Feld vorantreiben, den "Ingenieuren des Lebens".

 
Leser-Kommentare
  1. Einen Goldfisch, der leuchtet zu produzieren zu können? Der dann aufgrund seines Eigenleuchtens an Schlafmangel stirbt.
    Oder denkt ihr wirklich, das ihr die Schöpfung verbessern könnt? http://www.pensionhotel.d... Geht da mal Essen, dann seht ihr, die Natur ist bereits perfekt.
    Ihr Wissenschaftler versucht zu schreiben, obwohl ihr nicht mal die Buchstaben kennt. Der Biochemische Programmatische Taschenspielertrick mag euch zwar Fördergelder bringen, aber von der Verantwortung eines Godzilla oder eines Biologischen Totalschadens entbindet es euch nicht.
    Chimären gab es schon, bei den Griechen, Mischwesen, aus Mensch und Stier, Mensch und Pferd. Und letzendlich habt ihr für solche Unterfangen nicht genug Lebenszeit. Daher, macht was sinnvolles, geht gut Essen oder Besucht eure Verwandten.
    Biologie ist eher mit Pharmazie zu verbinden, denn gegen jedes Wehwehche ist ein Kraut gewachsen. Aber die Gier der Menschen hat die Apotheke der Welt schon beinahe niedergebrannt, Südamerika und seine wunderlichen Pflanzen. Möglicherweise findet ihr noch etwas was nützlich ist, aber da glaube ich ehr an Käferforscher als an euch Scharlatane. Etwas zu verändern, für das es kein Werkzeug gibt, das fein genug wäre ist schon seltsam, bedenkt man, das ihr zum Erhalt eurer Fördergelder immer nur Computersimulationen hinzuzieht.

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    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 17.02.2011 um 13:36 Uhr

    Er sieht im Dunklen bestimmt sehr schön aus, solange er lebt.

    • joG
    • 17.02.2011 um 13:36 Uhr

    Er sieht im Dunklen bestimmt sehr schön aus, solange er lebt.

  2. Kleine Zeitbomben, die eine gewisse Konzentration im Körper abwarten, um zu "zünden"
    Bakterien in der Luft, die über Triggerereignisse aktiviert werden und Gifte ausschütten können.
    Kleine Helfer, mit denen Botenstoffe im Körper gezielt umgebaut oder vernichtet werden können.
    Der menschlichen Fantasie sind mal wieder keine Grenzen gesetzt.
    So "liebt" das gnaze gemeint ist, mir jagt es nur einen gehröigen Schrecken ein, denn wie alles was der Mensch anpackt, wird IRGENDWANN diese Technik funktionieren. Ich hoffe nur, dass ich bis dahin von normalen Bakterien und Würmern zernagt worden bin.

    • joG
    • 17.02.2011 um 13:36 Uhr

    Er sieht im Dunklen bestimmt sehr schön aus, solange er lebt.

  3. Früher hiess das Feld "Biotechnologie", heute heisst es "Synthetische Biologie". In jedem Fall geht es darum, bestehende Bausteine neu zusammen zu setzten und damit etwas neues zu erzeugen, auch wenn das heute naturgemäss schneller, besser und komplizierter geht als noch vor 10 oder 20 Jahren.

  4. sonst haette sie sich nicht derartig vermehrt dass die Lebensbereiche, Ackerflaechen, Rohstoffe ueberfordert und geschaedigt sind, Meere und Athmosphaere schwer verunreinigt und geschaedigt sind, die Natur incl. Wildtuere, Pflanzen immer mehr ihren Lebensraum verlieren.

    Wofuer - fuer eine anspruchsvolle Gattung, die man faelschlicherweise, die Krone der Schoepfung nennt, in Wirklichkeit aussser der Gehirnkapatzitaet, vielen Arten hinterherhinkt, was vernuenftiges Verhalten im Einklang mit der Natur anbelangt,
    zB mit freiwilliger Beschraenkung des Nachwuchses, um ein Gleichgewicht zu erhalten.

  5. 6. Wozu?!

    Warum hat jeder was gegen Innovationen?
    Klar, jetzt kann man mit den erzielten Forschungsergebnissen noch nicht viel anfangen, aber vor 50-60 Jahren hat man sich auch die frage gestellt, wozu man einen Computer braucht. Erfolge waren auch nicht von heute auf morgen zu vernehmen.
    Wenn man mittels der Biologie nützliches schafft, was den Menschen das Leben erleichtert, aber auch der Natur Vorteile bringt - warum nicht?
    Sobald es Innovation gibt wird sie gleich verschrien oder mit dem Weltuntergang gedroht (ist [Supercomputer] Watson der Anfang vom Ende? Ein uns überlegener, in Bezug auf abrufbarem Wissen, Computer und damit der Untergang der Menschen?) Wenn wir so etwas mechanisch bzw. technologisch herstellen können, warum nicht irgendwann biologisch? Wenn man irgendwann die Basics beherrscht, kann ich mir vorstellen, dass die Entwicklung auf diesem Gebiet ähnlich rasant wie die der Computer (Handys, Tablets,...) abläuft - und die braucht ja auch niemand, nicht wahr? ;-)

  6. Das ist doch nichts neues Mehr ! Es wird Jahr für Jahr wieder als Sensation verkauft. DIe "Biologie" ist selbst in Deutschland mitterlweile eine Ingenieurwissenschafft und die Entwicklung von Zellsystem die einfache "Rechen" Operationen betreiben, sind ebens nicht neu.

    Statt immer vom tollen M.I.T zuschwärmen sollte man sich in Deutschland gedanken machen die Universitäten zu fördern und auszubauen, solange wir noch Wirtschaftlich gut dastehen.

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