Eine Woche bevor der Bundestag eine gesetzliche Regelung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) finden soll, hat sich der Deutsche Ethikrat weder für noch gegen die umstrittenen Tests an Embryonen ausgesprochen. Das Gremium legte nun eine zweigeteilte Stellungnahme zur PID vor.

Eine Gruppe von 13 der 26 Ratsmitglieder erklärte, die PID sei unter bestimmten Einschränkungen ethisch gerechtfertigt. Elf weitere Mitglieder befürworteten hingegen ein Verbot der PID. Ein Vertreter des Ethikrates enthielt sich, ein anderer gab ein Sondervotum ab.

Die Befürworter der PID im Ethikrat argumentieren in ihrem Votum, mit der Methode könne Paaren geholfen werden, "die aus genetischen Gründen wiederholte Fehl- oder Totgeburten erlebt haben". Außerdem könnten Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden. Die PID-Gegner im Ethikrat wenden in ihrem Votum ein, durch PID könne menschliches Leben aufgrund unerwünschter Eigenschaften verworfen werden. Außerdem könne die Anwendung auch bei einer zunächst engen Begrenzung nach und nach ausgeweitet werden.

Bei der PID können im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor dem Einpflanzen in den Mutterleib mit einer Gen-Untersuchung auf Erbkrankheiten untersucht und gegebenenfalls "aussortiert" werden. In Deutschland gilt die Methode bislang als strafbar, weil sie im Embryonenschutzgesetz von 1990 nicht erwähnt wird. In einem Urteil vom Juli 2010 erlaubte der Bundesgerichtshof jedoch eine Auswahl künstlich befruchteter Eizellen bei Paaren mit einer Veranlagung zu schweren Erbschäden. Um die rechtliche Unklarheit zu beseitigen, will der Bundestag nun eine Regelung treffen. Dazu liegen drei Gesetzentwürfe vor, die jeweils Unterstützer aus verschiedenen Fraktionen haben. 

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach sich für eine begrenzte Zulassung der PID aus. "Gerade Paare mit hohem genetischen Risiko brauchen einen Weg, um ihren Kinderwunsch gemeinsam zu erfüllen", erklärte sie. "Es kann nicht sein, dass ein PID-Verbot zu Schwangerschaften zwingt, die dann auch in spätem Stadium legal abgebrochen werden können." Der Ethikrat spiegle das breite Meinungsspektrum in der Gesellschaft wider. "Das kontroverse Stimmungsbild im Ethikrat zeigt, dass der Deutsche Bundestag eine offene Diskussion ohne Fraktionszwang führen muss", sagte Leutheusser-Schnarrenberger.

CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn kritisierte hingegen das Vorgehen des Ethikrates. "Es stellt sich einmal mehr die Frage, wozu es einen Ethikrat braucht. Letzten Endes fasst er die gesellschaftliche Debatte zusammen, nicht weniger, aber auch nicht mehr", sagte Spahn.