MedizinforschungVitamin D, das Sonnenhormon

Allheilmittel Vitamin D? Die natürliche Verbindung schützt nicht nur vor morschen Knochen, sondern vielleicht auch vor Krebs, Diabetes und Infarkt. von Hartmut Wewetzer

UV-Strahlen der Sonne helfen dem Körper, Vitamin D zu bilden

UV-Strahlen der Sonne helfen dem Körper, Vitamin D zu bilden  |  © Crumbcode/Photocase

Eigentlich ist Vitamin D gar kein Vitamin. Die Substanz ähnelt eher einem Hormon, das vom Körper selbst hergestellt wird – mithilfe des Sonnenlichts. Dennoch ist Vitamin D für gesunde Knochen unerlässlich. Aber womöglich kann es noch viel mehr. Viele Studien haben sich in den letzten Jahren mit der Frage beschäftigt, ob die Substanz das Risiko von chronischen Krankheiten wie Krebs, Herz- und Gefäßleiden, Diabetes und Multiple Sklerose verringern kann. Wissenschaftler streiten sich nun darüber, wie viel Vitamin D wir brauchen .

Die bekannteste Vitamin-D-Mangelkrankheit ist Rachitis, erkennbar an verformten Knochen. Heute ist sie in unseren Breiten selten geworden. In den Zeiten der Industrialisierung grassierte sie bei Kindern, die in den sonnenarmen Hinterhöfen der Großstädte aufwuchsen. Vitamin D ist unabdingbar, damit sich die Knochen normal entwickeln und gesund bleiben. Im Mangelfall drohen bei Kindern Rachitis und bei Erwachsenen Knochenerweichung, Osteomalazie, und die im Alter gefürchtete Osteoporose, poröse und brüchige Knochen.

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Die gute Seite der UV-Strahlung

Etwa 80 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs stillen wir mithilfe des Sonnenlichts, den Rest steuern Nahrungsmittel wie fettreicher Fisch (Lachs, Makrele) bei. Die Bildung erfolgt in drei Schritten. Zunächst wandelt die ultraviolette Strahlung der Sonne (UV-B-Strahlung, Wellenlänge 290 bis 315 Nanometer) das Provitamin D3 in das Vitamin D3 um. Vitamin D3 wird dann gemeinsam mit Vitamin D2 aus der Nahrung in der Leber zu 25-Hydroxyvitamin D3 umgebaut. Es kreist von allen Vitamin-D-Spielarten in der höchsten Konzentration im Blut und spiegelt die Aufnahme aus Sonne und Nahrung am besten wider, weshalb es bei Tests bestimmt wird.

In der Niere erfolgt dann der letzte Schritt, die Bildung von 1,25-Dihydroxyvitamin D3, des eigentlich aktiven Vitamins. Es hilft dem Körper, Kalzium und Phosphat aus der Nahrung aufzunehmen und kräftigt Knochen und Muskulatur. Daneben nimmt man an, dass es das Immunsystem stärkt und Zellwachstum steuert.

Doch Vitamin D ist vermutlich weit mehr als ein Knochenhärter. Menschen in südlichen Breiten, die das ganze Jahr über ausreichend Sonne und damit viel Vitamin D bekommen, sterben seltener an Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes und an manchen Krebsformen, etwa bösartigen Darm- oder Brusttumoren. Auch das Nervenleiden Multiple Sklerose tritt seltener auf. Vielleicht liegt’s am Sonnenvitamin, vermuten Forscher.

Hinzu kommt, dass fast alle Organe mit molekularen Andockplätzen für Vitamin D ausgestattet sind. In den Zellen wirkt die Substanz als Schalter, über den an die 1000 Gene gesteuert werden. Vielleicht kann eine reichliche Versorgung mit dem Sonnenhormon über diesen Weg den Körper vor Krankheiten bewahren – so lautet zumindest die Hoffnung.

Beispiel Muskeln. Eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung stärkt die Muskeln und stimuliert ihr Wachstum. Dadurch wird etwa das Risiko von Stürzen bei Älteren verringert.

Beispiel Krebs. Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei einem niedrigen Vitamin-D-Gehalt des Blutes (weniger als 20 Nanogramm an "D25" pro Milliliter Serum) das Risiko für Brust-, Prostata- und Darmkrebs um 30 bis 50 Prozent steigt. Und wie eine Studie im amerikanischen Nebraska ergab, sank das Krebsrisiko bei Frauen jenseits der 55 im ersten Jahr um satte 77 Prozent, wenn sie täglich 1100 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D3 einnahmen.

Doch nicht alle Studien ergaben positive Resultate. Viele Experten sind noch längst nicht überzeugt. So stellte das Nationale Krebsinstitut der USA im Juni 2010 fest , dass es zwar Untersuchungen gebe, in denen die Vitamin-D-Zufuhr mit einem geringeren Krebsrisiko verknüpft war. Aber die Ergebnisse seien beim Darmkrebs widersprüchlich und bei Tumoren im Bereich von Brustdrüse, Prostata und Bauchspeicheldrüse "unklar".

Beispiel Herz-Kreislauf. Mangel an Sonnenlicht oder Vitamin D wird mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Pumpschwäche des Herzens und arterieller Verschlusskrankheit ("Schaufensterkrankheit") in Verbindung gebracht. Studien zeigten, dass bei einer durchschnittlichen Vitamin-D-Gabe von 530 IE pro Tag Herz-Kreislauferkrankungen rückläufig waren. Trotzdem bewerten manche Experten die Ergebnisse noch als unsicher.

Leserkommentare
    • MattW
    • 10. März 2011 22:23 Uhr

    Es ist sehr wichtig, dass sich auch in der Allgemeinbevölkerung ein Bewusstsein für die gesundheitsfördernden Effekte von Vitamin D entwickelt. Ich denke, dieser Artikel dürfte dazu einen Beitrag leisten.

    Die Erkenntnisse über die gesundheitsfördernden Effekte von Vitamin D halten zunehmend auch Einzug in die medizinischen Lehrbücher und in den medizinischen Alltag. Beispielsweise ist neuerdings der aktuellsten Auflage des "Herold", einem Standardlehrbuch der Inneren Medizin, ein Kapitel über Vitamin D gewidmet. Auch an manchen Universitätskliniken (wie z.B. in der Akutgeriatrie des Unispitals Basel) gehört die Bestimmung des Vitamin D-Spiegels zum geriatrischen Assessment standardmässig dazu.

    Allen Interessierten lege ich 2 Links ans Herz:

    Das eine ein Review-Artikel, der im NEJM publiziert wurde
    "The Vitamin D Deficiency", Holick 2007

    http://christinacooks.com...

    Ausserdem eine exzellente Seite mit vielen Infos und kostenlos einsehbaren Studien zum Thema:

    www.vitamindcouncil.com

    • Petka
    • 11. März 2011 7:45 Uhr

    So weit ich weiß, wird in den USA so gut wie jede flüssige Milch mit circa 400 IU D3 pro Liter versetzt. Das sollte doch signifikante Unterschiede in den entsprechenden Krankheitsbildern zwischen USA und zB D ergeben. Nicht zu finden? Dann wohl aus den Fingern gesogen.

  1. In Dokument wird auf eine Nebraska Studie verwiesen, wo man mit Vitamin D eine Krebsreduktion von 77% erreicht wurde. Nehme an das bezieht sich auf diese Studie hier:

    http://www.fitnesstipsfor...

    Also in der Placebo Gruppe gab es 20 Krebsfälle, in der Vitamin D Gruppe "nur" 13. Eine Studie, die nur über 13-20 Fälle verfügt, kann nicht ernsthaft von einer statistischen Signifikanz reden. Dazu sind einfach viel zu wenig Fälle berücksichtigt, um eine verlässliche Aussage zu treffen.

  2. Wer sich eingehender mit Vitamin D sowie auch mit den Vitaminen C und E als auch anderen gesundheitlich sehr interessanten und informativen Sachverhalten beschäftigen will, sollte einmal unter

    http://info.kopp-verlag.d...

    nachschauen. Hier haben Leute wie Mike Adams sehr interessante Berichte geschrieben und verweisen auf viele weitere interessante Links.

    Dr. Jens Romba

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sehr geehrter Herr Dr. Romba,

    Sie verweisen auf Informationen aus dem Kopp-Verlag? DEM Kopp-Verlag???

    Allen Interessierten seien auf diese Seiten hingewiesen:

    http://de.wikipedia.org/w...

    "Der Verlag hat sich unter anderem auf Literatur aus dem Umfeld von Esoterik, Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaften spezialisiert."

    und weiter

    http://www.jpberlin.de/tu...

    "In der Bischofsstadt Rottenburg ist der rechts-esoterisch-weltverschwörerische Kopp-Verlag angesiedelt. Bei diesem handelt es sich um einen umtriebigen Verlag, der vor allem mit Konspirologen-Kost, Pseudohistorie und Pseudowissenschaft sein Geld macht. (...) Der Kopp-Verlag verfügt über Anbindung zur extremen Rechten. Neben einer engen Kooperation mit dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag (und früher mit dem rechts-neuheidnischen Arun-Verlag), wird auch in rechten Publikationen Werbung für den Kopp-Verlag geschaltet. Beispielsweise in der nationalliberalen Monatszeitschrift „eigentümlich frei“ oder der ultrarechten Wochenpostille „Junge Freiheit“."

    und last, but not least

    http://www.esowatch.com/g...

    "Das Verlagsprogramm beinhaltet vor allem Bücher der Bereiche Esoterik, Verschwörungstheorien, Ufologie, aber auch Alternativmedizin und Pseudowissenschaften. Angeboten werden auch Werke von bekannten Antisemiten oder Propagandisten brauner Esoterik."

  3. Sehr geehrter Herr Dr. Romba,

    Sie verweisen auf Informationen aus dem Kopp-Verlag? DEM Kopp-Verlag???

    Allen Interessierten seien auf diese Seiten hingewiesen:

    http://de.wikipedia.org/w...

    "Der Verlag hat sich unter anderem auf Literatur aus dem Umfeld von Esoterik, Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaften spezialisiert."

    und weiter

    http://www.jpberlin.de/tu...

    "In der Bischofsstadt Rottenburg ist der rechts-esoterisch-weltverschwörerische Kopp-Verlag angesiedelt. Bei diesem handelt es sich um einen umtriebigen Verlag, der vor allem mit Konspirologen-Kost, Pseudohistorie und Pseudowissenschaft sein Geld macht. (...) Der Kopp-Verlag verfügt über Anbindung zur extremen Rechten. Neben einer engen Kooperation mit dem rechtsextremen Tübinger Grabert-Verlag (und früher mit dem rechts-neuheidnischen Arun-Verlag), wird auch in rechten Publikationen Werbung für den Kopp-Verlag geschaltet. Beispielsweise in der nationalliberalen Monatszeitschrift „eigentümlich frei“ oder der ultrarechten Wochenpostille „Junge Freiheit“."

    und last, but not least

    http://www.esowatch.com/g...

    "Das Verlagsprogramm beinhaltet vor allem Bücher der Bereiche Esoterik, Verschwörungstheorien, Ufologie, aber auch Alternativmedizin und Pseudowissenschaften. Angeboten werden auch Werke von bekannten Antisemiten oder Propagandisten brauner Esoterik."

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    wenn man genügend abstand hat, ist auch der verlag eine quelle. man muss eben wie überall selber sortieren. aber mißliebige informationen, entgegen offizieller verlautbarung, bekommt man nur bei schrägen quellen.
    dass die das aus anderen gründen bringen, keine frage.
    das die auch dazudichten, keine frage.

    man bekommt aber auch spuren, die vom mainstream trampelpfad wegführen. da kann man sich dann selber durchs gebüsch schlagen und staunt, was man manchmal entdeckt.

    Wollen Sie den Kopp Verlag gerne geächtet sehen, weil er ein Feld bearbeitet, das in Ihren Augen unseriös ist? Oder wie darf und soll man Ihren Beitrag deuten?

    Ich informiere mich auch über den Kopp Verlag und entscheide dann, ob es für mich wichtig und richtig ist oder ob ich es schmunzelnd zur Seite lege.
    Informieren kann man sich nur umfassend, wenn man nicht mit Scheuklappen oder rosaroter Brille durch das Leben läuft.
    Natürlich gibt es da auch reichlich 'Wildwuchs',kurzfristig ist gerade das oft sehr unterhaltsam ;)

    Jedenfalls sollte man sich keinesfalls von Vorkostern wie esowatch das eigenständige Meinungsbilden abnehmen lassen.
    Meine bescheidene Meinung.

  4. wer das Thema (auf Englisch) vertiefen will, hier den IOM Report von November 2010.

    http://books.nap.edu/open...

    Das ist die umfassendste Untersuchung über Vitamin D der letzen Jahren.

    • MattW
    • 11. März 2011 18:59 Uhr

    @ Alejandro77:

    "The study followed 1,179 healthy women" - es nahmen mehr als Tausend Frauen an der Nebraska-Studie teil!

    Es handelt sich damit um eine große Studie, die im übrigen signifikant ist:

    "When analyzed by intention to treat, cancer incidence was lower in the Ca + D women than in the placebo control subjects (P < 0.03)"

    Da p < 0,05 spricht man von Signifikanz!

    Der Link zur Original-Publikation:

    http://www.ajcn.org/conte...

    Hier noch eine sehr gute Powerpoint-Präsentation zum Thema von Frau Prof. Dr. Bischoff-Ferrari, die am Unispital Zürich zum Thema forscht:

    http://www.vitamindwiki.c...

    Es gibt im übrigen zahlreiche Studien, die einerseits auf molekularer Ebene zeigen konnten, dass Vitamin D antiproliferativ, Differenzierung-induzierend, immunmodulierend und damit antitumoral wirkt.

    Ausserdem konnten zahlreiche retro- wie prospektive Studien zeigen, dass niedrige Vitamin D-Spiegel mit einem deutlich höheren u.a. Krebsrisiko assoziiert sind als hohe Spiegel.

    Dann gibt es u.a. die oben beschriebene prospektive, doppelblinde, randomisierte Interventionsstudie...

    Es gibt Fachkongresse zum Thema (z.B. im Mai 2011 "Vitamin D and Analogs in Cancer Therapy and Prevention" in Homburg) bei denen die Crème de la crème der Vitamin D-Forscher referiert und Krebsgesellschaften (wie in Kanada geschehen) überarbeiten ihre Leitlinien in Bezug auf höhere Vitamin D-Supplementation...

  5. @MattW

    Wenn Sie Daten auf statistische Signifikanz überprüfen dürfen sie nicht nur die grossen Zahlen nehmen, sondern ganz speziell die Ereignisse die sie auswerten wollen.

    Wenn man 1000 Menschen betrachtet ist diese Zahl selbstverständlich gross genug, aber wenn davon "nur" 12 davon Krebs bekommen müssen Sie den Fehler der kleinen Zahl genau so berücksichtigt. Daher ist die Bestimmung des Gesamtfehlers hauptsächlich durch die kleine Zahl geprägt und nicht von der grossen.

    Hier werden zwei Kleine Zahlen verglichen (13 mit Vitamin D, 20 ohne Vitamin D) und daraus ein Verhältnis gebildet. Damit gehen die Fehlerquellen von sowohl der Messgrösse 13 als auch der Messgrösse 20.

    Daraus eine Aussage herzuleiten wie "70% Reduktion der Krebswahrscheinlichkeit" ist schlicht und einfach übertrieben. Würden Sie das Experiment x- wiederholen, würden Sie jedesmal andere Ergebnisse bekommen.

    Werfen Sie einfach 10 Mal eine Münze und erzählen Sie mir, ob wirklich 5 mal genau Zahl und 5 mal genau Kopf bekommen.

    Übrigens, die von Ihnen zitierte Lappe Studie ist eine andere als die von Nebraska, wird aber genau so in der Fachwelt kritisiert. Abgesehen davon, dass die Lappe Studie Vitamin D + Ca gemessen hat und nicht Vitamin D alleine.

    Die IOM ist absolut richtig in der Behauptung, die Datenlage ist alles andere als eindeutig.

    Populärwissenschaftliche Literatur ist da sicherlich eine andere Meinung. Aber dafür gelten ja keine strenge wiss. Regel.

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  • Schlagworte Darmkrebs | Diabetes | Immunsystem | Studie
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