Seit dem Gebührenbeschluss vertreten die Grünen das Thema energisch. Durch die Unterfinanzierung habe Schwarz-Gelb Unis und Fachhochschulen "von Drittmitteln und Studiengebühren abhängig" gemacht, "mit denen die Löcher in den Hochchulhaushalten gestopft werden sollten", heißt es im Wahlprogramm der Grünen. Die Gebühren linderten die Not der Hochschulen, aber belasteten die Studierenden dafür erheblich. Für den Wegfall der Gebühren sollten die Hochschulen "aus Landesmitteln verlässlich finanziellen Ersatz erhalten". Mehr noch: Die Grünen kritisierten im Wahlkampf den "Solidarpakt" von 2007, durch den die Landesregierung die Zuschüsse an die Hochschulen bis 2014 einfrieren wollte.

Ministerpräsident Stefan Mappus hatte der SPD und den Grünen vorgeworfen, "mit Spendierhosen" durch das Land zu gehen. Gebühren seien eine Investition "in noch bessere Bildung". Die SPD hatte erwidert, drei bis vier Prozent der Studierwilligen würden von Gebühren abgeschreckt. Zugleich kündigte sie mehrere teure Projekte für die Hochschulen an: ein "AdHocProgramm 2012", um mehr Studien- und Wohnheimplätze für den doppelten Abiturjahrgang zu schaffen, ein großes Sanierungsprogramm für die maroden Hochschulbauten und einen Anspruch auf Zulassung zu einem Masterstudiengang für alle Bachelorstudierenden.

Mit dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg wird die Zahl der Länder, die Studiengebühren erheben, weiter schrumpfen. Von einst sieben Ländern bleiben dann nur noch zwei: Bayern und Niedersachsen. Vizerektor Heiner Schanz geht nicht davon aus, dass die Abkehr von den Studiengebühren bei einem späteren Wahlsieg der Union wieder rückgängig gemacht werden würde: "Dazu haben wir zu lange darum gerungen."

Erschienen im Tagesspiegel