HochschuleUni Mainz prüft als erste Studiengänge selbst

Die Uni Mainz freut sich über eine Zugewinn an Autonomie. Sie muss ihre Studiengänge nicht mehr prüfen lassen sondern betreibt ein eigenes Qualitätsmanagement. von Anja Kühne

Seminar an der Universität Mainz

Seminar an der Universität Mainz  |  © Uni Mainz

"Muss man in jedes einzelne Brötchen beißen, um zu wissen, ob der Bäcker gut ist?", fragt Georg Krausch, Präsident der Universität Mainz. Natürlich nicht. Es reichen Stichproben und ein genauer Blick in die Backstube. Was für Bäckereien selbstverständlich ist, galt jedoch bislang für Hochschulen keineswegs. Von tausenden Studiengängen wird jeder einzelne von den Akkreditierungsagenturen genau begutachtet und schließlich mit einem "Geprüft"-Siegel versehen. Ein für die Hochschulen zermürbendes und teures Verfahren (15.000 bis 20.000 Euro pro Studiengang), das dennoch oft kaum studierbare Programme in die Welt entließ.

Krauschs Uni könnte jetzt eine Wende einleiten. Sie ist die erste Deutschlands, die fortan nicht mehr jeden einzelnen Studiengang überprüfen lassen muss ("Programmakkreditierung"). Statt dessen hat sie das Siegel einer Akkreditierungsagentur für ihr eigenes Qualitätsmanagement bekommen ("Systemakkreditierung"). Das erlaubt es der Uni Mainz, ihre Studiengänge nun selbst einem Check zu unterziehen, mittels ihres "Zentrums für Qualitätssicherung und -entwicklung (ZQ)". "Das ist für uns ein immenser Zugewinn an Autonomie", sagte Krausch am Donnerstag in Berlin.

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Mehr Autonomie: Das wünschen sich alle Hochschulen. Doch selbst wenn die Systemakkreditierung seit 2008 möglich ist, steht sie erst einem Dutzend Hochschulen bevor, darunter Potsdam und Bayreuth. Die meisten Hochschulen zögern, weil auch das neue Verfahren als aufwendig gilt.

Krausch kann das nur bestätigen. Obwohl die Uni schon seit Jahren ihr Qualitätsmanagement entwickelt, musste sie sich seit 2006 zusätzlich anstrengen und gezielt auf die Systemakkreditierung hinarbeiten. Schließlich wurden das ZQ und 12 der 150 Studiengänge langwierig untersucht. 100 Gutachter waren involviert. Sie sichteten Unterlagen, die einen Kleinlaster hätten füllen können, wie Thomas Reil, Geschäftsführer der Akkreditierungsagentur Acquin, sagte. Alleine an Acquin zahlte die Uni Mainz 100.000 Euro.

Für die Uni wird sich der Aufwand aber lohnen. Zwar wird das neue System keineswegs weniger kosten als die Programmakkreditierung (bis zu 600.000 Euro im Jahr). Aber die Uni gibt ihr Geld nun für ihre eigene Verwaltung aus. Zugleich kann sie Schwächen der alten Akkreditierung abstellen: "Die Begutachtung einzelner Studiengänge führt nicht dazu, dass die ganze Institution lernt", berichtete Reil. "Die Mängel werden immer wiederholt." Die interne Akkreditierung biete Beratung schon von Anfang an. Sie werde auch auf größere Akzeptanz beim Lehrpersonal stoßen, das dann "aus Lust am Wettbewerb" mitwirken werde, wie Thomas Kathöfer, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, sagte.

Reinhold R. Grimm, der Vorsitzende des Akkreditierungsrats, versprach, die Systemakkreditierung werde billiger und einfacher werden. Schließlich sei ihr Ziel ja, die "auf Dauer unerträgliche Bürokratisierung" durch die Programmakkreditierung zu überwinden: "Die Detailsteuerung muss jetzt weg."

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Wie wäre es mal statt Qualitätsmanagement Qualitätleitung ? Qualitätsführung zuverwenden statt unkreativ Englische Wörter zu übernehmen

  2. 2. Wieso

    Musste ich nur bei Bayreuth und dem Wörtchen "Autonomie" im Hinblick auf einen gewissen ehemaligen Verteidigungsminister nur an das liebe Wörtchen "typisch!" denken?

    • Entity
    • 04. April 2011 2:03 Uhr

    "Mehr Autonomie: Das wünschen sich alle Hochschulen. Doch selbst wenn die Systemakkreditierung seit 2008 möglich ist, steht sie erst einem Dutzend Hochschulen bevor, darunter Potsdam und Bayreuth."

    ... den es aus irgendwelchen ominösen Gründen erschreckt, dass Bayreuth die eigenen Studiengänge akkreditieren dürfen soll?

  3. ... sollte man dann eventuell mal prüfen. Die Professeorenspanne reicht da von sehr gut bis total lachhaft. So wird bspw. in Marketing nur Wissen abgefragt, allerdings einfach so, dass es darum geht, ungefähr 400 Folien auswendig zu lernen und diese 1:1 wiederzugeben (und es geht tatsächlich darum, den Wortlaut bis aufs Komma zu treffen). In diesem Semester haben immerhin 1/3 der Studenten auf Anhieb bestanden.

    Ich denke, solche schwarzen Schafe gibt es überall und jedes von ihnen wäre ein guter Anfang fürs liberale Qualitätsmanagement.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wer studiert auch Wiwi in Mainz ^^ Mein Arbeitgeber sagt immer da wird jeder genommen. Dann müssen die Leute auch zurecht ausgesiebt werden.

  4. Wer studiert auch Wiwi in Mainz ^^ Mein Arbeitgeber sagt immer da wird jeder genommen. Dann müssen die Leute auch zurecht ausgesiebt werden.

    Antwort auf "WiWi..."

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  • Schlagworte Hochschule | Autonomie | Euro | Studiengang | Tagesspiegel | Geschäftsführer
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