Gesundheitsfolgen Wie viele Opfer forderte Tschernobyl wirklich?
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Die Hochrechnungen durch atomkritische Gruppen sind dramatisch

Zu den am stärksten der Strahlung ausgesetzten Personen gehören rund 530.000 Menschen, die als "Liquidatoren" eingesetzt waren, um die Folgen der Havarie zu bekämpfen. Die durchschnittliche effektive Dosis, der sie ausgesetzt waren, betrug 117 Millisievert (mSv). Stochastische Effekte durch Strahlung lassen sich etwa ab einer Dosis von 100 mSv beobachten, sagt der Medizinphysiker Christoph Hoeschen vom Helmholtz-Zentrum München. "Das Risiko an einer strahlenverursachten Krebserkrankung zu sterben kann mit 1,2 Prozent pro 100 mSv angegeben werden", teilt das Bundesamt für Strahlenschutz dazu mit.

Strahlendosis

Die Strahlenwirkung auf Menschen, Tiere und Pflanzen wird häufig in Sievert pro Stunde angegeben. Mit Hilfe der Einheit lässt sich abschätzen, wie schädlich eine Strahlung für einen Organismus ist. Sie berücksichtigt dabei die Strahlungsdauer, -art und -wirkung. 1 Sievert entspricht 1.000 Millisievert oder 1.000.000 Mikrosievert. Grundsätzlich gilt eine Einzeldosis von 6.000 Millisievert als tödlich (100 Prozent Sterblichkeit innerhalb von 14 Tagen).

Ob eine Person, die einer geringen Strahlendosis ausgesetzt war, gesundheitliche Schäden zu erwarten hat, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Grenzwerte beziehen sich in der Regel auf ein Jahr. Manche Experten gehen davon aus, dass dieselbe Strahlendosis über einen längeren Zeitraum weniger schädlich ist. Andere sagen, die Strahlung müsse addiert werden.

Natürliche Quellen

Die durchschnittliche Strahlendosis, die ein Deutscher durch natürliche Quellen innerhalb eines Jahres aufnimmt, liegt zwischen zwei und fünf Millisievert. Diese äußere Bestrahlung, der der Mensch je nach Ort und Zeitin unterschiedlicher Höhe ausgesetzt ist, wird Gamma-Ortsdosisleistung genannt. In dieser Deutschlandkarte des Bundesamts für Strahlenschutz ist die Strahlungsstärke je nach Region verzeichnet.

Bei medizinischen Untersuchungen werden zum Teil viel höhere Einzeldosen erreicht, die aber auf einen kurzen Zeitraum beschränkt sind. So nimmt ein Mensch während einer Computertomografie (CT)seines Kopfes ungefähr zwei Millisievert auf, bei der Mammografie 0,4 Millisievert.

Fukushima

Auf dem Gelände des AKW Fukushima-1 wurden inzwischen Strahlendosisleistungen von bis zu 1.200 Millisievert pro Stunde gemessen. Eine Einzeldosis in Höhe von 250 Millisievert gilt bereits als die Grenze, ab der sicher mit Strahlenschäden zu rechnen ist. Ab einer Dosis von 1.000 Millisievert machen sich akute Symptome der Strahlenkrankheit bemerkbar, darunter Kopfschmerzen, temporäre Unfruchtbarkeit und ein höheres Infektionsrisiko.

Andere Einheiten

Die Energiedosis einer Strahlenquelle wird in Gray angegeben. Ein Gray bedeutet, dass ein Körper von einem Kilogramm Masse eine Energiemenge von einem Joule aufgenommen hat. Für die in Atomkraftwerken vor allem freigesetzte Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung ist die Einheit Grayidentisch mit der Äquivalenteinheit Sievert, ein Gray ist also gleich einem Sievert. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde die Äquivalentdosis statt in Sievert in Rem angegeben. Das meinte die Strahlendosis in Roentgen, die ein Mensch aufgenommen hat.

Laut UNSCEAR-Bericht gibt es Hinweise auf das vermehrte Auftreten von Blutkrebs und grauem Star bei Liquidatoren, die einer höheren Strahlenbelastung ausgesetzt waren. Überzeugende Belege für weitere strahlenbedingte Effekte in der Allgemeinbevölkerung sehen die Experten nicht. Die große Mehrheit brauche nicht in Furcht vor ernsthaften Konsequenzen durch Tschernobyl zu leben, das gelte umso mehr für Länder, die anders als Weißrussland, die Ukraine und Russland nicht direkt betroffen waren. Laut Bundesamt für Strahlenschutz betrug die Belastung in Deutschland im ersten Jahr maximal 50 Prozent der jährlichen natürlichen Hintergrundstrahlung von durchschnittlich 2,1 mSv. "Es gibt bisher keinen Nachweis, dass in Deutschland oder anderen Ländern Mittel- oder Nordeuropas negative gesundheitliche Strahleneffekte durch den Tschernobyl-Unfall verursacht wurden", heißt es aus dem Amt.

In starkem Widerspruch dazu stehen die Hochrechnungen durch atomkritische Gruppen wie Greenpeace, Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) und die Gesellschaft für Strahlenschutz, die nicht selten von Hunderttausenden von Opfern ausgehen. So behauptet IPPNW Deutschland, bis 2056 würden in Europa "knapp" 240.000 zusätzliche Krebsfälle auftreten, Greenpeace spricht von 200.000 zusätzlichen Todesfällen in der Region im Zeitraum von 1990 bis 2004 und ein Vertreter der Gesellschaft für Strahlenschutz behauptet, dass aufgrund der Strahlenbelastung 800.000 Kinder nicht geboren wurden.

"Solche Zahlen sind wissenschaftlich nicht haltbar", kontert der Medizinphysiker Hoeschen und führt das auf erhebliche methodische Schwächen in den Studien zurück. Ein Mangel besteht darin, den potenziellen Schaden durch eine kleine Strahlendosis in Berechnungen aufzublähen. Das wird damit begründet, dass es keine Grenze nach unten gibt, ab der Strahlung unschädlich ist. Diese Annahme ist zwar sinnvoll für den Strahlenschutz, aber taugt im Bereich geringer Strahlendosen nicht als Basis für Modellrechnungen. Wegen "nicht akzeptabler Unsicherheiten in den Vorhersagen" haben die Experten von UNSCEAR auf solche Kalkulationen für niedrig belastete Bevölkerungen verzichtet.

Auf einem anderen Blatt stehen die enormen seelischen und sozialen Belastungen der Bevölkerung im Umkreis von Tschernobyl. Mehr als 300.000 Menschen wurden umgesiedelt, Millionen leben in Furcht vor Strahlenschäden und litten oder leiden unter psychischen und psychosomatischen Störungen bis hin zum Suizid. Auch die Angst fordert ihren Tribut.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. >>Die durchschnittliche effektive Dosis, der sie ausgesetzt waren, betrug 117 Millisievert (mSv). Stochastische Effekte durch Strahlung lassen sich etwa ab einer Dosis von 100 mSv beobachten, sagt der Medizinphysiker Christoph Hoeschen vom Helmholtz-Zentrum München. <<

    117 mSv pro was? Pro h, pro a, pro d, pro min, pro s???

    Die einfache Angabe von 117 mSv ist ohne die Angabe eines Zeitraumes völlig wert- und sinnlos (Vergleich: Eine Geschwindigkeitsangabe in km ohne Erwähnung des Zeitraums ist keine schlicht und ergreifend keine Geschwindigkeitsangabe. Ich frage mich, was daran so schwer zu verstehen ist).

    Ansonsten: Ja, Zahlen lassen sich so oder so deuten, dass ist richtig. Das ist eben immer eine Frage der Interpretation und des Standpunktes. Ja, man kann auch mit Zahlen lügen, wenn man das unbedingt will.
    Wie so häufig dürfte das wahre Ausmaß irgendwo in der Mitte angesiedelt sein. Wobei ich auf dem Standpunkt stehe: Egal ob "nur" wenige Hundert oder viele Tausend Menschen nun direkt oder indirekt durch Folgen der Strahlung zu Tode gekommen sind, Fakt ist und bleibt, dass Rund um den den alten Meiler die Gegend (die im übrigen einem Kleinstaat in Europa entspricht) für viele Generationen unbewohnbar ist und bleibt. Diese Verhältnisse auf Deutschland übertragen hieße, dass ein Großteil Deutschlands schlicht unbewohnbar werden würde. Das können auch Organisationen nicht in Abrede stellen, die die Opferzahlen gerne sehr klein reden wollen.

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    Man kann schon sinnvoll von 117 mSv ohne eine Angabe eines Zeitraum schreiben. Es ist dann eine integrierte Dosis gemeint. In diesem Fall die gesamte zusätzliche Strahlendosis die die Arbeiter abgekommen haben.

    Oder um bei ihren Analogon zu bleiben:
    Es macht schon Sinn eine Wegstrecke in km anzugeben. Man bekommt dann aber keine Informationen wie schnell man diese zurück gelegt hat.

    Auf die Strahlendosis bezogen ist natürlich jetzt die Frage, ob es für die Gesundheitsauswirkungen einen Unterschied macht kurz und intensiv bestrahlt worden zu sein oder lang und nicht so intensiv.
    Aber ich denke doch das hier eine Angabe der gesamten Dosis mehr Sinn macht als eine auf eine Zeiteinheit bezogene. Denn dann müsste man immer dazu angeben wie lange die Arbeiter der Strahlung ausgesetzt waren.

    > 117 mSv pro was? Pro h, pro a, pro d, pro min, pro s???
    Insgesamt während des Einsatzes akkumuliert. Zugegeben, es macht einen Unterschied ob man 117 mSv in einer Sekunde oder über 60 Jahre verteilt abbekommt, aber für moderate Zeiträume ist eine absolute Angabe durchaus üblich.

    Nur ganz kurz:

    Die genannte Zahl ist die geschätzte DOSIS !!!, nicht die Dosisleistung, die in mSv pro Zeiteineinheit angegeben wird.

    • makk
    • 24.05.2011 um 17:56 Uhr

    Sievert als Einheit ist eine absolute Belastung.
    Die akkumulierte Lebensbelastung ist also im
    Vergleich zu "anderen" um 117mS höher.

    Man kann schon sinnvoll von 117 mSv ohne eine Angabe eines Zeitraum schreiben. Es ist dann eine integrierte Dosis gemeint. In diesem Fall die gesamte zusätzliche Strahlendosis die die Arbeiter abgekommen haben.

    Oder um bei ihren Analogon zu bleiben:
    Es macht schon Sinn eine Wegstrecke in km anzugeben. Man bekommt dann aber keine Informationen wie schnell man diese zurück gelegt hat.

    Auf die Strahlendosis bezogen ist natürlich jetzt die Frage, ob es für die Gesundheitsauswirkungen einen Unterschied macht kurz und intensiv bestrahlt worden zu sein oder lang und nicht so intensiv.
    Aber ich denke doch das hier eine Angabe der gesamten Dosis mehr Sinn macht als eine auf eine Zeiteinheit bezogene. Denn dann müsste man immer dazu angeben wie lange die Arbeiter der Strahlung ausgesetzt waren.

    > 117 mSv pro was? Pro h, pro a, pro d, pro min, pro s???
    Insgesamt während des Einsatzes akkumuliert. Zugegeben, es macht einen Unterschied ob man 117 mSv in einer Sekunde oder über 60 Jahre verteilt abbekommt, aber für moderate Zeiträume ist eine absolute Angabe durchaus üblich.

    Nur ganz kurz:

    Die genannte Zahl ist die geschätzte DOSIS !!!, nicht die Dosisleistung, die in mSv pro Zeiteineinheit angegeben wird.

    • makk
    • 24.05.2011 um 17:56 Uhr

    Sievert als Einheit ist eine absolute Belastung.
    Die akkumulierte Lebensbelastung ist also im
    Vergleich zu "anderen" um 117mS höher.

  2. Auch Umweltverbände sind nur Lobbyisten, die mehr oder weniger erfolgreich Marketing betreiben, um ihre Ziele durchzusetzen. Leider merken die Menschen dies nicht, da sich derartige Verbände immer mit dem Heiligenschein des moralisch Erhabenen umgeben.

    Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen von dem, was Industrie und Regierungen auf der einen Seite und Umweltverbände auf der anderen Seite behaupten.

    Irgendwie ist mir die Industrie sogar sympatischer. Da weiss ich wenigstens, dass es vor allem um Profite geht, so dass ich bei diesen Leuten wenigstens weiss, wo ich dran bin und mir keine auf falschen Tatsachen beruhende Pseudomoral anhören muss.

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    "Auch Umweltverbände sind nur Lobbyisten, die mehr oder weniger erfolgreich Marketing betreiben, um ihre Ziele durchzusetzen. Leider merken die Menschen dies nicht, da sich derartige Verbände immer mit dem Heiligenschein des moralisch Erhabenen umgeben."
    Das ist so dumm wie falsch. Natürlich wissen die Menschen, dass Auch Umweltverbände 'Lobbyarbeit' betreiben. Die Frage ist nur wofür? Die Industrie gibt Millionen dafür aus, demokratische Entscheidungen dahingegend zu unterwandern, ihre eigenen Vorteile zu erzielen, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern und die teils katastrophalen Folgen anderen aufzuzwingen. Sie handelns somit asozial und antidemokratisch zu Lasten der Menschen.
    Umweltverbände hingehen verfolgen Ziele, die nicht auf die Gewinne einiger weniger zu Lasten aller Anderen bedacht sind und die praktisch jedem Menschen zugute kommen.
    DAS ist der Unterschied ... den einige offenkundig nicht erkennen können oder wollen.
    Nicht die Überzeugungarbeit ansich ist verschieden, sondern die Intention. Die Industrie möchte für eine wenige Vorteile, die allen anderen Schaden und die Umweltverbände, wollen für alle Vorteile, ohne jemandem zu Schaden ... insofern man nicht die Eindämmung der haltlosen Gier als 'Schaden' für Profiteure betrachtet.
    Wer das als 'Pseudomoral' bezeichnet, ist einfach nur zu bedauern ... und leider lässt es sich nicht verhindern, dass jene auch von einer lebenfähigen Umwelt und einem lebensfähigen Klima partizipieren.

    • Karl63
    • 21.04.2011 um 15:30 Uhr

    Fakt ist, die Sowjietunion war eine Diktatur, die keinerlei Wert auf Informationsfreiheit legte, ganz besonders nicht im Kontext der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Es gab seinerzeit seitens der Staatsführung ein klares Interesse, die wahren Folgen der Katastrophe zu verschleiern. Das war hier im "Westen" zu dem Zeitpunkt auch nicht anders, denn allzuviel Transparenz hinsichtich der Folgen wäre ja "schlecht fürs Geschäft".
    Erstens sind inzwischen Dokumente zugänglich, die die Strahlungsintensität direkt nach der Explosion des betreffenden Reaktors sehr präzise dokumentieren - und die erklären sehr deutlich, warum so viele der "Liquidatoren" inzwischen gestorben sind.
    Zweitens wird heute aus verschiedenen Quellen sehr glaubhaft bestätigt, dass man die "Liquidatoren" ganz bewusst über die tatsächlichen Risiken im Dunkeln gelassen hat.
    Drittens haben die, die es bis heute überlebt haben, ein irreversibel zerstörte Gesundheit. Es gibt für diese Menschen weder angemessene Invalidenrenten noch eine entsprechende Gesundheitsversorgung.
    Es geht hier nicht um irgendwelche Zahlenwerte, sondern mehr darum, dass man diese Menschen erst "verheizt" hat und dann mehr oder weniger ihrem Schicksal überlassen hat - und bei 500.000 "Liquidatoren" sind das erschreckend viele.

    "Auch Umweltverbände sind nur Lobbyisten, die mehr oder weniger erfolgreich Marketing betreiben, um ihre Ziele durchzusetzen. Leider merken die Menschen dies nicht, da sich derartige Verbände immer mit dem Heiligenschein des moralisch Erhabenen umgeben."
    Das ist so dumm wie falsch. Natürlich wissen die Menschen, dass Auch Umweltverbände 'Lobbyarbeit' betreiben. Die Frage ist nur wofür? Die Industrie gibt Millionen dafür aus, demokratische Entscheidungen dahingegend zu unterwandern, ihre eigenen Vorteile zu erzielen, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern und die teils katastrophalen Folgen anderen aufzuzwingen. Sie handelns somit asozial und antidemokratisch zu Lasten der Menschen.
    Umweltverbände hingehen verfolgen Ziele, die nicht auf die Gewinne einiger weniger zu Lasten aller Anderen bedacht sind und die praktisch jedem Menschen zugute kommen.
    DAS ist der Unterschied ... den einige offenkundig nicht erkennen können oder wollen.
    Nicht die Überzeugungarbeit ansich ist verschieden, sondern die Intention. Die Industrie möchte für eine wenige Vorteile, die allen anderen Schaden und die Umweltverbände, wollen für alle Vorteile, ohne jemandem zu Schaden ... insofern man nicht die Eindämmung der haltlosen Gier als 'Schaden' für Profiteure betrachtet.
    Wer das als 'Pseudomoral' bezeichnet, ist einfach nur zu bedauern ... und leider lässt es sich nicht verhindern, dass jene auch von einer lebenfähigen Umwelt und einem lebensfähigen Klima partizipieren.

    • Karl63
    • 21.04.2011 um 15:30 Uhr

    Fakt ist, die Sowjietunion war eine Diktatur, die keinerlei Wert auf Informationsfreiheit legte, ganz besonders nicht im Kontext der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Es gab seinerzeit seitens der Staatsführung ein klares Interesse, die wahren Folgen der Katastrophe zu verschleiern. Das war hier im "Westen" zu dem Zeitpunkt auch nicht anders, denn allzuviel Transparenz hinsichtich der Folgen wäre ja "schlecht fürs Geschäft".
    Erstens sind inzwischen Dokumente zugänglich, die die Strahlungsintensität direkt nach der Explosion des betreffenden Reaktors sehr präzise dokumentieren - und die erklären sehr deutlich, warum so viele der "Liquidatoren" inzwischen gestorben sind.
    Zweitens wird heute aus verschiedenen Quellen sehr glaubhaft bestätigt, dass man die "Liquidatoren" ganz bewusst über die tatsächlichen Risiken im Dunkeln gelassen hat.
    Drittens haben die, die es bis heute überlebt haben, ein irreversibel zerstörte Gesundheit. Es gibt für diese Menschen weder angemessene Invalidenrenten noch eine entsprechende Gesundheitsversorgung.
    Es geht hier nicht um irgendwelche Zahlenwerte, sondern mehr darum, dass man diese Menschen erst "verheizt" hat und dann mehr oder weniger ihrem Schicksal überlassen hat - und bei 500.000 "Liquidatoren" sind das erschreckend viele.

  3. Die durchschnittliche effektive Dosis, der sie ausgesetzt waren, betrug 117 Millisievert (mSv). Stochastische Effekte durch Strahlung lassen sich etwa ab einer Dosis von 100 mSv beobachten

    Und wieder ein Bericht, der mit Zahlen falsch umgeht. Eine effektive Dosis ohne Zeitangabe ist für gesundheitliche Schäden nahezu unverwertbar. (Wobei man durch die Angabe der Tätigkeit der Liquidatoren eine etwaige Zeitspanne vermuten könnte)

    Das wird damit begründet, dass es keine Grenze nach unten gibt, ab der Strahlung unschädlich ist. Diese Annahme ist zwar sinnvoll für den Strahlenschutz, aber taugt im Bereich geringer Strahlendosen nicht als Basis für Modellrechnungen.

    Absolut richtig erkannt. Zumal es im Bereich der Niedrigstrahlung je nach Lokalisation und Einwirkungsdauer mittlerweile sehr kontroverse Theorien gibt.

    Eine Leser-Empfehlung
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    • seschu
    • 21.04.2011 um 15:18 Uhr

    Ich lese da aber was anderes raus als sie:
    "Auf einem anderen Blatt stehen die enormen seelischen und sozialen Belastungen der Bevölkerung im Umkreis von Tschernobyl. Mehr als 300.000 Menschen wurden umgesiedelt, Millionen leben in Furcht vor Strahlenschäden und litten oder leiden unter psychischen und psychosomatischen Störungen bis hin zum Suizid. Auch die Angst fordert ihren Tribut.
    "

    • seschu
    • 21.04.2011 um 15:18 Uhr

    Ich lese da aber was anderes raus als sie:
    "Auf einem anderen Blatt stehen die enormen seelischen und sozialen Belastungen der Bevölkerung im Umkreis von Tschernobyl. Mehr als 300.000 Menschen wurden umgesiedelt, Millionen leben in Furcht vor Strahlenschäden und litten oder leiden unter psychischen und psychosomatischen Störungen bis hin zum Suizid. Auch die Angst fordert ihren Tribut.
    "

  4. Man kann schon sinnvoll von 117 mSv ohne eine Angabe eines Zeitraum schreiben. Es ist dann eine integrierte Dosis gemeint. In diesem Fall die gesamte zusätzliche Strahlendosis die die Arbeiter abgekommen haben.

    Oder um bei ihren Analogon zu bleiben:
    Es macht schon Sinn eine Wegstrecke in km anzugeben. Man bekommt dann aber keine Informationen wie schnell man diese zurück gelegt hat.

    Auf die Strahlendosis bezogen ist natürlich jetzt die Frage, ob es für die Gesundheitsauswirkungen einen Unterschied macht kurz und intensiv bestrahlt worden zu sein oder lang und nicht so intensiv.
    Aber ich denke doch das hier eine Angabe der gesamten Dosis mehr Sinn macht als eine auf eine Zeiteinheit bezogene. Denn dann müsste man immer dazu angeben wie lange die Arbeiter der Strahlung ausgesetzt waren.

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    In diesem Fall macht es sehr wenig Sinn, da gerade im Bereich von knapp unter 200-250mSv sehr wohl die Zeiteinheit eine erhebliche Rolle spielt, wenn man sich die derzeitigen verschiedenen Thesen (die ab gewissen Zeitlängen großteils dem linearen Modell widersprechen) anschaut.

    Wenn der Liquidator in einer Gegend wohnt, wo viel Fall Out niederging, hat sich die Strahlenbelastung über die Zeit natürlich noch stark erhöht.

    Bei all denen, die zusätzlich durch Dioxin-, Quecksilber- oder hormonell wirkenden Chemikalien belastet sind, kommen diese Belastungen natürlich noch dazu.

    Die unzähligen Zusatzbelastungen aus Industrie und Landwirtschaft, denen heutige Menschen ausgesetzt sind, summieren sich auf. Entsprechend summieren sich das Risiko bei jedem, der diesen Belastungen ausgesetzt ist.

    Wer dann am nächsten Tag vom Auto überfahren wird, fällt aus der Statistik raus, alle anderen sind natürlich Opfer, weil ihr Erkrankungsrisiko fremdbestimmt erhöht wurde.

    Ich denke, die Tschernobyl-Opfer gehen in die Zig-Millionen. Europa ist nur noch nicht entvölkert, weil wir die Passivrauchergesetze haben!

    In diesem Fall macht es sehr wenig Sinn, da gerade im Bereich von knapp unter 200-250mSv sehr wohl die Zeiteinheit eine erhebliche Rolle spielt, wenn man sich die derzeitigen verschiedenen Thesen (die ab gewissen Zeitlängen großteils dem linearen Modell widersprechen) anschaut.

    Wenn der Liquidator in einer Gegend wohnt, wo viel Fall Out niederging, hat sich die Strahlenbelastung über die Zeit natürlich noch stark erhöht.

    Bei all denen, die zusätzlich durch Dioxin-, Quecksilber- oder hormonell wirkenden Chemikalien belastet sind, kommen diese Belastungen natürlich noch dazu.

    Die unzähligen Zusatzbelastungen aus Industrie und Landwirtschaft, denen heutige Menschen ausgesetzt sind, summieren sich auf. Entsprechend summieren sich das Risiko bei jedem, der diesen Belastungen ausgesetzt ist.

    Wer dann am nächsten Tag vom Auto überfahren wird, fällt aus der Statistik raus, alle anderen sind natürlich Opfer, weil ihr Erkrankungsrisiko fremdbestimmt erhöht wurde.

    Ich denke, die Tschernobyl-Opfer gehen in die Zig-Millionen. Europa ist nur noch nicht entvölkert, weil wir die Passivrauchergesetze haben!

  5. > 117 mSv pro was? Pro h, pro a, pro d, pro min, pro s???
    Insgesamt während des Einsatzes akkumuliert. Zugegeben, es macht einen Unterschied ob man 117 mSv in einer Sekunde oder über 60 Jahre verteilt abbekommt, aber für moderate Zeiträume ist eine absolute Angabe durchaus üblich.

    • WIHE
    • 21.04.2011 um 13:51 Uhr

    ich bin angenehm berührt, solch einen Artikel hätte ich der Zeit, der Wochen-Zeitung der grünen Lehrer und sonstiger umweltbewegter Menschen, nicht zugetraut.

    Ganze Weltbilder brechen nun zusammen oder sollten zusammen brechen.

    Ähnliche Zahlen hörte ich vor Jahren mal in einem Vortrag eines angesehenen Strahlenschutzexperten.
    Überrascht von den Daten bin ich daher nicht, wie der schon länger weiß, der meine Beiträge hier liest.

  6. In diesem Fall macht es sehr wenig Sinn, da gerade im Bereich von knapp unter 200-250mSv sehr wohl die Zeiteinheit eine erhebliche Rolle spielt, wenn man sich die derzeitigen verschiedenen Thesen (die ab gewissen Zeitlängen großteils dem linearen Modell widersprechen) anschaut.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "117 mSv macht Sinn"
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    Kann man von einer durchschnittlichen effektiven Dosis überhaupt Rückschlüsse auf die Anzahl der Krebstoten bzw. Krebsgefährdeten ziehen?
    Nur einen Mittelwert zu nehmen ohne die Verteilung zu kennen wäre wenig hilfreich. Gibt es hinweise auf eine Normalverteilungskurve der durchschnittlichen effektiven Dosis?

    Drei Beispiele:
    600.000 angenommene Personen, mit einer effektiven Dosis von 100 mSv im Mittel.
    Variante A:
    600.000 Personen wurden alle eine Dosis von genau 100 mSv ausgesetzt.

    Variante B:
    eine Person daraus wurde einer Dosis von 600.000 mSv ausgesetzt, die anderen 599.999 Personen wurden 0 mSv ausgesetzt

    Variante C:
    200.000 Personen wurden einer Dosis von 300 mSv ausgesetzt, 400.000 Personen wurden einer Dosis von 0 mSv ausgesetzt.

    Diese Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen, zeigen jedoch die Problematik einer durchschnittlichen Dosis.

    Kann man von einer durchschnittlichen effektiven Dosis überhaupt Rückschlüsse auf die Anzahl der Krebstoten bzw. Krebsgefährdeten ziehen?
    Nur einen Mittelwert zu nehmen ohne die Verteilung zu kennen wäre wenig hilfreich. Gibt es hinweise auf eine Normalverteilungskurve der durchschnittlichen effektiven Dosis?

    Drei Beispiele:
    600.000 angenommene Personen, mit einer effektiven Dosis von 100 mSv im Mittel.
    Variante A:
    600.000 Personen wurden alle eine Dosis von genau 100 mSv ausgesetzt.

    Variante B:
    eine Person daraus wurde einer Dosis von 600.000 mSv ausgesetzt, die anderen 599.999 Personen wurden 0 mSv ausgesetzt

    Variante C:
    200.000 Personen wurden einer Dosis von 300 mSv ausgesetzt, 400.000 Personen wurden einer Dosis von 0 mSv ausgesetzt.

    Diese Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen, zeigen jedoch die Problematik einer durchschnittlichen Dosis.

  7. Überschrift haben:

    Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen und politischen Motiven werden Opferzahlen UNTERTRIEBEN!.

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