Eruptionen auf Island: Der Grimsvötn, einer der aktivsten Vulkane der Insel, ist am Samstag ausgebrochen. Der Grimsvötn im Südosten der Atlantikinsel schleuderte seit Samstagabend eine bis zu 20 Kilometer hohe Säule aus Asche und Wasserdampf in die Höhe. Die isländischen Behörden erließen vorsorglich ein Flugverbot im Umkreis von 200 Kilometern. Die Meteorologiebehörde teilte mit, es sei etwas Asche in rund sieben Kilometer Höhe entdeckt worden. Der Wind treibe die Asche jedoch nach Norden. Der europäische Luftraum werde deshalb in den kommenden Tagen kaum betroffen sein.

Auch Islands wichtigster internationaler Flughafen wurde inzwischen geschlossen. Die meisten Flugzeuge hätten den Flughafen Keflavik aber noch verlassen können, sagte Hjordis Gudmunsdottir von der Luftverkehrsbehörde Isavia. "Die Aschewolke bewegte sich nicht nach Europa, sondern hing über Island", sagte sie. Auch andere islandische Flughäfen seien geschlossen. Transatlantische Flüge würden südlich um die Insel herumgeleitet, sagte Gudmunsdottir. "Es sieht so aus, als ob wir heute Probleme in Island haben werden."

Eine Wiederholung der mehrwöchigen Flugverbote für weite Teile Europas wie vor 14 Monaten beim Ausbruch des Gletschervulkans Eyjafjallajökull erklärten Experten in Reykjavik sowie internationale Flugzentralen für ziemlich unwahrscheinlich. Die Asche aus dem Grímsvötn sei sehr viel schwerer und grober, so dass sie viel schneller und in der näheren Umgebung niedergehen dürfte, hieß es übereinstimmend.

Vor gut einem Jahr hatte der Ausbruch eines Vulkans unter dem Eyjafjalla-Gletscher in Island ein tagelanges Chaos im europäischen Flugverkehr ausgelöst. Damals wurde der Luftraum in vielen Ländern gesperrt. Experten befürchteten, dass Vulkanasche die Flugzeugtriebwerke beschädigen oder auch vollständig blockieren könne. 

Auch der Grimsvötn verursachte schon einmal Beeinträchtigungen im Luftverkehr. Im Jahr 2004 schleuderte er eine 13 Kilometer hohe Aschewolke in die Atmosphäre. Damals mussten mehrere Transatlantikflüge umgeleitet werden. Flughäfen wurden aber nicht geschlossen.

Die neuen Eruptionen schienen stärker zu sein als damals, sagte der Geophysiker Kjartansson. Es sei aber zu früh, um die Folgen des Ausbruchs vorherzusagen. Der Geologe Hjorleifur Sveinbjornsson sagte, es könne eine große Eruption werden. Allerdings sei es unwahrscheinlich, dass es zu solchen Auswirkungen komme, wie nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull.

Bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen (Hessen) hieß es, die Aschewolke versetze die Experten zwar in Wachsamkeit. "Aber nach momentanem Stand ist vor Dienstag nichts zu erwarten – wenn überhaupt", sagte ein Sprecher.

Kari Kristjansson, ein Mitarbeiter im Nationalpark am Vatnajökull, sagte: "Durch die Asche ist es hier so dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht sehen kann. Schon komisch in der hellsten Zeit des Jahres." Auf mehreren Bauernhöfen am Rand des größten isländischen Gletschers drang die Asche auch in die Häuser ein. Bewohner sollten Türen und Fenster schließen und möglichst nicht ins Freie gehen. Die Behörden sahen aber keinen Anlass zu Evakuierungen wie im Frühjahr 2010 beim Ausbruch des Eyjafjallajökull.

Mit vier Ausbrüchen seit 1996 gehört der Grimsvötn unter dem riesigen Gletscher Vatnajökull zu den derzeit aktivsten von Islands insgesamt über 30 aktiven Vulkanen. Er ist einer der eher kleineren, in dessen unmittelbarer Nähe wegen des Gletschers keine Menschen leben.

1996 sorgte der Grimsvötn für massive Überschwemmungen, die Straßen und Brücken im Süden der Insel zerstörten. Nach Angaben von Geologen in Reykjavik sind solche Folgen dieses Mal wegen viel geringerer Wassermengen am Vulkan nicht zu befürchten.

Der TV-Moderator und Umweltaktivist Omar Ragnasson sagte nach einem Flug mit dem Sportflugzeug über den Vulkan vor Verhängung der Flugverbote: "Das ist mein 23. Vulkanausbruch. Ich habe nie einen größeren gesehen." Nie zuvor habe er auch so viele Blitze als Teil eines Ausbruchs erblickt.

Der Grimsvötn liegt unter dem größten Gletscher Europas, dem Vatnajökull. Menschen sind von seinem Ausbruch nicht unmittelbar bedroht: Die Region in einem Umkreis von 100 Kilometern ist unbewohnt.