MondfinsternisDer Mond leuchtet rot über Deutschland

Schattenspiel am Abendhimmel: Wenn die Wolkendecke es zulässt, können Menschen in ganz Deutschland am Abend eine totale Mondfinsternis beobachten. von dpa

Wer Glück hat, erblickt am Abend des 15. Juni 2011 den Mond in dieser Form. Das Bild entstand während einer totalen Mondfinsternis im Dezember 2010 über den USA.

Wer Glück hat, erblickt am Abend des 15. Juni 2011 den Mond in dieser Form. Das Bild entstand während einer totalen Mondfinsternis im Dezember 2010 über den USA.  |  © Karen Bleier/AFP/Getty Images

Am Mittwochabend erlebt Deutschland eine totale Mondfinsternis. Der Mond wandert dabei zentral durch den Erdschatten. Das kosmische Schattenspiel ist von ganz Deutschland sichtbar, sofern das Wetter mitspielt. Die totale Finsternis beginnt bereits um 20.23 Uhr. Davon ist in Deutschland allerdings nichts zu sehen, denn um diese Uhrzeit ist der Mond noch nicht aufgegangen. Wenn der Himmel unbewölkt ist, lässt sich die Finsternis etwa von 21.20 Uhr an tief am Südosthorizont beobachten.

Die Voraussagen sind nicht überall gut: "Es werden noch ein paar Wolkenfelder herumdriften, aber im Süden, Osten und auch in der Mitte Deutschlands könnten die transparent oder aufgelockert sein, so dass der Mond zumindest zeitweise zu sehen ist", sagt der Meteorologe Olaf Pels Leusden vom Deutschen Wetterdienst, auf dessen Website eine aktuelle Karte zur Bewölkung am Abendhimmel zu finden ist. Im Nordwesten sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Wolken den Mond verdeckten, sagt der Meteorologe.

Anzeige
Totale Mondfinsternis

Für eine totale Mondfinsternis muss sich die Erde ziemlich genau zwischen unseren Trabanten und die Sonne schieben. Das passiert ohnehin nur, wenn Vollmond ist. Aber weil die Dreh-Ebene des Mondes um die Erde schief zur Laufebene der Erde um die Sonne steht, fällt der dunkle Kernschatten unseres Planeten in der Regel neben den vollen Mond. Einen Treffer gibt es nur alle paar Jahre.

Häufigkeit

Mondfinsternisse sind sogar noch seltener als Sonnenfinsternisse: Auf fünf Sonnenverdunkelungen kommen im gleichen Zeitraum im Schnitt nur etwa drei Mondfinsternisse. Die sind jedoch stets von der gesamten dem Trabanten zugewandten Erdhalbkugel aus zu sehen. Sonnenfinsternisse hingegen können nur in einem maximal 300 Kilometer schmalen Streifen von der Erdoberfläche aus beobachtet werden. Daher stammt wohl auch der Eindruck Sonnenfinsternisse seien seltener.

Legendenstoff

Die Schnittpunkte der Mond- und Erdbahnebene heißen auch Drachenpunkte, weil sich chinesische Beobachter früherer Jahrhunderte vorstellten, dass bei einer Finsternis ein himmlischer Drache den Mond verschlingt. Auch in anderen Kulturen waren Mondfinsternisse Legendenstoff: Die Amazonas-Indianer erklärten sich den "Blutmond" damit, dass ein jugendlicher Bogenschütze getroffen habe und der Mond nun blute, bis ein Schamane den Pfeil herauszieht und die Wunde heilt. Die Wikinger fürchteten den mythischen Wolf Hati, der dem Mond am Himmel nachjagt und ihn gelegentlich fängt. Mit viel Lärm gelang es den Menschen erstaunlicherweise jedes Mal, Hati in die Flucht zu schlagen.

Während einer totalen Mondfinsternis wandert der Mond durch den Kernschatten der Erde und schimmert währenddessen rotbraun auf. Der Kernschatten ist der Bereich, in dem unser Planet das Licht der Sonne fast komplett abschirmt. Die Atmosphäre streut jedoch langwelliges, rotes Licht in den Schattenbereich und lässt den Erdtrabanten in rötlicher Färbung glimmen. Dazu trägt ganz wesentlich die Luftverschmutzung bei. Die wachsende Menge an Staubpartikeln in der Erdatmosphäre reflektiert seitlich einfallendes Sonnenlicht und lenkt vor allem rote Strahlung in den Schatten.

Je nach Verschmutzung der Atmosphäre schimmert der verfinsterte Mond dunkelgrau bis kupferrot. Man kann ihn während der gesamten Finsternis deutlich sehen. In vergangenen Jahrhunderten waren Mondfinsternisse dagegen oft noch richtig dunkel.

Wie eine Mondfinsternis entsteht, erklärt dieses Video (in englischer Sprache). Quelle: Nasa

Seit fast elf Jahren habe es keine so lange totale Mondfinsternis mehr gegeben, sagte der Stuttgarter Astronom Hans-Ulrich Keller. "Alles in allem, also mit dem Durchlaufen von Kern- und Halbschatten, dauert sie vier Stunden und 40 Minuten."

Die komplette Finsternis beginnt um 21.22 Uhr und der Zauber dauert bis 23.03 Uhr. Dann endet die Totalität und der Mond verlässt den Kernschatten. In Europa haben Hobbyastronomen an der türkischen Riviera die beste Sicht – dort steht der Mond am höchsten. Nordamerika und alle Länder östlich von Indien bekommen dagegen nichts von der Finsternis mit.

Bis zum Jahr 2015 wird keine weitere totale Mondfinsternis in dieser Länge von Deutschland aus zu sehen sein, sagte Monika Staesche, Leiterin des Planetariums am Insulaner in Berlin. "Wer die Möglichkeit hat, sollte sich das also anschauen."

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • JB97
    • 15. Juni 2011 16:55 Uhr

    "[...] auf dessen Website eine aktuelle Karte zur Bewölkung am Abendhimmel zu finden ist."

    Diese Verlinkung funktioniert leider nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Vielen Dank - jetzt geht der Link.

  1. 2. Karte

    Die Bewölkungskarte des DWD findet sich hier:

    http://www.dwd.de/bvbw/po...

    Eine Leserempfehlung
    • walan
    • 15. Juni 2011 17:21 Uhr

    Danke für Ihren Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert. Danke, die Redaktion/se.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    den Vereinigten Staaten von Amerika, also den USA
    bekomm ich jetzt die Million?

    Aber zurück zum Thema,
    hoffentlich stimmt die Karte nicht und in Berlin ist der rote Mond zu sehen :)

  2. Redaktion

    Vielen Dank - jetzt geht der Link.

    Antwort auf "Fehlerhafter Link"
  3. den Vereinigten Staaten von Amerika, also den USA
    bekomm ich jetzt die Million?

    Aber zurück zum Thema,
    hoffentlich stimmt die Karte nicht und in Berlin ist der rote Mond zu sehen :)

  4. immer dieser Schlaumeier... ich sag "die USA" und das ist dann im Dativ "der USA". Sonst müsste man ja auch "die VSA" (Vereinigten Staaten (von) Amerika) schreiben... Sieht auch doof aus, oder?!

  5. Sauwetter...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Mond | Nasa | Atmosphäre | Luftverschmutzung | Planet | Planetarium
Service