Vorurteilsforschung : "Antisemitismus ist ein geschlossenes Weltbild"

Stefanie Schüler-Springorum leitet das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Die Historikerin will die emotionale Wucht von Ressentiments ergründen.
Stefanie Schüler-Springorum in ihrem Büro an der TU Berlin. © Thilo Rückeis/DER TAGESSPIEGEL

Wo fängt Antisemitismus an, wo hört "legitime Israelkritik" auf? Stefanie Schüler-Springorum muss nicht lange nachdenken: "Schon das Reizwort Israelkritik erfasst den komplexen Sachverhalt in keiner Weise", sagt die Historikerin. Die neue Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin , die im Juni vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg nach Berlin wechselte, will es genau nehmen mit Begriffen und Fragestellungen. Pauschale Israelschelte – als könne man ein ganzes Land "kritisieren" – und die Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen sollte man nicht in einen Topf werfen. Die Fixierung auf die israelische Politik in den besetzten Gebieten reize "Menschen, die endlich einmal etwas gegen Juden sagen wollen, ohne gleich als Antisemiten zu erscheinen". Nur Rechtsradikale bekennen sich heute offen zum Antisemitismus, sagt Schüler-Springorum. Die gängigen antisemitischen Reaktionen versteckten sich hinter einem "Ja, aber" oder "Man wird doch wohl noch sagen dürfen …".

Auch mit dem zentralen Begriff, der ihrer neuen Wirkungsstätte den Namen gibt, muss sich Schüler-Springorum (48) auseinandersetzen. Islamkritiker, die sich zumeist im Internet äußerten, haben Schüler-Springorums Vorgänger Wolfgang Benz vorgeworfen, die genuine Antisemitismusforschung vernachlässigt zu haben – zugunsten einer allgemeinen Vorurteilsforschung. Dass Benz dabei auch die Islamophobie in den Blick nahm, war Anlass für eine Kampagne gegen den Historiker: Durch den Vergleich mit dem Antisemitismus relativiere er den Holocaust, hieß es. Eine Unterstellung, zu der sich Benz immer wieder erklären musste.

Stefanie Schüler-Springorum stellt sich dem Thema. Anfang der 1990er Jahre, als Benz die Leitung des Zentrums von seinem Gründer Herbert A. Strauss übernahm, sei es richtig gewesen, das Themenspektrum auf die allgemeine Vorurteilsforschung auszuweiten, sagt sie. Nach der Wiedervereinigung erlebte der Rechtsextremismus einen neuen Aufschwung. Und es sei noch immer wichtig, etwa auch Homophobie und Antiziganismus zu untersuchen. Doch sie wolle das Spezifische der Antisemitismusforschung wieder stärker herausarbeiten, sagt Schüler-Springorum. "Antisemitismus ist nicht ein Vorurteil unter vielen, sondern ein geschlossenes Weltbild." Einer von vielen denkbaren neuen Ansätzen sei es, über die emotionale Wucht des antijüdischen Ressentiments nachzudenken. Gemeinsam mit Ute Frevert vom Arbeitsbereich "Geschichte der Gefühle" am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung plant Schüler-Springorum eine Tagung zum Thema: "Antisemitismus und Emotionen". Dabei soll es vor allem um das Verhältnis von antisemitischen Texten und antijüdischen Ressentiments gehen.

In solchen Themen trifft sich das Interesse der Expertin für deutsch-jüdische und nationalsozialistische Geschichte mit ihrem neuen Arbeitsfeld. Sie war bislang keine ausgewiesene Antisemitismusforscherin, wer jedoch wie Schüler-Springorum über die jüdische Minderheit in Königsberg promovierte und Mitte der 90er Jahre in Berlin bei der Topographie des Terrors arbeitete, kennt sich aus mit der Judenfeindschaft. Ohnehin gelte für die Antisemitismusforschung, was auch für die deutsch-jüdische Geschichte gelte, sagt Schüler-Springorum: Sie seien nicht hinreichend integriert in die allgemeine Geschichte. Einerseits scheine der Antisemitismus ein gesellschaftliches Phänomen zu sein, eine Geschichte, die nicht vergehen will, sich also der Historisierung entzieht. Andererseits neige die allgemeine Geschichte dazu, die Erforschung des Antisemitismus an spezielle Institute auszulagern.

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Kommentare

229 Kommentare Seite 1 von 16 Kommentieren

Kritik ist notwendig

Kritik ist in der Tat notwendig:
Ihr Posting (und insbesondere auch die Webseite, auf die Sie verweisen - Ihre eigene Webseite) verdüstern unnötig einen klaren Sachverhalt. Natürlich ist es wichtig, sich über Begrifflichkeiten Klarheit zu verschaffen - und es gehört zu den Allgemeinplätzen der Geschichtswissenschaft, dass es im 19. Jahrhundert einen Übergang von einem religiös geprägten Antijudaismus zu einem rassisch-völkischen Judenhass gegeben hat, der den etwas unpräzisen Namen "Antisemitismus" prägt. Entgegen Ihrer Darstellung ist dies so ungefähr jedem, der mit der Sache zu tun hat, klar. Das ist also banal. Dass sich heute "ohne den Holocaust" niemand mehr für diesen völkisch-rassistischen Begriff interessieren würde, halte ich für falsch. Zudem: was ist das denn für eine Bedingung? Sie tun gerade so, als handele es sich historisch um eine Nebensächlichkeit.
Ich nehme auch Anstoß an dem Wort "Keulenschwinger". Was soll das bitte heißen?

keulen...was?

wer ernsthaft meint "keulenschwinger" zu mehr differenzierung auffordern zu müssen und im gleichen gang auch noch ein zwei pauschale urteile über "DIE" geschichtsforschung zum thema antisemitismus vom wackligen stapel lässt, gefolgt von einer großsprecherisch aussagelosen these, dass sich ohne shoa niemand für antisemitismus interessieren würde,
sollte sich vielleicht selbst fragen, wie weit es mit differenzierung, genauigkeit und anspruch an verantwortung her ist.

daneben:
dadurch, dass in europa jetzt weniger juden leben als vor dem 2.weltkrieg, ist das thema unwichtiger als es das wäre, wenn in allen ländern europas viele jüdische gemeinden teilhabe an unseren gesellschaften hätten...dann wäre antisemitismus ein dauerbrenner von drängender aktualität...
das ist jetzt, obwohl weit verbreitet und sehr bedauerlich als phänomen, eben nicht so...

112 doktor.sammet und 113.rms_titanic

Da Sie meinten, nicht sachlich mit mir diskutieren zu können – was ich verstehe – und Sie deswegen massivst persönlich geworden sind, was ich gut (!) finde, erlebe ich doch hier das, was Frau Schüler-Springorum erforschen möchte: „die emotionale Wucht des antijüdischen Ressentiments“ – möchte ich nur Vermutungen äußern und Fragen stellen:

1. Meine These: (Auch) Sie beide müssen mir Ihre Definition (!) von Antisemitismus verweigern, weil sie dann ja auch kritisierbar wären; meine Definition finden Sie unter

2. Meine Vermutung: Während ich – wie unter weghorn1 nachlesbar - Antisemitismus für eine historische Kategorie halte, die man nicht willkürlich gebrauchen darf, instrumentalisieren Sie das Wort (!) Antisemitismus für Ihre legitimen philo-zionistischen Interessen, dies leider aber in einer (nicht nur) auf mich denunziatorisch, diskurszerstörend und konfrontativ wirkenden Art und Weise. Und hierbei „mache ich nicht mit!“

3. Meine Frage: habe ich Sie überhaupt richtig verstanden, wenn ich Sie dafür kritisiere, dass Sie deswegen Israelkritiker, Judenhasser und Judenfeinde unbedingt (!) mit dem Etikett „Antisemit“ meinen abstempeln zu müssen, weil einzig (!) dieses Wort – wg. seiner Auschwitz-Konnotation – die Qualität entwickeln kann, die man gemeinhin als „Schlag-Wort“ bezeichnet – und das ich dementsprechend als „Waffe“ bezeichnet habe?!

Oder habe ich Sie missverstanden? Über Ihre Definition von „antisemitisch“ also würde ich mich sehr freuen.

Zur strategischen Funktion des Antisemitismusvorwurfs

[...]

Von Frau Schüler-Springorum wünsche ich mir, dass aus dem Zentrum für Antisemitismusforschung endlich eine wissenschaftliche Institution zur Erforschung auch der zeitgenössischen Funktion des Antisemitismusvorwurfs –

Gekürzt. Bitte diskutieren Sie zum Artikelthema und verzichten Sie auf Anfeindungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/fk.

Kann ich nicht akzeptieren

Antisemitismus ist - wie jeder weiß - Verachtung, Hass, Vorurteile gegenüber Juden oder dem Judentum. Es bringt gar nichts, hier so zu tun, als müsse man sich komplizierten Begriffsspielerein hingeben.

Die Vorstellung, dass der Antisemitismusvorwurf häufig als Keule gebraucht wird, ist mMn falsch: das mag es geben und das ist natürlich bedauerlich. Aber es sollte doch nicht ablenken von der Realität (sowohl früher als auch heute) des Antisemitismus in der Welt (in D. wie in anderen Staaten).

Was Sie unter 3. schreiben ist eine persönliche Verleumdung. Wie kommen Sie eigentlich darauf? Ich "überwache" hier gar nichts.

Ich habe mir Ihre Webseite genau angesehen. Ich habe keinen Zweifel, dass Ihre dort erläuterten Thesen antisemitische Klischees bedienen, die Geschichte verfälscht darstellen und damit in einer ungehörigen Weise die Verbrechen des NS-Staates verharmlosen, Israel und den Zionismus dämonisieren. Interessant ist Ihre prominente Mitgliedschaft in der SPD. Ob die den Statuten entspricht?

Mein Dank an ZEIT-ONLINE und Frau Schüler-Springorum ...

... für diesen wohltuend aufklärenden Artikel zur aktuellen Antisemitismus-Forschung und zur wissenschaftlichen Arbeit von Frau Schüler-Springorum!

"Wo fängt Antisemitismus an, wo hört "legitime Israelkritik" auf? Stefanie Schüler-Springorum muss nicht lange nachdenken: "Schon das Reizwort Israelkritik erfasst den komplexen Sachverhalt in keiner Weise", sagt die Historikerin.

"Pauschale Israelschelte – als könne man ein ganzes Land "kritisieren" – und die Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen sollte man nicht in einen Topf werfen. Die Fixierung auf die israelische Politik in den besetzten Gebieten reize "Menschen, die endlich einmal etwas gegen Juden sagen wollen, ohne gleich als Antisemiten zu erscheinen". Nur Rechtsradikale bekennen sich heute offen zum Antisemitismus, sagt Schüler-Springorum. Die gängigen antisemitischen Reaktionen versteckten sich hinter einem "Ja, aber" oder "Man wird doch wohl noch sagen dürfen …"."

Man kann sich auch hier im Leserforum unter so gut wie jedem Artikel mit Bezug zu Israel davon überzeugen, wie zutreffend die obigen Aussagen der Antisemitismusforscherin Frau Schüler-Springorum leider sind.

Obwohl der jüdische Staat ein Winzling ist, und der gesamte Konflikt um die Existenz Israels mit allen Kriegen und Terrorakten insgesamt bisher etwa 42.000 Opfer gefordert hat, ist die Wahrnehmung dieses einen Konflikts dermaßen obsessiv und ressentimentgeladen, dass viel größere und verlustreichere Konflikte gar nicht mehr wahrgenommen werden.

was gemeint sein könnte

"Obwohl der jüdische Staat ein Winzling ist, und der gesamte Konflikt um die Existenz Israels mit allen Kriegen und Terrorakten insgesamt bisher etwa 42.000 Opfer gefordert hat, ist die Wahrnehmung dieses einen Konflikts dermaßen obsessiv und ressentimentgeladen, dass viel größere und verlustreichere Konflikte gar nicht mehr wahrgenommen werden."
Falsch.
Abgesehen davon, daß der Palästinakonflikt bereits sehr lange andauert und allein deshalb schon außergewöhnlich ist, besitzt er eine internationale Relevanz ohne Gleichen.
Da sind nicht nur München 1972 und Mogadischu 1977 zu nennen, der gesamte "Clash of Civilazations" wird dort befeuert.
Kritik an der einen oder anderen Konfliktpartei sollte - selbst wenn sie unsachlich ist - nicht automatisch mit Antisemitismus oder Islamophobie in Verbindung gebracht werden. Entscheiden ist, was gesagt wird. Nicht was gemeint sein könnte.

internationa

@HamburgerSepp

"Entscheiden ist, was gesagt wird. Nicht was gemeint sein könnte."

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Ja, genau darum geht es doch!

Wenn "Israelkritik" über viele Jahre praktisch unentwegt wortwörtlich sagt, Israel sei

faschistisch

rassistisch

nazistisch

Apartheidsstaat

Theokratie

"Großisrael"

kriegsgeil

usw.

dann möchte ich lieber gar nicht so genau wissen, was solche "Israelkritik" abgesehen von solch unentwegt abgefeuerten Wortgeschossen sonst noch so alles meint.

Bitte informieren sie sich

Bevor sie so etwas schreiben.
Es geht doch um weitaus grundsätzlichere Dinge, wie sie und ich wohl wissen.

Den Juden geht es doch in Wahrheit um ihren Traum des eigenen jüdischen Reichs wie er in ihrer Bibel versprochen wird, das gelobte Land Israel, das sie praktisch nie besaßen.

Den Arabern in der Gegend hingegen geht es um direkt zwei Dinge, nämlich zum einen die Wieder-Einmischung des Westens in eigene Angelegenheiten (GB war nunmal damals praktisch hauptverantwortlich für Israel), und zum anderen um den eigentlichen Diebstahl des eigenen Landes.

Das sich die Nachbarn auf beiden Seiten dann auch nicht wirklich friedlich begegnen ist kein Wunder.
Und dazu kommt letztlich noch, dass alle drei Weltreligionen mit dieser Region historisch sehr stark verwoben sind.
Dazu kommen noch weiterhin die vor allem deutsche Geschichte, die Unterstützung der USA, Wirtschaftsinteressen der Westmächte, Intervention der Mullahs aus Teheran und Saudi-Arabien, usw usf.

Oder um es kurz zu sagen:
Nur weil jemand eine Seite kritisiert ist er weder fremdenfeindlich noch in irgendeiner Form "antisemitisch" oder sonstetwas, denn es gibt auf jeder Seite mehr als genug Kritikpunkte inklusve dem größten, dass dieser ganze Konflikt wieder die Überholtheit der Begriffe Religion und Nation zeigt, weil diese die Hauptgründe für Kriege sind...

Die eigentlich größte Frage die sich mir stellt ist, wie jemand ernsthaft wieder Steuergelder für eine derartig unsinnige Forschung rauswerfen kann...

Und sie

@Redaktion
Das ist eine Verleumdung!

Aber um einmal zur Sache zu kommen: Soweit ICH weiß handelt es sich bei der Geschichte über das Reich Israel wie so vieles auch um eine Art Legende für die es nicht den geringsten historischen Beweis gibt.
Deswegen fand ich es so bezeichnend, wenn z.B. Netanjahu über das Land spricht in dem vor 3000 Jahren seine Vorfahren gelebt haben.

Ich bezweifel übrigens nicht, dass damals Menschen dort gewohnt haben aber sie können mir nicht erzählen dass es ja nur Juden waren, und das ist mein Problem damit.
Wenn sie mir erzählen können wie denn es wirklich gewesen sein soll inklusive seriöser Quellen wäre ich jederzeit bereit meine Meinung zu revidieren.

zu 184. jüdische Bevölkerung

Dann schlagen Sie z. B. im "Lexikon populärer Irrtümer" unter dem Stichwort "Jerusalem" nach. Anders als manche Araber uns gerne glauben machen würden, haben schon lange vor 1948 in Jerusalem mehr Juden als Araber gelebt:
Bevölkerung Jerusalems
Jahr Juden Moslems Christen
1844 7120 5000 3390
1876 12000 7560 5470
1896 28112 9560 8748
1922 33971 13413 14699
1931 51222 19894 19335
usw.
Diese Zahlen stammen aus der Encyclopaedia Britan-nica (1844), dem französischen »Indicateur de laTerre-Sainte« (1876), dem »Palästinensischen Kalender« (1896) sowie aus amtlichen und halbamtlichen Volkszählungen in Jerusalem und Umgebung.

@Secundus v. Quack

"Diese Zahlen waren wahrscheinlich

schon damals schlau geschönt"

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Vom Osmanischen Reich???

Die sunnitisch-islamische Kolonialmacht beherrschte bekanntlich über mehrere Jahrhunderte die Provinz Palästina, und sie verfügte über ein hochentwickeltes System der Erfassung ihrer Untertanen in den osmanischen Provinzen, mittels Volkszählungen, bei denen auch das jeweilige Glaubensbekenntnis stets mit erfasst wurde.

Die osmanischen Zahlen aus Palästina belegen, dass es über die Jahrhunderte hinweg einen starken Anteil an jüdischer Einwohnerschaft in Jerusalem gab, der bereits lange vor dem Einmarsch der Briten im Jahr 1917 zahlenmäßig dominant war.

Kleine Nachfrage

Nur mal kurz zum Mitschreiben: Sie vertreten hier die These, dass damals Juden in der osmanischen Verwaltung saßen und die Zahlen der Einwohner zugunsten der jüdischen Bevölkerung gefälscht haben. Und dies nennen Sie dann "schon damals schlau gefälscht"?
Wieso "schon damals"?
Haben Sie für Ihre Thesen irgend einen Beweis`?
Oder produzieren Sie einfach nur ein Klischee?

Für rationale Argumente unerreichbar

"warum nicht?

In der Verwaltung und an wichtigen Stellen saßen oft Juden, besser geeignete Leute konnte man ja gar nicht bekommen."

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Dazu das passende Zitat der Antisemitismusforscherin Stefanie Schüler-Springorum:

"Antisemitismus ist nicht ein Vorurteil unter vielen, sondern ein geschlossenes Weltbild."

Das bestreite ich auch nicht

Wie gesagt, das dort Juden gelebt haben bestreite ich nicht, übrigens auch nicht über die Jahrhunderte.

Mein persönliches Problem liegt nur darin, dass von einer ideologischen Idee eines israelischen Reiches geredet wird; Fakt ist, dass diese Existenz auf einem biblischen Mythos aufbaut, zu dem es kaum Quellen gibt, was aber NICHT heißen soll, dass damals da keine Menschen gewohnt haben, nur ist die Einteilung in "Juden" oder "Nicht-Juden" einfach falsch.

Und für die Jahrhunderte so zwischen 500 v. chr und 1918 liefern nur geschichtliche Quellen insoweit die Hintegründe, als dass das Land jahrelang entweder umkämpft war, unter osmanischer Herrschaft schließlich stagnierte, und dann ab 1880 ca. von den Juden immer weiter ansteigend ebenso wie von Arabern und Christen bevölkert wurde nach der zionistischen Idee.

Mit anderen Worten diese Geschichts-Klitterung ist einfach nur falsch und unangemessen, aber Fanatiker wie Netanjahu berufen sich genau auf SOLCHE Dinge um ihre eigenen Ideologien zu verbreiten, und da fängt die Problematik doch erst an!

Mir ist im Endeffekt vollkommen egal, wem was wie gehört und wer sich wie um was streitet, aber eines kann man absolut nicht bestreiten: Das bestimmte arabische Volksgruppen/Stämme Israel am liebsten von der Landkarte hätten und auf der anderen Seite Hardlner wie Liebermann dasselbe am liebsten umgekehrt hätten...

@Stefan_T

"... Mein persönliches Problem liegt nur darin, dass von einer ideologischen Idee eines israelischen Reiches geredet wird; ..."

Das Problem liegt ja wohl eher in einer allem Jüdischen gegenüber extrem ressentimentgeladenen und krass eindimensionalen, vorurteilbehafteten und sehr selektiven Wahrnehmung, insbesondere von der nationalen Heimstatt für das jüdische Volk, dass Sie sich hier zu einem 'israelischen Reich' zurecht fantasieren.

Es handelt sich dabei übrigens um einen der kleinsten Nationalstaaten auf der Welt, von gerade mal der Fläche unseres Bundeslands Hessen.

Nein, ich will kein Klischee produzieren

außerdem habe ich meine Einlassung klar als Mutmaßung gekennzeichnet mit dem Wort "wahrscheinlich". Heutzutage wird nämlich durchaus "getürkt", und zwar nachweislich und nicht zu knapp. Ich habe Verständnis dafür, aber es ist Fakt.
Interessant ist dabei, dass, falls etwas davon ans Tageslicht dringt, sofort ein Aufschrei erfolgt und es wird die westliche Presse gescholten: Israel werde immer falsch gesehen. Dabei geht genau diese westliche Presse äußerst kulant mit dem Staate Israel um.

Ja sicher!

Jetzt kommt wieder die Antisemitismus-Keule, wenn rationale Argumente nicht mehr stimmen was?
Aber es zeigt ja letztlich wessen Lobbyist sie sind...Wieviel zahlt man ihnen eigentlich?

Ach und übrigens wäre der Staat noch kleiner würde Israel die annektierten Gebiete entgültig zurückgeben, aber dabei handelt es sich ja nur um rein "strategische" Gründe, deswegen annektiert man durch Siedlungen illegal Gebiet in Jerusalem, usw usf.
Stimmt, aber die israelische Politik ist die liberalste Politik der Welt und Liebermann hat nicht das Wörtchen Deportation einmal benutzt, siiicher...

http://de.wikipedia.org/w...

Achja, und trotz der Größe hat Israel Atomwaffen nicht wahr?

Sie wissen doch selbst wie derartig blödsinnig ihre Argumente sind! Würde die internationale Gemeinschaft dort den Leuten nicht so penibel auf die Finger schauen (ebenso Israelis wie Palästinensern) dann sähe die Staatenordnung dort wohl ganz anders aus...

@Stefan_T

"Jetzt kommt wieder die Antisemitismus-Keule, wenn rationale Argumente nicht mehr stimmen was?
Aber es zeigt ja letztlich wessen Lobbyist sie sind...Wieviel zahlt man ihnen eigentlich?"

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Rational gesehen gibt überhaupt keine "Antisemitismus-Keule", sondern es gibt lediglich die irrationale Uminterpretierung von rationaler Kritik an alten und neuen antisemitischen Argumentationsmustern, durch diejenigen obsessiv agierenden Israelhasser, die sich auf diese manipulative Art und Weise stets gern in die Rolle eines von Juden/Zionisten verfolgten und gekeulten armen Opfers flüchten, um damit ihre eigene irrationale Aggressivität gegenüber allem tatsächlich oder vermeindlich jüdischen/zionistischen als eine Art von Notwehr darstellen zu können.

Die unter israelhassenden "Antizionisten" durchgängig verbreitete irrationale Manie, in jedem Andersmeinenden zwanghaft einen vermeindlichen bezahlten Agenten der Juden/Zionisten wahrzunehmen, ist ein typisches Phänomen des neuen Antisemitismus in Gestalt des Israelhasses.

Es handelt sich dabei lediglich um eine modifizierte Variente des altbekannten antisemitischen Weltverschwörungsvorwurfs gegenüber den Juden.

Sicher!

Jemand der sie selbst anwendet kennt sie natürlich nicht wie jemand der sie zu spüren bekommt.

Kurz gesagt richtet sich Antisemitismus ALLGEMEIN gegen Juden, was schonmal nicht stimmen kann da ich u.A. auch jüdische Freunde habe,
Antizionismus richtet sich gegen eine jüdische Ideologie die ja letztlich als Konsequenz aus dem antisemitischen Weltbild des damaligen Europas entstanden ist.

Und wenn sie letztlich meinen, dass es ebenso wenig eine israelische Lobby gäbe, vor allem nicht in Deutschland dann ist das schlichte Realitätsverzerrung.
Wie sonst käme denn wohl kaum offene Kritik an den Waffenlieferungen nach Israel auf?
Wieso kommt keine Kritik an über die eigentlichen offenen Missstände in der israelischen Gesellschaft und den "double standards" für Araber und Nicht-Araber?

Und ja, ich kritisiere auch ebenso die arabische Gesellschaft, da man wohl letztlich an den israelischen Verhältnissen kaum etwas ändern kann. Doch dieser ideologische und ignorante Kleinkrieg über Unsinnigkeiten ist doch genau der Grund, warum es zu keiner Lösung des Nahost-Konflikts kommt! Die Islamisten sollten wohl am besten erst einmal lernen, dass diese ignorante Weltsicht von der Nicht-Existenz Israels einer Lösung nicht beikommt!

Also [...] schlagen sie vielleicht erst einmal nach, was denn die verschiedenen Sachen über die sie schreiben überhaupt bedeuten!

Gekürzt. Bitte bleiben Sie höflich. Danke. Die Redaktion/sc

Die Vulgarisierung des Horrors

Antisemitismus war sehr lange in einem Wort konzentriert, der allen damit verbunden Horror umfasste: Auschwitz.

Dann kam eine schleichende Vulgarisierung, die in den letzten Jahren zu einer unsäglichen Beliebigkeit des Wortes geführt hat.

Antisemitismus ist heute eine Worthülse, die mit dümmlicher Beliebigkeit in alle Richtungen verschossen wird und Denken, Reflexion und Diskussion erspart.

DAS ist das Drama.

Antisemitismusforschung wieder einmal neu erfinden.

Mich würde ja interessieren, was Frau Schüler-Springorum zu der Antisemitismuskritik der Antideutschen und zu Moshe Zuckerman zu sagen hat.

Ein differenziert Blick tut Not, aber es sollte vermieden werden wieder fragwürdige Studien zum Antisemitismus für politisches Tagesgeschehen zu missbrauchen. Eine "emotionale Wucht" könnte ja auch daher rühren, dass die durch Journalisten großspurig als Antisemiten abgestempelten Menschen, die sich in diesem Staate gegen Rechts, gegen Exklusion, für Toleranz und am wichtigsten: für Geschichtsaufarbeitung einsetzen, gegen dieses Unrecht zur Wehr setzen!

Auch sollte nicht Aufgabe irgendeiner Forschung sein wissenschaftlich zu erarbeiten, welche Meinung Menschen haben dürfen. Das widerspricht einfach den Grundsätzen der aufgeklärten Gesellschaft. Frau Schüler-Springorum wird sich damit ja auch sehr differenziert beschäftigen, aber für mich wird in diesem Artikel nicht deutlich genug heraus gearbeitet, dass antisemitische Grundeinstellungen heute wie früher nur Symptom tiefer liegender sozialer oder allgemeiner: gesellschaftlicher Spannungen sind, die leider von einer nicht direkt berührten Mehrheit auf eine Minderheit projiziert werden.

Auch wenn ich es nicht als nötig erachte die "Antisemitismusforschung" wieder mehr zu fördern als Antiziganismus, Islamophobie und Xenophobie, kann eine differenzierte Auseinandersetzung vielleicht wenigstens den Missbrauch des Wortes verhindern helfen.

Fehler

ich meinte natürlich:

"wieder mehr zu fördern als Antiziganismus-, Islamophobie- und Xenophobieforschung..."

Hier sei einmal noch auf Mendelssohn verwiesen, den Frau Schüler-Springorum offensichtlich anspricht, wenn sie die Nichtteilhabe an einem kollektiven, nationalstaatlichen Geschichtsbewusstsein beklagt. Mendelssohn gehört meiner Meinung nach in die Geschichts-Lehrpläne! Ich verstehe nicht, wie man diesen großen Philosophen und Aufklärer aus dem deutschen Geschichtsbewusstsein tilgen konnte!

@ahlibaba2

"Auch sollte nicht Aufgabe irgendeiner Forschung sein wissenschaftlich zu erarbeiten, welche Meinung Menschen haben dürfen."

Dies ist m.E. eine sehr entlarvende falschbehauptende Unterstellung gegenüber der Antisemitismusforschung insgesamt, wie gegenüber der Wissenschaftlerin Schüler-Springorum.

Denn weder die Antisemitismusforschung im Allgemeinen, noch die Frau Schüler-Springorum im Besonderen, arbeiten mit ihrer wissenschaftlichen Forschung an Denk- oder Redeverboten.

Aus welcher Ecke solche Falschbehauptungen kommen, ist allerdings klar, -gerade auch Dank der Antisemitismusforschung!

Verstehe ich nicht.

Wie meinen Sie denn, dass klar ist, aus welcher Ecke das kommt?

Ich kenne diese Historikerin persönlich nicht und will mir daher kein Urteil erlauben. Ich hoffe nur, dass ihre Art auf dem Gebiet der Antisemitismusforschung dann nicht wieder als Steilvorlage genutzt werden kann bestimmte politische Gruppierungen mittels medialer Hetzkampagne zu delegitimieren und dass Frau Schüler-Springorum dafür ihren Namen nicht hergibt! Denn der Begriff des Antisemitismus wird gerade durch nicht begründeten Gebrauch immer weiter entwertet.